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Starkbierfest:Mäggi Magg hat nichts zu lachen

Wenn in Olching Ronald Tramp Präsident werden will, muss er vorher alle feuern. Die Kolpingsfamilie macht beim Singspiel vor, wie das gehen könnte

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Olchings Bürgermeister Andreas "Maggi" Magg (SPD) macht in der ersten Reihe immer wieder gute Miene zum bösen Spiel, manchmal bleibt ihm aber das Lachen im Halse stecken. Die Macher des Starkbierfestes von der Kolpingsfamilie lassen ihn beim Singspiel in der Amtsstube einen sehr langen Albtraum durchleben. Nach mehr als zwei schlimmen Stunden wacht Magg (Michael Schwimmbeck) auf. "Gott sei Dank nur ein Traum" stellt er erleichtert fest. Was Olching blühen kann, wenn Bürgermeister und Stadtrat die Bürger nicht im Blick haben, zeigt Peter Rogalski, der als Ronald Tramp einen "Tramp Tower" in die "Paulusgrube" bauen und Gröbenzell mit einer Mauer beglücken will. 820 Besucher in der völlig ausverkauften Mehrzweckhalle amüsierten sich prächtig und überschütteten die Akteure auf der Bühne mit großem Beifall.

Peter Rogalski mit passender Trumpperücke und dem zu langen roten Schlips spielte die Figur Ronald Tramp, der Cousin von Donald Trump, genauso virtuos wie perfekt. Der nächste Präsident von Olching, wie sich Tramp selber präsentiert, spricht Deutsch mit amerikanischem Akzent und verfällt immer wieder ins Englische. Sein Lieblingssatz ist: "You are fired." Er entlässt nacheinander alle wichtigen Akteure im Rathaus: Tomas Bauer, the Doc Farmer, der seit Jahren ein neues Rathaus verhindert, Zäckmän, der als früherer Bürgermeister zu wenig Gewerbe ansiedelte und Schwaben-Lady Doc Jaschke, die Öko-Dreamerin. Natürlich wird auch "Mäggi" Magg entlassen, genauso wie Bauamtsleiter Markus Brunnhuber. "Wer hat verboten bunte Häuser?", fragt Tramp und der ganze Saal lacht. Er feuert auch das "vertretene Landkreis-Girl" Martina Drechsler. Auch Maria Hartl bekam für ihre "Mickey-Mouse-Südwest-Umgebung" von ihm die Entlassungspapiere. Man müsse "Big-Lösungen" verwirklichen: "Wir brauchen einen achtspurigen Highway direkt zu meinem Freund nach Istanbul."

Starkbierfest Olching

Den Besuchern des Derbleckens gefällt die Vorstellung offensichtlich.

(Foto: Günther Reger)

Tramp entlässt auch den gesamten "unfähigen Stadtrat", bis auf Alfred Münch: "I like Münch, er ist ähnlich wie ich." Zu den Big-Lösungen zählte auch die Mauer zwischen Olching und Gröbenzell und den anderen Dörfern. Wenn die nicht dafür bezahlen wollten, würde die Mauer noch drei Meter höher gebaut. Ehe Tramp wieder abtritt, erklärte er noch, dass er Olching in jeder Hinsicht natürlich größer machen werde. Motto: "Olching first." Dort würden nur Autos fahren dürfen, die auch in Olching gekauft worden sind. Kämen fremde Autos durch Olching, würden die am Volksfestplatz geschreddert werden. "Mexikanische Restaurants werden nicht zugelassen", so Tramp. Motto: "Buy Olching."

Gegenüber dem Schreihals Tramp kommt "Bürgermeister Magg" schüchtern daher. Trotz flehentlicher Bitten des Bühnen-Maggs verweigern die Mitarbeiter im Rathaus die Arbeit. Plötzlich schreiten der Engel (Ernst Schwimmbeck) und die Teufelin ein, entführen Magg und lassen ihn von oben auf sein Rathaus schauen. "Merkst du denn gar nicht, dass dir hier alle auf der Nase herumtanzen?", konfrontiert die Teufelin (großartig gespielt von Pia Jaki) den ungläubigen Bürgermeister mit der Wirklichkeit in seinem Hause. "Es tut so gut, wie du regierst, es ist Urlaub hier", singen die Mitarbeiter in der Amtsstube zur Silbermond-Melodie "Das Beste" und frohlocken weiter: "Wir sag'n 's dir viel zu selten: es ist schön, dass es dich gibt." Magg beobachtet das entsetzt: "Ich dachte doch, dass ich eine Respektsperson bin."

Starkbierfest Olching

Die Personalpolitik im Rathaus, einen neuen Verwaltungsbau und andere Olchinger Probleme nimmt die Kolpingsfamilie kabarettistisch unter die Lupe.

(Foto: Günther Reger)

Die "Ratschkattln" Ingrid Klameth und Petra Huber, traditioneller Bestandteil des Starkbierfestes, schicken die Anrufer im Call-Center des Rathauses in endlose Warteschleifen. Auch das "Politikerschlitzohr", Landrat Thomas Karmasin, lassen sie abblitzen. Ruth Busl, Stadträtin der Freien Wähler, wird zur "Panama-Ruth", weil sie angeblich nur einen Briefkasten in Olching hat. Grandios auch das Berater-Singspiel mit Charly Frey und Hans Decker, der eine mit österreichischen und der andere mit Schweizer Akzent, die sich mit Hans Sollinger und Josef Schalk über die Olchinger Gold- und Platincard austauschen. Platinbürger im "Reservat" Graßlfinger Moos bekämen eine direkte Schnellstraßenanbindung ans Grundstück. Die Anwohner mit dem Status Bronze oder Blech müssten weiter Torf stechen, damit die Fundamente für zukünftige Einkaufmalls und Outletcenter im Moos gelegt werden können.

Der Wechsel von Dialogen und Liedern war vergnüglich, hatte aber einige Längen. Fulminant der Schlussliedblock mit instrumentaler Unterstützung der Starkbierband unter Leitung von Harry Zethner. Auch hier die Warnung nach der Melodie von Wolfgang Petry "Der Himmel brennt" an Bürgermeister Magg: "Dein Rathaus brennt ... Ihr habt verpennt ..., die Wähler fliehn ... Ihr müsst die Leute wieder erreichen", sonst kommt der "Volldepp".

© SZ vom 13.03.2017
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