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Sozialwohnungen:Mangel an bezahlbarem Wohnraum

Eine Genossenschaft könnte dem Mangel an sozialwohnungen Abhilfe schaffen. Doch Städte und Gemeinden reagieren zwiespältig auf die vom Landkreis Fürstenfeldbruck vorgeschlagene gemeinsame Baugesellschaft.

- Der Mangel an Sozialwohnungen verschärft sich. Im Landkreis hat sich der Bestand in 20 Jahren auf knapp 1800 Wohneinheiten nahezu halbiert. Bis 2022 werden weitere 400 Einheiten aus der Sozialbindung fallen. Deshalb will der Landkreis das Interesse der Kommunen an einer gemeinsamen Wohnungsbaugesellschaft ausloten. In Städten wie Fürstenfeldbruck oder Gröbenzell aber hält sich die Begeisterung mit Blick auf die Finanzen in Grenzen. SPD-geführte Städte wie Olching und Puchheim signalisieren hingegen Gesprächsbereitschaft. Wohl auch deshalb, weil Landrat Thomas Karmasin mit seinem Vorstoß der Kreis-SPD entgegenkommt, die bereits vor einem Jahr eine Kooperation von Kreis, Kommunen und Sparkasse angeregt hatte.

"Die Zahl der Wohnungen, die aus der Sozialbindung fallen, ist erschreckend", sagte Peter Falk (SPD) jüngst im Kreisausschuss. Zieht man die 200 Gagfah-Wohnungen in Puchheim, für die ausschließlich München Belegungsrecht besitzt, ab, sind es sogar nur knapp 1600 Sozialwohnungen. Auch die Baugenehmigungen sind rückläufig: Von 2001 bis 2011 reduzierte sich deren Zahl von 1200 auf 725 Wohnungen. Neue, öffentlich geförderte Sozialwohnungen sind seither kaum entstanden, weil Kommunen sparen und sich kaum Investoren finden. Bis zu zwei Jahre müssen Bürger in Germering, Olching oder Puchheim auf eine Sozialwohnung warten. 577 Haushalte suchten im vergangenen Jahr im Landkreis eine neue Sozialwohnung, die meisten davon in Fürstenfeldbruck (182) und Germering (123). Nur jeder sechste Haushalt wurde fündig. In den Gemeinden im ländlich geprägten Westen stellt sich das Problem indes kaum. Dort überwiegen Einfamilienhäuser, den verbleibenden Bedarf nach Mietwohnungen deckt der freie Wohnungsmarkt.

Ganz ausgleichen freilich könnte nach Ansicht der Kreisverwaltung auch eine neue Wohnungsbaugesellschaft die Verluste an Sozialwohnungen in den nächsten zehn Jahren nicht. Zudem würde sie sich bestenfalls nach Jahrzehnten wirtschaftlich tragen. Gerade hier setzen die Vorbehalte der Bürgermeister an. So hätte Dieter Rubenbauer (CSU) aus Gröbenzell nichts gegen eine Kooperation mit dem Kreis, dessen Hochbauabteilung in den Kommunen als Bauträger auftreten könnte. Weil Städte und Gemeinden aber einen großen Teil des Stammkapitals einbringen müssten und der Kreis seinen Beitrag über die Kreisumlage wiederum den Kommunen aufbürden müsste, stellt sich für ihn die Frage, ob man mit den so gebundenen Millionen nicht auf andere Weise mehr bewirken könnte. Gröbenzell hatte sich vor einigen Jahren gegen eine eigenen Wohnbaugenossenschaft entschieden, weil die Förderbedingungen seit der Zeit, in der jene in Eichenau und Fürstenfeldbruck gegründet wurden, verschärft worden sind. Weil Gröbenzell sich zudem bereits im Wohnungsbau engagiert, steht Rubenbauer einer weiter gefassten Gesellschaft skeptisch gegenüber: "Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen." Brucks OB Sepp Kellerer (CSU) sieht es ähnlich: "Wir können uns ja heute schon den Unterhalt unserer Wohnungen kaum leisten." Mit der Sparkasse hatte die Stadt 1990 eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet, diese 2010 aber wieder aufgelöst. Sozialen Wohnungsbau würde Kellerer lieber Akteuren wie der Oberbayerischen Heimstätte oder der Igewo überlassen und Anreize in Form von günstigem Bauland geben. Kommunale Fördermittel werden von Experten als weitere Alternative zu einer Wohnungsbaugesellschaft genannt. Damit könnten die bereits im Landkreis ansässigen Genossenschaften und Gesellschaften für den sozialen Wohnungsbau gewonnen werden.

Herbert Kränzlein (SPD) aus Puchheim wäre dennoch bereit, eine aktivere Rolle zu übernehmen und glaubt dabei auch für die vier aktuellen Bürgermeisterkandidaten zu sprechen. Über den sozialen Wohnungsbau hinaus befürwortet er die Förderung des frei finanzierten Wohnungsbaus und von Genossenschaften. Der Kreis könne Anstöße liefern, die Kommunen Grundstücke und liquide Mittel. Andreas Magg (SPD) aus Olching will sich ebenfalls mit dem Vorschlag befassen, auch wenn er seine Stadt vor allem im Neubaugebiet Schwaigfeld relativ gut versorgt glaubt. (Kommentar)

© SZ vom 16.06.2012

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