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SZ im Dialog:Hausgemacht

Cafe Ganser

Einen Blick in ihre Kuchentheke gestatten Carola und Barny Ganser. Am Donnerstag erwarten sie viele SZ-Leser

(Foto: Günther Reger)

Carola und Barny Ganser führen seit 13 Jahren ein eigenes Café. Bei ihren Kuchenkreationen lassen sie sich schon mal von anderen Regionen inspirieren. Nun sind sie Gastgeber der SZ-Aktion "Was Olching bewegt"

Von Julia Bergmann, Olching

Ein gutes Café könne dem einen oder anderen Gast den Gang zum Psychiater zu ersparen. Da ist sich Barny Ganser sicher. Das klingt zunächst einmal nach einer gewagten These, aber der Inhaber des Café Ganser an der Olchinger Feursstraße meint das ernst. "Wer hört heutzutage noch richtig zu?", fragt er. Wer nimmt sich schon mal Zeit, um durchzuatmen, inne zu halten, sich auszutauschen und einen ruhigen Moment zu genießen? Da brauche es schon einen bestimmten Platz, eine gewisse Atmosphäre. Genau so einen Ort wollen Carola und Barny Ganser mit ihrem Café anbieten. "Eine Oase der Ruhe", wie Barny Ganser sagt, ein Ort des Austausches. Ein Café wie dieses eignet sich bestens für die SZ-Aktion "Was Olching bewegt". Am kommenden Donnerstag, 9. November, lädt die Fürstenfeldbrucker Redaktion ihre Leser ins "Café Ganser" ein. Redaktionsmitglieder nehmen Themen auf, die die Olchinger beschäftigen. Die Ergebnisse der Recherchen werden anschließend in der Fürstenfeldbrucker SZ nachzulesen sein.

Seit 13 Jahren gibt es das Café Ganser bereits. Oberste Priorität hatte für die beiden 49 Jahre alten Inhaber von Anfang an, dass sich ihre Gäste wohlfühlen. Ein freundliches Lächeln, ein nettes Wort, die Bereitschaft, den Kunden zuzuhören - all das gehört für sie dazu und gilt für jeden Gast. "Egal wer bei uns ein- und ausgeht, wie er ausschaut oder was er anhat", sagt Barny Ganser. Es ist eine Philosophie, mit der das Ehepaar Erfolg hat, immerhin gibt es ihren kleinen Betrieb in Olching mittlerweile schon seit 13 Jahren. 95 Prozent der Kunden sind Stammkunden und an manchen Tagen zieht sich die Schlange vor der Kuchentheke bis auf die Straße hinaus.

Dass die Kreationen des gelernten Bäckers und Konditormeisters so begehrt sind, liegt sicher nicht zuletzt an der Qualität der Speisen. Sämtliche Brote, Semmeln, Kuchen und Torten werden selbst gebacken und zwar ohne die Zugabe von Konservierungsstoffen und chemischen Triebmitteln. Das dauert länger als industriell gefertigte Tiefkühlteiglinge aufzubacken, ist aufwendiger, schmeckt aber raffinierter. "Wir machen Slow Food, alles mit reiner Biohefe, und lassen unseren Teigen viel Zeit zu gehen", sagt Barny Ganser. "Uns war klar, dass unsere Kuchen, Torten und Kleingebäck wie hausgemacht schmecken sollen", sagt Carola Ganser, die einst den Beruf der Krankenschwester erlernt hat. Die ursprüngliche Verarbeitung von natürlichen Rohstoffen stand für das Inhaberpaar immer im Vordergrund. Dass dabei nicht jede Semmel gleich aussieht, nehmen sie in Kauf. Schließlich kamen die Kunden irgendwann von alleine. Wenn es bis dahin auch ein langer Weg war.

"Wir haben lange überlegt, ob wir uns selbständig machen", sagt Barny Ganser. "Schaffen wir es körperlich wie auch seelisch? Werden wir es mit unseren zwei kleinen Kindern schaffen, Geschäft und Familienleben unter einen Hut zu bringen?" Gedanken wie diese beschäftigten das Ehepaar immer wieder, bis sie schließlich 2004 ein bereits bestehendes Café nach der Geschäftsaufgabe eines Kollegen kauften. "Wir haben mit einem kleinen Personalwesen und einer noch kleineren Produktauswahl angefangen", sagt Carola Ganser, die in Eichenau aufgewachsen ist. "Die ersten drei, vier Jahre haben wir gekämpft", sagt ihr Mann. Irgendwann habe sich die gute Qualität der Backwaren und die Vielfalt des Frühstücksangebots herumgesprochen, die Nachfrage sei gestiegen. Mittlerweile haben die Gansers mehr als über 80 verschiedene Produkte im wechselnden Angebot und das Team komplettieren zwei Gesellinnen und ein Lehrling. Vor rund vier Jahren konnten sie das Café nach ihrem Geschmack und ihren Bedürfnissen umbauen, so dass sie einige Arbeitsbereiche im gewachsenen Betrieb optimieren konnten. Viele der Kunde kommen seit Jahren. Selbst wenn die Gansers einmal pro Jahr ihr Café schließen und in Betriebsurlaub gehen, bleiben sie ihnen treu. Eine Besonderheit und ein Glück, wie der gebürtige Münchner weiß. Immerhin legen er und seine Frau auf ihre Reisen großen Wert. Die Aufenthalte an fremden Orten bringen neue Ideen und Inspiration, die Barny Ganser häufig in neue Backkreationen, wie der von Ostfriesland inspirierten "beschwipsten Apfel-Sahne" einfließen lässt. Nach 13 Jahren steht für die Gansers fest, dass sich ihr Traum von einst erfüllt hat. "Es ist eine Lebensaufgabe. Wir können uns nicht vorstellen, etwas anderes zu machen", sagt Carola Ganser.

"Was Olching bewegt", Donnerstag, 9. November, 11 bis 18 Uhr, Café Ganser, Feursstraße 21: Neben den Lesern erwartet die Redaktion als Gesprächspartner: Michael Kirchner, Vorsitzender des Behindertenbeirats (11 Uhr), Polizeihauptmeisterin Yvonne Reichlmair (11.30 Uhr), den katholischen Pfarrer Josef Steindlmüller (14 Uhr), den evangelischen Pfarrer Harald Sauer (15 Uhr), Bürgermeister Andreas Magg (15.30 Uhr), Angelika Steer, Vertreterin des Olchinger Kulturamts (16 Uhr), und Tilman Brenner, Vorsitzender des SV Esting (17 Uhr).

© SZ vom 04.11.2017
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