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Supermärkte:Zurück ins Zentrum

Viele Jahre ebneten die Kommunen Discountern und Supermärkten den Weg auf die grüne Wiese. Damit soll nun Schluss sein

Der schöne Tante-Emma-Laden, Blumenkästen vor dem Schaufenster, mit Geranien - weiß, lila und rot - liegt eingebettet inmitten von Altbauten, direkt im Wohngebiet. Nostalgische Gefühle lassen die Gedanken abschweifen. Schwelgen in Erinnerung an eine Zeit, in der man nur wenige Schritte gehen musste, um im Laden von "Tante Emma" zu stehen. Sie kannte jeden Kunden persönlich. Zwar hatte sie nicht mehrere Dutzend verschiedene Ketchup- oder Spaghettisorten. Aber die, die sie hatte, genügten auch. Das war die Zeit vor den Discountern, die Zeit vor großflächigen Vollsortimentern, vor den Supermärkten auf der grünen Wiese. Platziert am Stadtrand, sind diese längst nur mit dem Auto erreichbar.

Aber auch diese Erscheinungsform soll zunehmend ein Phänomen der Vergangenheit sein. Zumindest wenn es nach den Städten, Gemeinden und der Bevölkerung im Landkreis Fürstenfeldbruck geht. Die Menschen wollen dort einkaufen, wo sie wohnen, sie wollen Supermärkte, die fußläufig erreichbar sind. "Die Tendenz geht weg vom Supermarkt auf der grünen Wiese, hin zum Zentrum, zur Ortsmitte", berichtet Marc Wißmann, Leiter der Ortsplanung des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum. Es werde vermehrt versucht, Lebensmittelgeschäfte zentral zu platzieren. "Man sucht Lösungen, bei denen über den Verkaufsräumen Wohnungen oder Büroräume entstehen können", so Wißmann.

Natürlich sinddie Flächen tendenziell größer als noch vor 20 Jahren, auch die Ansprüche der Handelsketten sind gewachsen. Es ist eine große Herausforderung, geeignete zentrumsnahe Standorte zu finden, die ausreichend Fläche bieten. In der Vergangenheit hat man daher in vielen Fällen die einfache Lösung gewählt und Supermärkte am Stadtrand errichtet. Doch mittlerweile würden einige Gemeinden im Landkreis dem "Supermarkt auf der Grünen Wiese" einen Riegel vorschieben. Man will nicht, dass das Stadt- oder Dorfleben dadurch, dass es keine Einkaufsmöglichkeiten mehr im Zentrum gibt, zunehmend abflacht. "Man braucht einen Magnet im Ortskern", so Peter Eberlein, Geschäftsleiter des Maisacher Rathauses. Es obliege den Gemeinden, zu steuern, wo neue Supermärkte entstehen sollen und wo nicht. Aliki Bornheim vom Amt für Wirtschaftsförderung der Kreisstadt Fürstenfeldbruck berichtet, dass in der jüngeren Vergangenheit Anfragen von Investoren aufgrund der gewünschten Standorte nicht weiter verfolgt worden seien.

Die Stadt sei bestrebt, die Entwicklung in eine bestimmte Richtung zu steuern: "Die Geschäfte sollen idealerweise fußläufig erreichbar sein", erklärt auch Bornheim. "Es geht darum, den demografischen Wandel zu berücksichtigen und darum, den Autoverkehr zu reduzieren." Daher seien Anfragen für größere Standorte außerhalb, für großflächigen Lebensmittelhandel, nicht berücksichtigt worden. Wo Supermärkte grundsätzlich entstehen dürfen und sollen, entscheidet die Bauverwaltung. Zunächst wird bei der Erschließung unterschieden, um welche Art von Gebiet es sich handeln soll - Wohngebiet, Mischgebiet oder Gewerbegebiet sind die gängigsten Unterscheidungen.

In der Regel überplanen Stadt oder Gemeinde die jeweiligen Gebiete. Der dabei entstehende Bebauungsplan legt fest, ob dort Geschäfte entstehen können. Auch die Verkaufsflächen und die Standorte werden grob festgeschrieben. Für die Stadt Fürstenfeldbruck wurde im Jahr 2010 ein Einzelhandelskonzept erarbeitet, ein Planungskonzept, nach welchen Gesichtspunkten Einzelhandel innerhalb eines bestimmten Rahmens geplant oder angesiedelt werden soll. Darin sind zwei zentrale Versorgungsbereiche festgelegt: die Fürstenfeldbrucker Innenstadt und die Buchenau. Ziel sei es, eine Entwicklung, die die jeweiligen Potenziale und Besonderheiten berücksichtigt, dahin gehend zu steuern, dass die Stadt in der Region zu einem attraktiven Einkaufsstandort wird.

Das Problem, vor dem viele Kommunen aber stehen, ist, dass die Supermärkte eine große Verkaufsfläche fordern und benötigen. Zugleich wird aber versucht, sie trotzdem zentrumsnah zu platzieren. "Die größte Herausforderung ist es, genügend Stellplätze zur Verfügung zu stellen", so Eberlein. Derzeit entsteht im Maisacher Ortszentrum ein neuer Supermarkt, bei dem dieses Problem so gelöst wurde, dass es eine gewisse Anzahl an Parkplätzen oberirdisch geben soll und ergänzend dazu eine Tiefgarage. Julia Henderichs, Sprecherin der Stadt, berichtet, dass man auch in Olching darum bemüht sei, Geschäfte dort zu positionieren, wo sie fußläufig erreichbar sind. Wenn keine Lösungen im Zentrum gefunden werden können, sollen die Supermärkte am Siedlungsrand entstehen, so dass zumindest die Bewohner des angrenzenden Wohngebiets zu Fuß den Einkauf erledigen können.

Als jüngstes Beispiel hierfür gilt der neu eröffnete Rewe-Markt an der Kurt- Schumacher-Straße in Fürstenfeldbruck. Damit die Bewohner des Brucker Baugebiets Am Hochfeld in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten haben, sollte in der sogenannten Wohnschlange ein Lebensmittelgeschäft entstehen, so Sandra Höppner von der Brucker Bauverwaltung - als einer von derzeit 91 Supermärkten im Landkreis. Diese Zahl ist einigermaßen stabil, die Schwankungen sind nicht sehr groß - so waren es 100 im Jahr 2009, 2012 waren es dann 107. Auch das wird als Indiz dafür gewertet, dass der Landkreis Fürstenfeldbruck sich darum bemüht, dass nicht mehrere kleinere Lebensmittelläden im Kern einfach durch einen riesigen Supermarkt am Rand der jeweiligen Stadt oder Gemeinde ersetzt wird. Felix Sommerfeld

© SZ vom 12.04.2016
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