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Stichwahlen im Landkreis Fürstenfeldbruck:Entscheidung in fünf Kommunen

Fast 40 Prozent der Landkreisbürger sind zu Stichwahlen aufgerufen. In Alling und Emmering werden neue Bürgermeister gewählt, in Gröbenzell, Olching und Puchheim kämpfen Amtsinhaber um die Wiederwahl

Insgesamt fast 40 Prozent aller Wahlberechtigten des Landkreises sind aufgerufen, in fünf Kommunen per Stichwahl einen Bürgermeister zu küren. In Alling, Emmering, Gröbenzell, Olching und Puchheim erreichte kein Bewerber im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit. Aufgrund der Corona-Krise finden solche Wahlen erstmals komplett als Briefwahl statt, was vielleicht für eine höhere Beteiligung als sonst bei Stichwahlen sorgt und die Kalkulation mancher Kandidaten durcheinanderbringen könnte. Ein Wahlkampf im klassischen Sinn fand wegen des Infektionsrisikos nicht mehr statt.

Alling

Alling: Stefan Joachimsthaler von der CSU (links) und Johann Schröder von der Bürgervereinigung.

(Foto: Carmen Voxbrunner, Günther Reger)

In Alling können etwa 3100 Wähler über einen Nachfolger für Bürgermeister Frederik Röder (CSU) entscheiden. Favorit ist dessen Parteifreund Stefan Joachimsthaler, der im ersten Wahlgang mit 47,33 Prozent die absolute Mehrheit knapp verfehlte. Sein Herausforderer Johann Schröder (ABV) bekam mehr als 38 Prozent. Er hatte sich erst im Herbst im Streit von der CSU getrennt, für die er jahrelang im Gemeinderat saß. Die Freien Wähler, die Grünen, die Dorfgemeinschaft Biburg-Holzhausen sowie die Bürgerschaft Alling, in der Schröder einst seine kommunalpolitische Karriere begann, bevor er zur CSU wechselte, haben keine Empfehlung ausgesprochen. Lediglich die SPD macht sich für Schröder stark und hat sogar extra einen Flyer an alle Haushalte verteilt. Die Beteiligung war im ersten Wahlgang mit mehr als 75 Prozent sehr hoch, im Rathaus rechnet man damit, dass diese Marke allenfalls knapp wieder erreicht wird.

Emmering

Emmering: Stefan Floerecke (links) von der CSU und Fritz Cording von den Freien Wählern.

(Foto: Carmen Voxbrunner, privat)

In Emmering steht ebenfalls ein Wechsel im Rathaus bevor, weil Michael Schanderl (FW) nicht mehr antrat, der CSU-Kandidat ist ebenfalls Favorit. Stefan Floerecke erzielte im ersten Wahlgang 48,64 Prozent der Stimmen, während Fritz Cording (FW) auf knapp 28 Prozent kam. Der 34 Jahre alte IT-Techniker Floerecke nutzte im Wahlkampf intensiv die sozialen Medien, während sein Kontrahent nicht einmal einen eigenen Facebook-Account hatte. Dafür kann Cording mit viel Erfahrung aufwarten, er ist Geschäftsstellenleiter in der Gemeinde Seefeld und war lange Zeit im Brucker Rathaus als Sachgebietsleiter für Schulen, Kitas und Sport zuständig. Ob Cording den großen Vorsprung noch aufholen kann, wird davon abhängen, ob er die Wähler mobilisieren kann, die im ersten Wahlgang für die Kandidaten der Grünen und der SPD votiert haben, die zusammen etwa 20 Prozent der Stimmen einsammelten. Bis Donnerstag hatten mehr als 60 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben, damit könnte die Beteiligung am Ende höher liegen als in der ersten Runde.

