Wasserknappheit:An der Benetzungsgrenze

Wasserknappheit: Vom einst munter dahinplätschernden Bach zum fast stehenden Gewässer: Der Starzelbach führt an der Roggensteiner Allee in Eichenau im Gegensatz zum Abschnitt in Alling zwar Wasser, aber nach Ansicht der Wasserwirtschaft noch nicht ausreichend.

Vom einst munter dahinplätschernden Bach zum fast stehenden Gewässer: Der Starzelbach führt an der Roggensteiner Allee in Eichenau im Gegensatz zum Abschnitt in Alling zwar Wasser, aber nach Ansicht der Wasserwirtschaft noch nicht ausreichend.

(Foto: Leonhard Simon)

Der Starzelbach bleibt in Alling trocken und in Eichenau ein Rinnsal. Daran ändert laut Experten auch der viele Regen vorerst nichts.

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Der viele Niederschlag der vergangenen Tage und Wochen hat am traurigen Bild des ausgetrockneten Bachbetts mitten durch Alling nichts geändert. Dass der Starzelbach schon einmal trockengefallen ist, daran können sich die Allinger nicht erinnern. Wie auch, wenn dieses außergewöhnliche Ereignis zum letzten Mal im Jahr 1903 vorkam.

Zwei Jahre lang, so geht aus einem zeitgenössischen Bericht hervor, habe es gedauert, bis wieder Wasser durch den Bach floss. Diese Schilderung trägt Florian Klein, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München und zuständig für den Landkreis Fürstenfeldbruck, am Mittwochabend vor mehr als 100 Zuhörern in der Eichenauer Friesenhalle vor. Es ist für ihn der Beweis, dass es Hoffnung gibt, dass der Starzelbach wieder Wasser führen wird. Nur hofft er, dass es diesmal nicht zwei Jahre dauern werde.

Der Starzelbach steht an diesem Abend bei einer Veranstaltung der Grünen in Eichenau im Mittelpunkt und mit ihm die Frage, wie man mit der Wasserknappheit umgehen sollte. Der Ortsverband hat sich mit Christian Hierneis, Umweltsprecher der grünen Landtagsfraktion, Sachverstand aus der eigenen Partei geholt und die Wasserexperten Florian Klein sowie Jörg E. Drewes vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität München eingeladen.

Die Situation des ausgetrockneten Bachlaufs ist für die meisten schockierend genug, da gefällt es den Zuhörerinnen und Zuhörern, dass gründlich informiert wird und Panikmache ausbleibt. Denn im Unterschied zum Oberflächengewässer Starzelbach sind die unterirdischen Wasserspeicher gut gefüllt, wie der Wasserversorger für Eichenau und die anderen großen Kommunen im Osten des Landkreises versichert. Diese Feststellung bestätigt Florian Klein bestätigt.

Allerdings werde das Grundwasser, aus dem der Trinkwasserbrunnen zu 60 Prozent gespeist wird, nicht so schnell wieder mit frischen Wasser aufgefüllt. Denn die sogenannte Grundwasserneubildung ist laut Klein nicht mehr so stark wie noch vor Jahrzehnten.

Viel weniger Grundwasserbildung

Um das Defizit an frischem Grundwasser aufzuzeigen, hat der Experte vom Wasserwirtschaftsamt Zahlen mitgebracht. Er belegt damit für die Jahre von 2009 bis 2018 einen um 18 Prozent geringere Grundwasserneubildung im Vergleich zu den Jahren von 1970 bis 2000. Dafür, dass nicht so viel Wasser in den Grundwasser führenden Schichten ankommt, gibt es einige Gründe.

Einer davon ist die Regenmenge insgesamt, ein anderer, dass bei sehr starkem Regen die Oberfläche das Wasser nicht so schnell aufnehmen kann und es oberirdisch abläuft.

Im Eichenauer Abschnitt des Starzelbachs hat sich an ein paar Stellen Wasser sammeln können und auch Gumpen gebildet. Es sei auch deshalb im Eichenauer Teil Wasser vorhanden, weil dort nach Kleins Darstellung der Birkenmoosgraben in den Bach entwässere. Insgesamt stellt Klein für Eichenau fest: "Schön, dass wir noch Benetzung haben." Für Eichenau ist er zuversichtlicher als für Alling. Dort werde sich vorerst nichts ändern, in Eichenau sei es "im Moment besser".

Wasserknappheit: Pfützen stehen nach den Regenfällen im Bachbett des Starzelbachs in Alling, der Juli vergangenen Jahres weitgehend ausgetrocknet ist.

Pfützen stehen nach den Regenfällen im Bachbett des Starzelbachs in Alling, der Juli vergangenen Jahres weitgehend ausgetrocknet ist.

(Foto: Leonhard Simon)

Die Ursache für den Wassermangel liegen dem Experten zufolge auch in den trockenen Jahren 2021 und 2022. "Auch dieses Jahr ist bisher noch zu trocken", stellt Klein fest und warnt vor einem Sommer ohne Niederschläge. Die aus dem Publikum geäußerte Sorge, dass ein neuer Trinkwasserbrunnen Wasser aus dem Quellgebiet des Starzelbachs entziehe, schließt Klein nahezu aus. Er verwies auf die umfangreichen Untersuchungen, die einer neuen Brunnenbohrung vorausgingen. Die seien in diesem Fall vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim vorgenommen worden.

Auf die ebenso wichtige Frage, warum im Starzelbach Wasser fehle, folgt die lebenswichtige nach dem Schutz des Trinkwassers und dem Umgang mit Wasser allgemein.

Darauf hat der TU-Professor Jörg Drewes eine wissenschaftliche und der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Hierneis eine politische Antwort. Drewes plädiert dafür, sich bei der weiteren Entwicklung der Kommunen bauliche Grenzen zu setzen und sich dem Gedanken der "Schwammstadt" zu nähern.

Regen dürfe nicht mehr irgendwie abgeleitet oder wie Schmutzwasser über die Kanalisation entsorgt werden, sondern müsse zurückgehalten werden. Gründächer seien dafür geeignet, auch Speichersysteme, die es ermöglichten, Wasser wieder dem Grundwasser zuzuführen. Drewes stellte Versuche vor, Abwasser nach der Reinigung nicht in einen Vorfluter, also einen Bach oder Fluss abzuleiten, sondern für den Gemüseanbau und die Landwirtschaft zu verwenden.

Dazu verblüfft Hierneis das Publikum mit einer Karte des Donaugebiets und zeigt den Verlauf des Trinkwassers der Stadt München vom Mangfalltal durch die Stadt in die Kläranlage und von dort über die Isar in die Donau und ins Schwarze Meer.

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