ArtenschutzLebensraum für Mini-Drachen und verzauberte Feen

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Mit ihren goldenen Augen mit den herzförmigen Pupillen beobachtet eine Gelbbauchunke eine mögliche Beute . Durch die warzige, schlammfarbene Haut ist das Tier gut getarnt.
Mit ihren goldenen Augen mit den herzförmigen Pupillen beobachtet eine Gelbbauchunke eine mögliche Beute . Durch die warzige, schlammfarbene Haut ist das Tier gut getarnt. (Foto: Sebastian Frölich/Heinz-Sielmann-Stiftung)

Amphibien gelten als Gradmesser für die ökologische Gesundheit. Wie zwei Stiftungen im Süden und Westen Münchens neue Lebensräume für sie schaffen.

Von Ingrid Hügenell, Schöngeising

Wie viele Menschen wohl zuerst beim Räuber Hotzenplotz einer Unke begegnet sind? Dort ist die Fee Amaryllis vom Zauberer Petrosilius Zwackelmann in einen solchen Froschlurch verwandelt worden. Wer eine Gelbbauchunke genau anschaut, stellt schnell fest: Das ist ein wirklich zauberhaftes Wesen. Denn die zarte Froschverwandte schaut aus goldenen Augen mit herzförmigen Pupillen in die Welt. Dazu kommt der Glockenruf, der als „dumpfes, aber melodiöses Uh … uh … uh“ beschrieben wird.

Gut, die Haut der Oberseite ist warzig, dafür leuchtet der Bauch gelb – eine Warnung, die Fressfeinde abschrecken soll. Vom Kopf bis zum nicht vorhandenen Schwanz werden die Tierchen nur etwa fünf Zentimeter lang. Sie leben in lehmigen Pfützen oder flachen Tümpeln, gerne auch in den Fahrspuren großer Traktoren, sofern sich dort lange genug Wasser hält, und fressen überwiegend Insekten und Spinnen. Obwohl sie wenige Ansprüche haben, stehen die Tiere in Deutschland als stark gefährdet auf der Roten Liste.

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Die Heinz-Sielmann-Stiftung, die bundesweit Lebensräume schützt oder schafft, hat deshalb zusammen mit der Margarete-Ammon-Stiftung zwischen Isar, Ammer und Amper seit 2023 im Projekt „Biotopverbünde Südbayern“ mehr als 50 Tümpel oder andere kleine Gewässer neu angelegt oder renaturiert. Bis Jahresende sollen im Landkreis Weilheim-Schongau 30 weitere folgen. „Mit der Erweiterung um die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau haben wir das Projektgebiet in diesem Jahr fast verdreifacht“, sagt Carl-Christian Wippermann, der Leiter des Tölzer Biodiversitätsbüros. Das Bayerische Landesamt für Umwelt würdigte das Projekt in seinem Statusbericht 2024 als „Best-Practice“-Beispiel.

Heiko Schumacher, Bereichsleiter Biodiversität der Heinz-Sielmann-Stiftung, erklärt: „Je größer das Netz an Lebensräumen ist, desto besser können die Arten wandern und sich wieder vermehren.“ Besonders wichtig sei es dabei, größere Lebensräume über kleinere Trittstein-Biotope miteinander zu verbinden. „Amphibien sind ein Gradmesser für die ökologische Gesundheit unserer Landschaften. Indem wir ihre Lebensräume sichern, profitieren ganze Artengemeinschaften.“ Leider hätten Arten- und Klimaschutz an Aufmerksamkeit verloren durch Kriege, die Covid-19-Pandemie, Energiekrise und Inflation. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Klima- und Biodiversitätskrise weiter voranschreitet.“

Das Projekt Biotopverbünde Südbayern wird bis 2027 fortgesetzt – zum „Bergfest“, das die Mitte markiert, hatte die Stiftung kürzlich Vertreter und Vertreterinnen der beteiligten Organisationen und Behörden wie Bund Naturschutz, Wasserwirtschaftsämter, Isartalverein und Landesamt für Umwelt ins Bauernhausmuseum Jexhof eingeladen. Die „sehr positive Entwicklung“ im Projektgebiet lobte Michael Schanderl, stellvertretender Landrat von Fürstenfeldbruck. Vor allem die Gelbbauchunken hätten sich die neuen Lebensräume sofort erschlossen. „Mit jedem wiederbelebten oder neu geschaffenen Gewässer gewinnen nicht nur seltene Arten, sondern auch wir als Gesellschaft.“

Feiern das „Bergfest“ des Amphibienverbunds (von links): Heiko Schumacher, Leitung Biodiversität der Heinz-Sielmann-Stiftung,  Michael Schanderl, stellvertretender Landrat von Fürstenfeldbruck,  Andrea Hübner, Vorständin der Margarete-Ammon-Stiftung  und Carl-Christian Wippermann, Leiter des Tölzer Biodiversitätsbüros.
Feiern das „Bergfest“ des Amphibienverbunds (von links): Heiko Schumacher, Leitung Biodiversität der Heinz-Sielmann-Stiftung,  Michael Schanderl, stellvertretender Landrat von Fürstenfeldbruck,  Andrea Hübner, Vorständin der Margarete-Ammon-Stiftung  und Carl-Christian Wippermann, Leiter des Tölzer Biodiversitätsbüros. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Andrea Hübner vom Vorstand der Margarete-Ammon-Stiftung freut sich ebenfalls: „Die Erfolge des Amphibienverbunds machen Mut“, sagt sie. „Sie zeigen, dass es möglich ist, bedrohte Lebensräume zurückzugewinnen, wenn gemeinnützige Stiftungen, Behörden, Kommunen und engagierte Bürgerinnen und Bürger an einem Strang ziehen.“ Genau dafür stehe das Projekt.

