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Straßenverkehr:Mehr Sicherheit für Radler

Schutzstreifen: Eine Radlerin nutzt einen markierten Fahrradweg in der Richard-Higgins-Straße.

(Foto: Thomas Brückner)

Stadträte und Fahrradverband fordern für das Stadtgebiet von Fürstenfeldbruck Schutzstreifen und eine Bevorzugung an Kreuzungen. Oberbürgermeister Erich Raff werfen sie Untätigkeit vor

Sichere Kreuzungen, Fahrradstraßen und Radstreifen in Fürstenfeldbruck fordert ein Bündnis aus ADFC, Verkehrsforum und Stadträten von Grünen sowie von Die Partei und Frei. Sie haben dazu ein Paket von Anträgen im Stadtrat eingereicht, versehen mit heftiger Kritik an Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) und seiner Fraktion: Die CSU stehe in Sachen Radverkehr bloß auf der Bremse. Raff wies die Vorwürfe zurück und konterte: Würde man alle Vorschläge umsetzen, wäre die Verwaltung eineinhalb Jahr nur damit ausgelastet.

Die Anträge, die Thomas Brückner, Sprecher des Verkehrsforums, Adi Stumper, Sprecher des ADFC, sowie die Stadträte Jan Halbauer (Grüne) und Alexa Zierl (Frei) auf einer Pressekonferenz vorstellten, sehen vor, die Verbindung Gartenstraße, Weiherweg und Kirchstraße im östlichen Zentrum als Fahrradstraße auszuweisen, in der Radfahrer Vorrang vor Autos haben. "Das wäre eine Teststrecke für alle", sagte Zierl. Perspektivisch könnte man alle Tempo-30-Zonen umwidmen.

Bei insgesamt 18 Kreuzungen in der Stadt sollen Radler besser vor Lastwagen geschützt werden, mit Hilfe von Spiegeln, Radfahr- und Schutzstreifen in der Stauzone, speziell markierten Aufstellflächen sowie eigenen Ampelsignalen für die Radfahrer. Außerdem fordern die Initiatoren, sich an einem Modellversuch für einen Rechtsabbiege-Grünpfeil zu beteiligen. Nach dem Vorbild des grünen Pfeils für Autos aus der DDR dürften Radler nach rechts abbiegen, wenn die Ampel rot anzeigt. "Wer schon abgebogen ist, kann nicht mehr überfahren werden", sagte Brückner.

Abschnitte in zwölf Hauptverkehrsstraßen mit hohem Lkw-Aufkommen sollen zwischen 1,75 und zwei Meter breite Schutzstreifenbekommen, dazu Trennstreifen von 75 Zentimeter Breite zu Parkplätzen, etwa in der Münchner, Dachauer, Maisacher und Rothschwaiger Straße. In 14 Straßen sollen abschnittsweise Schutzstreifen von mindestens 1,5 Meter Breite ausgewiesen werden, darunter in der Pucher, Puchermühl-, Landsberger und Heimstättenstraße, heißt es in dem Antrag, den auch die ÖDP mitträgt.

Für die äußere Schöngeisinger Straße fordert das Bündnis zwischen der Kreuzung an der Fürstenfelder Straße bis zum Senserberg einen bis zu 2,25 Meter breiten Radfahrstreifen. Diese farbig markierten Radfahrstreifen mit einer durchgezogenen Linie dürfen Autofahrer nicht überfahren, während sie die gestrichelten Linien von Schutzstreifen notfalls ignorieren können. Aus Sicht der Antragsteller sind eigene, baulich abgegrenzte Fahrradwege das Optimum und der Schutzstreifen nur die "drittbeste Lösung", wie Stumper betonte. Der Vorteil sei, dass solche Streifen sich relativ schnell, ohne Umbauten verwirklichen ließen.

Denn die Initiatoren sehen ihre Anträge als eine "Nothilfe". Unmittelbarer Anlass ist, dass die Stadt der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AFKB) beitreten möchte. Nach einer dreijährigen Probezeit müssen Kommune und der ADFC je einen Fragebogen ausfüllen, wobei Stumper nur negative Beispiele einfallen. Im Herbst reist eine Kommission an, um die Angaben zu prüfen. Danach wird entschieden, ob Bruck das begehrte Label bekommt oder nur unter Auflagen. Auf der Pressekonferenz wurde bezweifelt, dass die Stadt die Vorgaben derzeit erfüllt. "Die Stadt ist gut im Sammeln, aber nicht im Behalten von Trophäen", sagt Halbauer in Anspielung auf die Probleme beim Label Fair-Trade-Kommune.

Schuld daran seien Raff und die CSU. Sie würden eine Mehrheit im Stadtrat ausbremsen, sagte Zierl. Die erste Amtshandlung von Raff als regierender OB sei gewesen, die damalige Radverkehrsbeauftragte zu vergraulen, in dem er die Stelle nicht aufstockte, während die CSU anschließend die Stelle ein Jahr lang nicht mehr besetzen wollte. Der Nachfolgerin attestierte die Runde zwar guten Willen, aber wenig Spielraum. "Es fehlt die Lobby in der Verwaltung", meinte Stumper. Halbauer sieht ein generelles "Steuerungsproblem" im Rathaus. "Ich frage mich, ob im OB-Büro den ganzen Tag bloß Kaffee getrunken wird", stichelte er.

Raff wies sämtliche Vorwürfe zurück und betonte, auch er trete für eine fahrradfreundliche Kommune ein. Die Anträge des Bündnisses seien zwar "durchaus eine Überlegung wert", allerdings wäre die Verwaltung mit der Umsetzung überlastet. Zuerst müsste geprüft werden, ob die Vorschläge "wirklich rechtlich möglich" sind, anschließend wäre der Bauhof mit den Markierungen beschäftigt. Obendrein sei es an manchen Stellen gar nicht so einfach. Für die Augsburger Straße als Bundesstraße sei das Straßenbauamt zuständig, mit dem er oft gesprochen habe. "Wir warten darauf, dass endlich die Pläne vorgelegt werden", sagte Raff. Während die Kritiker bemängeln, am Sulzbogen sei in einem Abschnitt von 800 Meter bisher nichts passiert, verweist der OB darauf, dass die Regierung keinen Zuschuss mehr geben will.

Als "vollkommen an der Realität vorbei" bezeichnete Raff den Vorwurf, dass an Baustellen für Radler keine Umfahrungen angelegt würden. Die Fotos, die Zierl dazu aus der Fürstenfelder und der Maisacher Straße vorlegte, bezeichnete der OB als Momentaufnahmen. Er betonte, dass sich die Stadt an einen Leitfaden der Regierung halte, aber man müsse die Örtlichkeiten berücksichtigen und könne nicht alles kontrollieren. Manche Baustelle existiere obendrein nur zwei oder drei Tage.

© SZ vom 03.06.2019

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