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SZ-Serie: Bodenschätze, Folge 5:Namensgebende Tasse

Henkeltasse

Der Estinger Glockenbecher ist nicht verziert, weißt aber die Merkmale der nach ihm benannten Epoche auf.

(Foto: oh)

In einem Gräberfeld an der B 471 stoßen Archäologen 1998 auf Spuren der Glockenbecherkultur

Überall im Brucker Land sind unter der Erde Schätze verborgen, die viel über die Entwicklung des Landkreises und der menschlichen Zivilisation erzählen. Mit seiner weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten archäologischen Abteilung schafft es der Historische Verein, dass diese Schätze geborgen, erforscht und erhalten werden. In einer großen Ausstellung präsentiert der Verein nun in jeder Kommune mindestens ein für den Ort bedeutendes Fundstück. In einer SZ-Serie werden in den kommenden Wochen und Monaten alle Ausstellungsstücke vorgestellt.

Es ist eines der größten Gräberfelder der Region. Entdeckt wurde es 1998 an der Ausfahrt Maisach/Esting der B 471. 21 Gräber haben die Archäologen des Historischen Vereins dort ausgegraben und dokumentiert. Es handelt sich um sechs Männer-, fünf Frauen und sieben Kindergräber. Die restlichen drei waren leer, vermutlich wurden sie geplündert.

In jedem der Gräber wurde mindestens ein Tongefäß gefunden. Darunter auch der Glockenbecher, der aktuell in Olching zu sehen ist. Typisch für die Gefäße der sogenannten Glockenbecherzeit, die zwischen 2500 und 2200 vor Christus datiert wird, ist, dass sie einen flachen Boden und im Profil eine S-Form besitzen. Derartige Gefäße sind allerdings auch aus früheren Epochen, etwa der sogenannten schnurkeramischen Zeit, bekannt und so war die Altersbestimmung und Zuordnung nur anhand des Grabkontextes möglich. Alle Toten wurden in Hock-Lage bestattet. Die Männer dabei mit dem Kopf nach Norden, die Frauen nach Süden. Die Männer lagen auf ihrer linken Seite, die Frauen auf der rechten. Dadurch schauen alle Toten in Richtung Osten. Welche spirituellen oder religiösen Vorstellungen dahinter stecken, wissen die Forscher allerdings nicht. Durch die Lage allerdings, können sie die Estinger Gräber eben von der Schnurkeramik abgrenzen. Denn in dieser Epoche wurde die Menschen stets mit dem Kopf nach Norden begraben.

Interessant für die Archäologen war, dass sie in den Estinger Gräbern keine Waffen gefunden haben. So fehlten die sonst bei solchen Gräbern typischen Dolche und Pfeilspitzen. Gefunden wurde lediglich das Fragment einer Armschutzplatte. Diese wurden von Bogenschützen verwendet um den Unterarm vor der zurückschnellenden Sehne zu schützen.

Die Glockenbecherkultur, die noch in die späte Jungsteinzeit fällt, war in weiten Teilen Europas verbreitet, allerdings nie flächendeckend. Vielmehr gibt es immer noch inselartige Fundkonzentrationen, davon eine größere in Südbayern.

Ausstellung "Bodenschätze", bis 27. September. Die Glockenbecher-Tasse ist zu sehen in der Sparkasse Oching, Hauptstraße 26/28. Alle Ausstellungsorte finden sich im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de. Erschienen ist zudem ein lesenswerter Katalog

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