Streit über Umfahrung Schmucke Straße

Der Freistaat hat viel Geld in die Strecke zwischen Puchheim und Olching gesteckt. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts muss er die Straße wohl an den Kreis übergeben.

Von Andreas Ostermeier

Die Staatsstraße 2069 hat zwei Gesichter. Südlich der Lindauer Autobahn wird sie als Verbindung der Bundesschnellstraße ins Allgäu mit der Kreisstadt Starnberg genutzt. Damit die zu Gauting gehörenden Dörfer Unterbrunn und Oberbrunn nicht vom Verkehr überrollt werden, wird die Straße dort zu einer Umfahrung ausgebaut. Breite Furchen sind durch die Landschaft gezogen worden, dort wo die Fahrbahn verlaufen soll, auch das eine oder andere Kreuzungsbauwerk ist bereits zu sehen.

Im Brucker Landkreis dagegen soll sie am nördlichen Ende keine Umfahrung erhalten, ja hier steht gar ihr Charakter als Staatsstraße in Frage. Sie habe innerhalb des Straßennetzes aus Bundesstraßen und Autobahnen "keine Funktion für den weiträumigen oder überregionalen Durchgangsverkehr mehr", sagt der Olchinger Rechtsanwalt Ewald Zachmann - und überzeugte mit dieser Aussage die Münchner Verwaltungsrichter, die über die Baugenehmigung für die Olchinger Südwest-Umfahrung zu entscheiden hatten. Wie es mit dieser Umfahrung nun weitergeht, das entscheidet über den künftigen Titel der Straße.

Dabei ist es nicht so, dass der Teil der Staatsstraße im Landkreis in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden wäre. Ganz im Gegenteil: Über ein Jahrzehnt lang wurde die Ortsdurchfahrt von Eichenau aufwendig saniert und ausgebaut. Ein Geh-und Radweg entstand, ebenso eine Unterführung unter der S-Bahnstrecke. Zudem erhielt sie eine durchgängige Straßenbreite von 6,50 Meter. Mehr als zwei Kilometer Fahrbahn wurden auf eine Art und Weise ausgebaut, dass die Straße den durch sie rollenden Verkehr aufnehmen kann, insgesamt mehr als 12 000 Fahrzeuge am Tag (Zählung aus dem Jahr 2005).

Auch bei Puchheim-Ort erhielt die Staatsstraße ein neues Aussehen. Ein frischer Fahrbahnbelag und ein kreuzungsfreier Anschluss an die Bundesstraße 2 entstanden in den vergangenen Jahren. Die lärmgeplagten Anwohner der Augsburger Straße haben es nun viel ruhiger und die Anzahl der langen Staus an der Einmündung der Staatsstraße in die Augsburger Straße ist auch stark zurückgegangen.

Die Staatsstraße 2069 ist also schmucker geworden. Sollte sie ihren Status demnächst verlieren und zu einer Kreisstraße herabgestuft werden, dann wäre sie für den Landkreis gar keine schlechte Erwerbung. Allein im Gemeindebereich von Eichenau sind mehrere Millionen Euro in den Straßenausbau geflossen. Davon würde der Landkreis profitieren, müsste er die Straße übernehmen, denn mit der Übernahme als Kreisstraße muss er auch für sämtliche Kosten des Fahrweges aufkommen.

Die sieben Kilometer lange Strecke zwischen Puchheim-Ort und dem Roßhaupterplatz in Olching würde wohl über längere Zeit keine großen Geldausgaben nötig machen. Das wissen auch die Vertreter von Straßenbauamt und Regierung von Oberbayern. Deshalb haben sie vor Gericht auch versucht, die Millionen für die Straße als Argument dafür anzuführen, dass es sich um eine Staatsstraße handelt.

Doch das in den Fahrbahnausbau gesteckte Geld ist ebenso wenig ein Argument für eine Staatsstraße wie die Menge des Verkehrs. Allein die Bedeutung zählt: Gemeinsam mit den Bundesstraßen muss ein Fahrweg innerhalb des Staatsgebietes ein Verkehrsnetz bilden, um eine Staatsstraße zu sein. So verlangt es das Gesetz. Bei einer Straße innerhalb des Tangentenvierecks aus zwei Bundesstraßen (B 2 und B 471) sowie zwei Autobahnen (A 8 und A 99) lässt sich anzweifeln, ob die Route von Puchheim nach Olching noch eine solche Aufgabe erfüllt.

Fast der gesamte Verkehr auf dieser Straße bestehe aus Fahrzeugen, die innerhalb eines Ortes oder innerhalb des Landkreises unterwegs seien, sagt Zachmann. Und auch Peter Weywadel, im Staatlichen Bauamt Freising zuständig für den Straßenbau, räumte vor Gericht ein, dass die Straße, was ihre Funktion für den Durchgangsverkehr angeht, nur "unterdurchschnittlich belastet" sei.

Welche Bezeichnung die Straße zwischen Puchheim und Olching künftig tragen wird, das hängt nun davon ab, ob der Freistaat gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Berufung einlegen kann und ob diese erfolgreich ist. Scheitert der Widerspruch, dann wird aus der Staatsstraße 2069 wohl eine Kreisstraße werden. Das Gesetz verlangt jedenfalls eine Auf- oder Abstufung, wenn sich die Verkehrsbedeutung ändert.

Auf den täglichen Verkehr im östlichen Landkreis hat das zwar keine Auswirkungen, die Fahrstrecke wird weiterhin von zahlreichen Autos und Lastwagen genutzt werden, aber mit ihrem Starnberger Teil hat sie dann nicht einmal mehr den Namen gemeinsam.