Computerbetrug:Bande manipuliert Geldspielautomaten in Spielhallen

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Die Brucker Spielhalle "Playhouse" war auch von den Manipulationen an Spielautomaten betroffen. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Vor dem Landgericht München II hat der Prozess gegen fünf Männer begonnen, die mit viel Raffinesse mehr als 546 000 Euro erbeutet haben sollen.

Von Andreas Salch, Fürstenfeldbruck

Fast eineinhalb Jahre befanden sich Mustafa I., Muammar S., Özcan S., Ahmet T. und Mustafa S. auf der Siegesspur. Mit technischen Tricks und viel Raffinesse soll es den Männern gelungen sein, Geldspielautomaten in Spielhallen so zu manipulieren, dass diese ständig Geld auszahlten, sobald einer von ihnen daran spielte. Allein in der Brucker Spielhalle Playhouse sollen I. und seine Bekannten nicht weniger als 283 436 Euro für sich abgezweigt haben. In den Arcaden, einer Spielhalle Am Hartanger, waren es angeblich 229 258 Euro. Doch in der Nacht auf den 18. September 2020 hieß es: Nichts geht mehr. Das Quintett wurde von der Polizei festgenommen. Nach umfangreichen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft am Landgericht München II Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetrugs in fast 350 Fällen. Außer in Bruck soll die Bande auch Geldspielautomaten in einer Spielhalle in Olching sowie in zwei weiteren Spielhallen in München auf sicheren Gewinn programmiert haben. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einem Schaden in Höhe von 546 580 Euro aus. Seit diesem Mittwoch müssen sich die Angeklagten im Alter zwischen 28 und 55 Jahren vor 3. Strafkammer am Landgericht München II verantworten. Der Anklagesatz, in dem minutiös sämtliche Spielvorgänge und die jeweils mutmaßlich ergaunerten Gewinne aufgelistet sind, umfasst nicht weniger als 46 Seiten - Schwerarbeit für den Staatsanwalt, der für die Verlesung der scheinbar endlosen Tabellen fast zwei Stunden benötigte.

Weitere 230 000 Euro sollen die Angeklagten durch manipulierte Automaten in der Spielhalle Am Hartanger unrechtmäßig erhalten haben. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Laut den Ermittlungen sprachen Muammer S. und Özcan S. Ende Mai 2019 zunächst Mustafa I. in einer der beiden Spielhallen in Bruck an. Der 47-Jährige war dort Stammgast und kannte das Personal. Muammar S. und Özcan S. sollen I. im Laufe der Zeit dazu gebracht haben, "auszuloten", ob sich unter dem Personal Personen fänden, die gegen Bezahlung bei dem großangelegten Betrug mitmachen. Inzwischen hatten sich auch Özcan S.s Sohn Mustafa und Ahmet T. der mutmaßlichen Bande angeschlossen. Das Quintett ging allem Anschein nach arbeitsteilig vor und verfügte über spezielle Kenntnisse. Mithilfe spezieller PIN-Codes wurde etwa die Software der Geldspielautomaten so manipuliert, dass in jedem Fall Geld ausgezahlt wurde. Zudem sollen die Angeklagten gewusst haben, dass über das Service-Menü veranlasste Auszahlungen durch die Gerätesoftware nicht als Fehlbeträge ausgewiesen wurden. Dies war für das Quintett insofern von großem Nutzen, als dass die Auszahlungen durch die Gerätesoftware in der Spieldokumentation nicht als Verluste ausgewiesen wurden. Das heißt: Die Geräteaufsteller bekamen gar nicht mit, dass an manchen ihrer Automaten getrickst worden war und diese immer wieder Geld ausbezahlt hatten.

Um vom Personal der Spielhallen die für die Manipulation der Automaten benötigten PIN-Codes zu bekommen, sollen die Angeklagten sämtliche Register gezogen haben. Angestellte, die sich bereit erklärten mitzumachen, erhielten Bargeld oder ein besonders hohes Trinkgeld. Aber nicht nur das. Im Fall von Özcan S. sollen es auch "intime Annäherungsversuche bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der angegangenen Spielhallen" gewesen sein. Diejenigen Angestellten, die sich hatten bestechen lassen, meldeten ihrem Chef dann etwa nicht, dass an manchen Automaten ungewöhnliche viele Auszahlungen erfolgten. Wann die jeweiligen Komplizen unter dem Personal Dienst hatten, wusste die Bande genau. Özcan S. soll sich die entsprechenden Wochendienstpläne besorgt haben. Nachdem an den Automaten des Playhouse unbemerkt alle Vorkehrungen getroffen waren, soll am Abend des 25. Mai 2019 das falsche Spiel begonnen haben. Am Abend jenes Tages kassierte einer der Angeklagten an einem der Geldspielautomaten des Etablissements 2442 Euro. Alles in allem schlug die Bande im Playhouse laut Anklage in 189 Fällen zu. Nach Verlesung der Anklage erörterten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger in einem nicht öffentlichen Gespräch, welche Strafen die Angeklagten zu erwarten haben - vorausgesetzt sie sind geständig. Ein Urteil in dem Prozess wird für Ende Juli erwartet.

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