Bei einer Kutschfahrt konnten die Gäste des Bergfests, die aus allen beteiligten Landkreisen gekommen waren, an Ort und Stelle erleben, wie schnell die im Wald zwischen Museum und dem Fernmeldeturm Schöngeising angelegten Tümpel wieder besiedelt wurden. Erst im vorigen Winter wurde einer der Gewässerkomplexe angelegt. Dafür sei eine ehemalige Teichanlage wieder geöffnet worden, erklärt Naturschutzwächter Reinhard Maier.

Damit die Tümpel ausreichend Sonne abbekommen, wurden einige Bäume gefällt. Sie liegen unter einer lockeren Erdschicht am Ufer und vermodern rasch. In den entstehenden Hohlräumen verkriechen sich die Amphibien gerne. Denn sie leben nur kurze Zeit im Wasser und kehren dann an Land zurück, wo sie ausreichend feuchte und geschützte Verstecke brauchen. Nun konnten Maier zufolge allein an diesem kleinen Biotop bereits wieder 25 Gelbbauchunken beobachtet werden.

Naturschutzwächter Reinhard Maier erklärt, wie die Tümpel angelegt wurden und wie die Amphibien sie angenommen haben.
Naturschutzwächter Reinhard Maier erklärt, wie die Tümpel angelegt wurden und wie die Amphibien sie angenommen haben. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Damit die Teiche ausreichend Sonne abbekommen, sind Bäume gefällt worden.
Damit die Teiche ausreichend Sonne abbekommen, sind Bäume gefällt worden. (Foto: Niels P. Jørgensen)

An einen Drachen im Miniaturformat erinnert ein weiteres Tier, das in den Tümpeln lebt: der Kammmolch. Die Männchen tragen im Hochzeitskleid einen hohen, gezackten Kamm. Die Wasserdrachen sind die größte heimische Molchart – sie können bis zu 18 Zentimeter lang werden und stehen ebenfalls als gefährdet auf der Roten Liste. Auch Springfroschlaich hat Maier entdeckt, „und leider auch Grünfrösche“. Die sieht Maier nicht so gerne, denn sie seien recht aggressiv und fressen andere Amphibien. „Aber man kann sie nicht wegzaubern.“

Die Heinz-Sielmann-Stiftung ist bekannt für ihre Naturschutzarbeit, unter anderem am Grünen Band des größten Biotopverbunds Deutschlands entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze. Seit mehr als 30 Jahren setzt sich die Stiftung des bekannten Naturfilmers Sielmann und seiner Frau Inge bundesweit für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein. Eine bewährte Strategie ist die Entwicklung regionaler Biotopverbünde – vernetzter Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Pilze. Das Biodiversitätsbüro in Bad Tölz ist das zweite in Bayern. Die Margarete-Ammon-Stiftung hat die Projektfinanzierung im Süden Münchens übernommen.

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Das Tölzer Biodiversitätsbüro kümmert sich nicht nur um Gewässer für Amphibien, sondern beispielsweise auch um Beweidungsprojekte in den Isarauen, etwa in der Pupplinger Au, zusammen mit dem Isartalverein. Dort tragen Murnau-Werdenfelser Rinder zum Erhalt der Schneeheide-Kiefernwälder mit ihren zahlreichen seltenen Arten bei. Im Ampertal bei Freising unterstützt die Sielmann-Stiftung ein Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Dort geht es um den Erhalt des Lebensraums für Vögel wie Pirol und Neuntöter.

Naturfotograf Sebastian Frölich bei der Arbeit in einem Tümpel.
Naturfotograf Sebastian Frölich bei der Arbeit in einem Tümpel. (Foto: Conie Riedle/Heinz-Sielmann-Stiftung)

Beim Bergfest ist auch eine Ausstellung mit Aufnahmen des Naturfotografen Sebastian Frölich eröffnet worden. Sie trägt den programmatischen Titel „Wasser. Wandel. Wiederkehr – Amphibien in unserer Region“. Über Monate hinweg hat Frölich an Laichgewässern den Lebenszyklus von Fröschen, Kröten und Molchen dokumentiert – von der Paarung bis zur Metamorphose. „Mit außergewöhnlichen Perspektiven über und unter Wasser macht er eine Schönheit sichtbar, die sonst verborgen bliebe“, heißt es in der Ankündigung. Seine besonderen Fotos sind in natürlichen Gewässern entstanden, nicht, wie sonst oft, im Aquarium. Die Ausstellung ist im Bauernhofmuseum Jexhof bis zum 6. Januar 2026 zu sehen.

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