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Sport in Eichenau:Test, Satz, Sieg

EICHENAU: 23. Eichenau Open 2021

Die Ruhe selbst: Der Münchner Jan Thomas Dafcik setzt sich beim Tennisturnier in Eichenau im Finale durch.

(Foto: Leonhard Simon)

Beim Tennisturnier in Eichenau zeigt sich, wie sehr den Sportlern zuletzt die Wettkämpfe fehlten

Von Karl-Wilhelm Götte, Eichenau

Tennis ist eine Sportart, bei der die Verzweiflung über die eigene Tat sehr häufig durchbricht. So war es auch im Finale des Herren-Tennisturniers des TC Eichenau zu beobachten. "Reiß dich mal zusammen", stöhnte Christopher Waite laut auf, als eine Rückhand von ihm ins Netz sauste. Der Aufschrei als Selbstmotivation funktionierte, der nächste Punkt ging an Waite aus Weißenhorn bei Ulm. Als er Matchbälle abwehrte, aber das Spiel nicht mehr drehen konnte, donnerte er später den Schläger auch noch wütend auf den Boden. Sein Gegner Jan Thomas Dafcik war dagegen die Ruhe selbst; der Münchner vom Tennisclub Blutenburg gewann ein hochklassiges Endspiel 6:2 und 6:4. 500 Euro Preisgeld gingen an den Favoriten Dafcik, 250 Euro blieben für den ungesetzten Waite.

Das Match war viel enger, als das Resultat es ausdrückt. Tennislehrer Waite, 29 Jahre alt, setzte Dafcik mit rasanten Vorhandschlägen und variablem Spiel immer wieder unter Druck, doch der Münchner lief an der Grundlinie emsig hin und her und brachte auch die schwierigsten Bälle wieder zurück. "Er war nicht der bessere, aber der konstantere Spieler, der weniger Fehler machte", räumte Waite hinterher ein. Beide Akteure mussten inklusive Finale fünf Matches an drei Tagen absolvieren. Waite hatte am Vormittag noch ein zweistündiges Halbfinale in den Knochen, das er in drei Sätzen gewann. Der 27-jährige Dafcik marschierte jeweils in zwei Gewinnsätzen durchs Turnier. "Das war megaschwer gegen ihn", sagte Dafcik nach dem gewonnenen Endspiel. Er brauchte am Ende fünf Matchbälle, um seinen Gegner niederzuringen.

Dafcik macht gerade seinen Master in Sportwissenschaften, findet aber auch genügend Zeit sich seinem Sport zu widmen. "Auf 15 Stunden Training komme ich in der Woche", rechnete Dafcik vor, der fast jeden Tag auf dem Platz steht. Dafcik bessert mit Tennis-Preisgeldern sein Studentensalär etwas auf. Er ist die Nummer 94 in der deutschen Rangliste und war in Eichenau an Nummer eins gesetzt. Nummer 94 klingt nach Drittklassigkeit im Tennis, ist es jedoch kaum. Per Augenschein sah man im Endspiel kaum Unterschiede im Tempo zu den Matches bei den French Open in Paris, die gerade laufen. Entsprechend viel Applaus gab es von den verständigen Zuschauern auf der voll besetzen Terrasse vor dem Center Court in Eichenau.

In der Herrenkonkurrenz traten 64 Spieler an, die aus Bayern, aber auch aus Pforzheim, Heidelberg, Tübingen und dem westfälischen Dorsten kamen. Alle gemeldeten Spieler - auch das war ein Novum - kamen auch nach Eichenau. Die ambitionierten Tennisspieler scheinen ausgehungert zu sein. Wegen Corona gab es im Winter keine Hallenturniere und Freiluftturniere gibt es erst seit zwei, drei Wochen wieder. "An diesem Wochenende waren wir das einzige Turnier in Bayern", erläuterte Daniel Classen und machte ein fröhliches Gesicht, weil mit 32 Euro Teilnahmegebühr in den drei Herrenkonkurrenzen - auch die Herren 30 und 40 waren noch am Start - etwas Geld in die Vereinskasse kam. Der 25-jährige Eichenauer ist seit Dezember 2020 Vorsitzender des Vereins mit aktuell 580 Mitgliedern und hat sich seitdem mit großem Schwung ans Werk gemacht. Sein Bruder Benjamin Classen schlug sich beachtlich, auch wenn er bereits in Runde eins in zwei Sätzen mit 4:6 und 3:6 verlor. Dafür wurde Lokalmatador Jan-Steffen Kilian erst im Finale des Herren-30-Turniers gestoppt.

Daniel Classen und sein Team taten an den drei Tagen alles, um unter Coronabedingungen inklusive Zuschauertests vor dem Eingang einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. "Wir haben in Eigenregie 60 Tests durchgeführt", erklärte der neue Vorsitzende. Die Spieler mussten einen gültigen Negativtest mitbringen. Bisher ist der TC Eichenau, mitgliederstärkster Tennisverein im Landkreis mit zehn Außen- und drei Hallenplätzen, ganz gut durch die Coronakrise gekommen und hat kaum Mitglieder verloren. "Wir haben per Rundmails und Anrufe eine ständige Kommunikation mit den Mitgliedern gepflegt", bekräftigte Classen. Das habe den Zusammenhalt im Verein gestärkt. Den Abonnenten der Hallenplätze im Herbst und Winter hat der Verein ihre Zahlungen zurückerstattet.

© SZ vom 05.06.2021
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