Gröbenzell

Gröbenzell: Martin Schäfer von der UWG (links) und Anton Kammerl von der CSU.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

In Gröbenzell lag der Amtsinhaber Martin Schäfer (UWG) mit 36,66 Prozent mehr als acht Prozent vor dem Zweitplatzierten Anton Kammerl (CSU). Das ist kein richtig großer Vorsprung, aber die Frage ist, welches Potenzial beide Bewerber noch anzapfen können. Schäfer hat vermutlich trotz gewisser Vorbehalte die besseren Karten bei Anhängern von Grünen und SPD, deren Bürgermeisterkandidaten zusammen mehr als 32 Prozent im ersten Wahlgang verbuchten. Die Rathausfraktion der Grünen hat sich jedenfalls für Schäfer ausgesprochen, die SPD hat keine Empfehlung ausgesprochen. Bürgermeister Schäfer hat den Wahlkampf wegen der Pandemie eingestellt, weil er mit dem Krisenmanagement vollauf beschäftigt sei, wie er der SZ erklärte. Kammerl hat auf seiner Homepage eine Erklärung veröffentlich, in der er fordert, Gröbenzell müsse "wieder die Handschrift eines CSU-Bürgermeisters tragen", es gelte, die "richtigen Prioritäten" zu setzen und nach dem "kostspieligen Rathaus-Neubau" die Finanzen zu konsolidieren. Schäfer weist in einer Erklärung darauf hin, dass manches nicht mehr finanzierbar sein wird, weil wegen der Corona-Pandemie die Einkommens- und Gewerbesteuern einbrechen werden.

Olching

Olching: Andreas Magg von der SPD (links) und Maximilian Gigl von der CSU.

(Foto: Günther Reger, Matthias Ferdinand Döring)

In Olching kämpft Andreas Magg (SPD) um die Wiederwahl. Er erreichte 45,8 Prozent im ersten Wahlgang, während sein Gegenkandidat Maximilian Gigl (CSU) auf 31,1 Prozent kam. Rein rechnerisch betrachtet würde es für Magg reichen, wenn alle Grünen-Wähler, das waren knapp zehn Prozent, sich für ihn entscheiden, während Gigl das Nachsehen hat, selbst wenn sämtliche Anhänger von FDP, FW und ÖDP zu ihm überlaufen. Die FW empfehlen Gigl, was wiederum Grüne und SPD kritisieren, weil die CSU für und die FW doch gegen die Südwestumfahrung sind. Ausschlaggebend könnte in Olching die schiere Zahl sein, denn dort sind etwa 21 000 Bürger zur Wahl aufgefordert, im ersten Wahlgang lag die Beteiligung bei mehr als 62 Prozent. Es wird also alles davon abhängen, wer sein Potenzial am besten ausschöpfen kann, dabei haben Amtsinhaber in Krisenzeiten einen Vorteil, wenn sie keine großen Schnitzer machen.

Puchheim

Puchheim: Norbert Seidl (links) von der SPD und Karin Kamleiter von der CSU.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring, Günther Reger)

Puchheim ist wie Olching eine letzte Hochburg der SPD im Landkreis. Dort hat der Amtsinhaber Norbert Seidl (SPD) gute Karten, im Wahlkampf kamen von keiner Seite irgendwelche schwereren Vorwürfe. Die einzige Schlappe in seiner Amtszeit war die Niederlage beim Geothermie-Projekt, die seine Herausforderin Karin Kamleiter (CSU) aber nicht ausschlachten kann, weil dieses Projekt von einer ganz großen Rathauskoalition getragen wurde. Die CSU-Bewerberin hat das Handicap, das sie in der eigenen Partei nicht unumstritten ist und sich im Wahlkampf kaum profilieren konnte. Seidl erzielte unter sechs Kandidaten im ersten Wahlgang 42,5 Prozent, während Kamleiter auf 22,37 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag um rund fünf Prozent höher als vor acht Jahren, vermutlich auch weil erstmals seit Jahrzehnten die Wahl von Stadtrat und Bürgermeister wieder zum gleichen Termin stattfand. Um diese Harmonisierung zu erreichen, gehörte Seidl zu den wenigen Bürgermeistern in Bayern die ausnahmsweise acht Jahre regierten. Angesichts der Corona-Krise verzichteten die beiden Bewerber auf den üblichen Wahlkampf.

© SZ vom 28.03.2020

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