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SZ-Adventskalender:Schuldenfalle Ratenzahlung

Das Projekt ""Knete, Konsum, Kosten und Kredit" von Bürgerstiftung und Sparkasse klärt Schülerinnen und Schüler über die Gefahren bei langfristigen Finanzierungen auf

Von Florian J. Haamann

Das neueste Smartphone? Kein Problem, gibt es ja ab einem Euro mit Vertrag. Ein neuer 80-Zoll-Fernseher? Dank Ratenzahlung über 24 Monate ohne große Einschränkungen finanzierbar. Oder? Ganz so schön, wie es die Werbeprospekte suggerieren, ist die Realität freilich nicht. Denn gerade Ratenfinanzierung und langfristige Verträge können schnell zur Schuldenfalle werden, wenn man nicht vorab alles genau durchrechnet. Vor allem Jugendliche sind anfällig für diese Art der Verschuldung. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes haben alleine im Jahr 2019 knapp 600 000 Menschen eine Schuldnerberatungsstelle besucht, knapp ein Drittel von ihnen war zwischen 20 und 35 Jahre alt. Um Jugendlichen im Landkreis die Gefahren von Raten- und Kreditfinanzierung vor Augen zu führen, bietet Silvia Ponath von der Bürgerstiftung für den Landkreis das Seminar "Knete, Konsum, Kosten und Kredit" an Schulen an. Der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung möchte das Projekt finanziell, unter anderem bei den Materialkosten, unterstützen.

"Für mich ist das Projekt ein Herzensanliegen, weil ich es gerade in der heutigen Zeit, in der es überall Ratenkäufe gibt, wichtig finde, die Jugendlichen rechtzeitig aufzuklären", sagt Ponath. Jeweils eine Doppelstunde sensibilisiert sie die Schüler für das Thema. Am Anfang werden dabei erst einmal die typischen Angebote betrachtet und analysiert. "Die Schüler müssen dann mitrechnen, was es die Gesamtkosten sind und ich erkläre ihnen, dass sie auch in der Lage sein müssen ihre Raten zwei, drei Jahre zuverlässig zu bezahlen, auch wenn mal eine Mieterhöhung oder etwas anders dazwischen kommt".

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Vor allem bei Handyverträgen laufen Jugendliche und junge Erwachsene Gefahr, den Überblick über die Gesamtkosten zu verlieren.

(Foto: Imago Images/Sven Simon)

Zum Programm gehört auch ein psychologischer Exkurs. Gemeinsam schauen sie sich die maslowsche Bedürfnispyramide an. "Die Schüler sollen lernen, was sind die Grundbedürfnisse und wie können sie diese finanzieren: Miete, Essen, Kleidung. Dann gehen wir die Pyramide langsam nach oben und schauen, was zwar schön zu haben, aber eben nicht so wichtig ist."

Dass die Verschuldung immer weiter steigt, verwundert Ponath nicht. "In der Generation meiner Eltern war es verpönt, überhaupt einen Kredit aufzunehmen, da hat man sein Auto noch bar bezahlt. Wer macht das heute noch? Ratenkäufe gab es damals schlichtweg nicht. Heute dagegen gehört das Kredite-Aufnehmen ja quasi zum guten Ton." Dabei gehe es ihr nicht um eine Verteufelung der Kredite, sagt die gelernte Bankkauffrau, sondern um einen vernünftigen Umgang damit.

Grundsätzliche plädiere sie für eine bessere Bildungspolitik in diesem Bereich. Vor Jahren habe sie mal ein Gespräch mit einem Abiturienten geführt, der ihr erzählt habe, dass er jetzt zwar perfekt auf Englisch Konversation betreiben kann, aber nicht weiß, welche Versicherungen er nun abschließen sollte und wie ein Kreditkauf abläuft. "Es war ja mal angedacht, da ein Schulfach einzuführen, aber es ist nicht passiert. Und wenn solche Themen im Unterricht mal angesprochen werden, dann werden sie zu theoretisch abgehandelt. Ich merke aber, dass es wichtig ist, die Schüler in ihrem Alltag abzuholen", so Ponath. Und das Interesse an ihren Workshops sei unter den Schülern groß. "Ich hatte es schon, dass Lehrer danach zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass sie überrascht waren, wie toll die Jugendlichen mitgearbeitet haben."

So können Sie spenden:

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Auch für Eltern sei es wichtig, ihre Kinder früh im richtigen Umgang mit Geld zu schulen. Deshalb empfiehlt sie, Kindern lieber ein festes Taschengeld zu zahlen, als immer wenn sie etwas möchten, einzeln darüber zu verhandeln. "Das Taschengeld ist quasi das Pendant zum Einkommen. Deswegen ist es ein schlechtes Beispiel, Geld auf Zuruf zu verteilen." Ab der fünften Klasse empfiehlt sie, das Taschengeld auf ein Konto zu überweisen, eben ganz so wie den Lohn. "Man geht ja auch nicht jeden Monat zum Chef und fragt, wann kriege ich mein Geld und wie viel." Wichtig sei dann, sich daran zu halten und nicht ständig davon abzuweichen. "Natürlich kann man mal eine Ausnahme machen, da würde ich nicht so hart sein. Das könne dann aber an eine Arbeit wie etwa das Ausräumen der Spülmaschine gekoppelt werden. Wichtig sei es eben, den Kindern so früh wie möglich beizubringen, dass man nicht mehr Geld ausgeben könne, als man bekomme. Damit sind die Jugendlichen dann besser gerüstet, wenn sie in ein Alter kommen, in denen sie Gefahr laufen, sich durch Raten und Kredite zu verschulden.

© SZ vom 28.11.2020
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