bedeckt München 30°

Regionaler Versorger:Luft nach oben

Mit der Kraft der Sonne: In Kürze wird auch der zweite Bauabschnitt der Freiflächen-PV-Anlage bei Kottgeisering in Betrieb genommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Fürstenfeldbrucker Stadtwerke haben 2019 offenbar gut gewirtschaftet. Um die Energiewende im Landkreis voranzubringen, würden sie aber gerne noch mehr Solaranlagen und Windräder bauen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

2019 war für die Stadtwerke Fürstenfeldbruck ein sehr erfolgreiches Jahr. Jan Hoppenstedt, der Bernd Romeike zum Jahreswechsel an der Spitze des regionalen Energieversorgers abgelöst hat, sowie Vertriebsleiter Andreas Wohlmann zeigten sich bei der Vorstellung des Geschäftsberichts sehr zufrieden und kündigten weitere Anstrengungen an, die eigene Energieerzeugung mittels regenerativer Energiequellen zu steigern. Auch die Windkraft schreiben die Stadtwerke trotz aller Schwierigkeiten noch nicht ab.

Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Kreisstadt weist für das vergangene Jahr einen üppigen Überschuss von gut zwei Millionen Euro aus - im Vorjahr waren es knapp 1,2 Millionen Euro gewesen. Das ist unter anderem einem Sondereffekt zu verdanken - das Grundstück am alten Standort Auf der Lände wurde an die Stadt verkauft. "Das ist das beste Ergebnis seit Jahren; gleichzeitig bedeutet es den 19. positiven Abschluss in Folge", so Hoppenstedt, der eine Gewinnausschüttung von 600 000 Euro - auf Vorjahresniveau - an die Stadt vorschlägt. Der Gewinn sei aber auch mit Blick auf die Zukunft sehr wichtig, ermögliche er doch Handlungsfähigkeit für kommende Aufgaben. Die Umsetzung der Energiewende erfordert hohe Investitionen, sowohl in klimafreundliche Technologien und in eine leistungsfähige Netzinfrastruktur wie auch in neue Formen der Energiedienstleistungen. Als regionaler Energieversorger sei es "unser Anspruch, die weiter aktiv voranzutreiben".

Zufriedene Gesichter: Vertriebsleiter Andreas Wohlmann (links) und Geschäftsführer Jan Hoppenstedt stellen den Geschäftsbericht vor.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

2019 ist die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen leicht angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden aus Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik gut drei Prozent mehr Strom eingespeist. Mit einer Quote von 45 Prozent spielen die erneuerbaren Energien im Netzgebiet der Stadtwerke aber immer noch eine zu geringe Rolle - vor allem mit Blick auf das Ziel des Landkreises, bis 2030 ganz auf Öl, Gas und Kohle zu verzichten. Potenzial gäbe es im Versorgungsgebiet der Stadtwerke, das im Süden bis Ammersee und Wörthsee reicht, durchaus noch beim Bau von Windrädern. Zwei bis drei Standorte im Landkreis Fürstenfeldbruck werden zurzeit auf ihre grundsätzliche Eignung geprüft, zudem gibt. Auch im Landkreis Starnberg scheint es jenseits der vier vorhandenen Windräder noch Möglichkeiten für einen Ausbau zu geben.

Kennzahlen

Ausgewählte Kennzahlen für 2019 (Beträge in Millionen Euro, gerundet, Vorjahreswert in Klammern)

Finanzen

Eigenkapital 47,2 (45,8)

Bilanzsumme 93,4 (74,6)

Umsatzerlöse 89,8 (86,0)

Eigenkapitalquote 50,5 Prozent (61,4)

Eigenkapitalrendite 4,3 Prozent (2,5)

Hausanschlüsse

Strom 22 100 (21 900)

Wasser 5800 (5800)

Fernwärme 347 (326)

Stromerzeugung (in Megawattstunden)

Blockheizkraftwerke 17 100 (19 500)

Wasserkraft 8700 (7300)

Photovoltaik 356 (321)

Windkraft (anteilig) 7700 (6300)

Besucher Freizeitanlage 290 000 (316 000)

Besonders auch auf die leichter zu realisierende Photovoltaik setzen die Stadtwerke große Hoffnungen. So auch mit dem vor gut einem Jahr gestarteten "FFB-Stromdach" im Privatkundenbereich. 19 Anlagen seien bereits auf Dächern installiert, so Wohlmann, insgesamt 34 Verträge sind unterschrieben. Die mit 178 Kilowatt (peak) leistungsfähigste Anlage wurde aufs Autohaus Rasch montiert. Auch bei den Freiflächenanlagen geht es voran. So steht der zweite Bauabschnitt der Anlage bei Kottgeisering kurz vor der Inbetriebnahme - zu den vorhandenen 750 Kilowatt kommen dann weitere 568 hinzu. Für weitere Anlagen wie jene bei Windach an der A 96 suchen die Stadtwerke Flächen am Rande von Fernstraßen und Bahnlinien.

Vor allem stand das Jahr 2019 im Zeichen des Umzugs vom Stadtzentrum an die Cerveteristraße. Dort stieg die Zahl der Mitarbeiter um acht auf aktuell 151 Mitarbeiter. Auf dem alten Standort plant die Stadt gemeinsam mit der Wohnbaugesellschaft Igewo eine neue Siedlung, in der neben Wohnungen auch Platz geschaffen werden soll für innovatives Gewerbe.

Der Jahresabschluss 2019 wurde in der jüngsten Aufsichtsratssitzung festgestellt. Der darauf basierende Jahresreport ist auf der Homepage abrufbar.

© SZ vom 14.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite