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SZ-Serie "Arbeiten in Corona-Zeiten", Folge 12:Abfalltonnen mit netten Zetteln

Auch in Zeiten von Corona sind Müllmann Heiko Friedrich und seine Kollegen täglich unterwegs. Um die Infektionsgefahr zu verringern, tragen sie Schutzmasken, im Wagen gibt es Desinfektionsmittel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Müllabfuhr erledigt ihre Arbeit auch in Zeiten der Coronakrise zuverlässig. Und Mitarbeiter wie Heiko Friedrich erhalten nun auch mal eine Anerkennung - und finden Dankesbotschaften vor

Von morgens um sechs bis nachmittags um drei fährt Heiko Friedrich mit zwei Kollegen, alle in neongelber Arbeitskleidung, mit dem großen Mülllaster durch die Straßen in Städten und Dörfern des Landkreises und sammelt Restmüll ein. In den Zeiten von Corona und Ausgangssperre genau wie sonst auch. Friedrich, 42, ist seit mehr als 17 Jahren Kraftfahrer bei der Firma "A. Huber - Umwelt- und Entsorgungspartner" in Gernlinden, die im Auftrag des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises (AWB) abtransportiert, was die Leute so wegwerfen.

Eigentlich ist alles wie immer. Kleine Änderungen merkt Heiko Friedrich aber doch: "Das Landratsamt hat uns angewiesen, auch sehr volle Tonnen zu leeren", sagt er. Denn weil die Leute viel mehr zu Hause sein müssen, fällt auch viel mehr Müll an - Windeln zum Beispiel, die sonst in der Krippe entsorgt würden. Dafür gibt es dort gar keinen Müll. In den Straßen ist viel weniger Verkehr, die Müllleute kommen leichter durch. "Es ist super zum Fahren, weil niemand unterwegs ist." Und noch etwas ist anders: Auf manchen Tonnen finden die Müllmänner jetzt nette Zettel, mit denen sich die Menschen dafür bedanken, dass Friedrich und seine Kollegen auch in der Krise ihre Arbeit zuverlässig erledigen. Das tut den Müllarbeitern gut, die sonst immer mal das Gefühl haben, es werde auf sie herabgesehen. "Endlich mal eine Anerkennung", sagt Friedrich. "Manchmal stehen auch Eltern mit ihren Kindern an der Tür und schauen uns bei der Arbeit zu. Klar, die haben ja jetzt Zeit." Friedrich freut auch das.

Michael Huber, der Juniorchef der Firma, ist ebenfalls froh, dass die wichtige Arbeit der Entsorger wahrgenommen wird. Denn die würden sonst nicht immer respektvoll behandelt. Huber ist auch stolz darauf, dass noch immer alle Mitarbeiter zuverlässig zur Arbeit erscheinen. Ausfälle gebe es bislang nicht, sagt auch Kraftfahrer Friedrich: "Alle Wägen fahren." Fünf Müllautos habe seine Firma in den ländlicheren Gebieten des Landkreises im Einsatz, mit etwa zehn Mitarbeitern, sagt Michael Huber. Zehn Tonnen kann jeder Wagen laden. In den Städten holt die Firma Remondis den Müll.

Genau 28 889 Tonnen Hausmüll und 5026 Tonnen Bioabfälle hätten beide Firmen im Jahr 2019 abgeholt, teilt Barbara Steinmetz mit, die beim AWB für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Hausmüll wird alle zwei Wochen abgeholt, Biomüll wöchentlich. Die Touren enden in der Müllverbrennungsanlage in Geiselbullach. Etwa um 14 Uhr werde der Wagen dort geleert, sagt Friedrich, dann gehe es zurück in die Firma, dann heim.

Alle Teile der SZ-Serie "Arbeiten in Corona-Zeiten"

Um das Risiko der gegenseitigen Ansteckung zu verkleinern, haben die Müllmänner Schutzmasken bekommen. Friedrich sagt: "Da bin ich nicht der Fan davon." Außerdem sind die Müllautos mit Wasserkanistern ausgestattet worden, damit man sich regelmäßig die Hände waschen kann, und Desinfektionsmittel gibt es selbstverständlich auch. Verzichten müssen sie auf ihre kleinen Pausen beim Bäcker mit heißem Kaffee und einer Brotzeit.

"Wir bringen uns jetzt eben was von zuhause mit." Aber sich bei schlechtem Wetter zwischendurch aufwärmen, das gehe jetzt eben nicht mehr. Die Kollegen, die hinten auf dem Wagen mitfahren, "die sind hart gesotten. Die arbeiten sich warm." Auf längeren Fahrten sitzen alle drei Kollegen im Führerhaus. Das mit dem Mindestabstand klappt dann nicht so. "Daheim läuft alles rund", sagt Friedrich. Der 15-jährige Sohn ist auch schon bei der Firma A. Huber, der 17-Jährige ist IT-Spezialist und arbeitet momentan nicht. Zum Glück seien die Jungs schon groß, alt genug, um allein klar zu kommen. Auch Friedrichs Frau arbeitet in einem sehr wichtigen Beruf. Sie ist Krankenschwester in einer onkologischen Praxis in Dachau.

© SZ vom 09.04.2020

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