Nach CSU und Grünen haben auch die Sozialdemokraten in Germering ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im März 2026 gekürt. Bewerber ist Fraktionssprecher Daniel Liebetruth. Der 36 Jahre alte Gymnasiallehrer geht gegen Johannes Kirmair (CSU) und Sophie Schuhmacher (Grüne) ins Rennen um die Nachfolge von Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU). Haas stellt sich nach 18 Jahren als Amtschef im Rathaus nicht mehr zur Wahl.
Liebetruth erhielt bei der Nominierungsversammlung der SPD am Montag sämtliche Stimmen der anwesenden Parteimitglieder. Er gehört seit 2020 dem Stadtrat an. Zudem ist Liebetruth Kreisrat und führt als Co-Vorsitzender seit Mai 2023 die Kreis-SPD. Dementsprechend erhielt der Kandidat auch Unterstützung von SPD-Mandatsträgern außerhalb von Germering. So warben der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Andreas Magg, sowie Peter Falk, einer seiner Vorgänger, für die Nominierung von Liebetruth.
Liebetruth stellte in seiner Kandidatenrede die Probleme Germerings ins Zentrum. Auch im Wahlkampf wolle er den Leuten nicht das Blaue vom Himmel versprechen, versprach Liebetruth und verwies auf die knappe Kassenlage, die die Germeringer Politik in den nächsten Jahren vor riesengroße Aufgaben stelle. Der SPD-Kommunalpolitiker sprach von einer drohenden Schuldenfalle. Die Politik müsse deshalb bedacht mit den finanziellen Ressourcen umgehen und für das Gewerbe und weitere Einnahmen etwas tun.
Trotz der Etatprobleme will der Kandidat als OB erreichen, dass jedes Kind in Germering einen Betreuungsplatz erhält. Jedes Jahr fehlten Plätze im dreistelligen Bereich, monierte er. Das soll nicht so bleiben. Auch beim bezahlbaren Wohnen will Liebetruth anschieben. So sollen bei großen neuen Bauprojekten mehr geförderte Wohnungen entstehen, als das momentan der Fall ist. Das ist nach den Worten von Liebetruth auch deshalb nötig, weil bis Ende 2027 90 Prozent der bestehenden geförderten Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Seine Unterstützung sagte er auch den Vereinen zu. Diese zu fördern, das sei für ihn eine „Pflichtaufgabe“.
Zwei Bürgerentscheide in sechs Jahren
Kritik äußerte der SPD-Kandidat an der Ansiedlung des Briefverteilzentrums. Damit habe die Stadtratsmehrheit einen kränkelnden Gewerbebetrieb nach Germering geholt, sagte Liebetruth. Denn jedes Jahr gehe die Zahl der abgeschickten Briefe zurück. Zudem beanspruche das Verteilzentrum viel zu viel Platz. Auch gefällt ihm nicht, wie CSU und Freie Wähler in diesem Fall mit dem Bürgerwillen umgegangen sind. Denn der Antrag auf ein Bürgerbegehren sei aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden. Das Gleiche habe die Mehrheit auch bei der Bebauung des Kreuzlinger Feldes versucht. Zwei Bürgerbegehren in sechs Jahren, da sei etwas faul an der Politik der CSU, sagte Liebetruth.
Als Projekte für den nächsten Stadtrat nannte der SPD-Fraktionssprecher die Förderung des Radverkehrs. Germering habe zwar den Titel einer fahrradfreundlichen Kommune, doch der sei mehr Aufgabe als Zustandsbeschreibung. Noch immer fehlt es seiner Meinung nach an einem Gesamtkonzept für den Verkehr in der Stadt. Zudem fordert Liebetruth, den Stillstand im Stadtzentrum zu beenden: „Germering braucht ein aktives Zentrum.“ Dafür möchte er den Autoverkehr verringern und Freischankflächen schaffen. Den Germeringern möchte er sich anbieten als Kandidat, der Probleme löst.
Der SPD-Alt-Oberbürgermeister Peter Braun warb für Liebetruth mit den Worten, dieser wisse, wie man in schwierigen Zeiten Dinge richtig anpackt. Er sagte seine Unterstützung für den Wahlkampf zu und gab sich sicher, was Liebetruths Fähigkeiten anlangt: „Er kann OB.“ Maximilian Hermenau, Vorsitzender der Germeringer SPD, sieht große Chancen für die Sozialdemokraten, den Chefposten im Rathaus zu erringen, weil der Amtsinhaber nicht mehr kandidiert. Liebetruth sei dafür der richtige Kandidat, denn er könne Leute motivieren und kümmere sich um sie, wie er in der Schule und im Verein beweise, sagte der SPD-Ortsvorsitzende.

