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Sozialeinrichtung in Fürstenfeldbruck:Nähen, Singen, Schattenboxen

Das Pflegehaus des Roten Kreuzes bietet seinen Bewohnern viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen - ein Besuch am Tag der offenen Tür

Das Pflegehaus des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in der Brucker Polzstraße empfängt die Besucher am "Tag der offenen Tür" mit einem roten Teppich. Drinnen im Haus sind alle vier Stockwerke dekoriert, auf Schautafeln wird über das Leben im Haus informiert. Im Gemeinschaftsraum des ersten Stocks ist gerade Andrea Thiess-Blanke angekommen. Die Tierärztin hat ihre beiden Hunde Blanca und Afra von der Münchner "Streichelbande.de" mitgebracht. Eine Patientin, die im Bett liegt, hat Blanca vor sich auf dem Schoß und streichelt den Hund ausgiebig. Seit vier Jahren kommt Thiess-Blanke mit ihren Streichelhunden ins Pflegehaus. "Die Hunde werden immer sehnsüchtig erwartet", sagt Andrea Löw, Leiterin des Pflegehauses. Die Tierärztin sagt: "Ich bringe Freude." Die Bewohner würden die Hunde - zwei Parson Terrier - inzwischen gut kennen und hätten ihre Ängste abgebaut.

BRK Pflegehaus von Lepel-Gnitz in Fürstenfeldbruck

Handarbeiten sind bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegehauses recht beliebt.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Das Brucker Pflegehaus geht auf das Vermächtnis von Liselotte von Lepel-Gnitz zurück. Die Stifterin des Hauses, das auch ihren Namen trägt, ist bereits 1983 verstorben. Das Haus bietet Platz für 96 Patienten, 95 Plätze sind zurzeit belegt. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Heimbewohner. "Unser Pflegeschlüssel stimmt", bekräftigt Löw, "wir sind sogar über den vorgegeben Schlüssel besetzt." Das Haus würde Bewohner nur aufnehmen, wenn das Personal entsprechend vorhanden sei. "Wir sind keine Aktiengesellschaft, die Profit machen muss", erklärt Löw, die seit 2009 das Pflegehaus leitet.

Die Bewohner können, soweit im Zimmer Platz ist, eigene Möbel mitbringen. Jede Etage hat einen Gemeinschaftsraum, eine Art gesellige Wohnküche. Dort wird das in der Küche im Souterrain gekochte Essen gemeinsam eingenommen. Heute gibt es Kaffee und Kuchen für die Besucher im ebenfalls schön eingerichteten "Wiener Kaffeehaus" im Erdgeschoss. Nebenan wird in einem Raum Sitzgymnastik betrieben. Bewohner und Gäste sitzen im Kreis und halten Seile hoch. Danach folgt noch ein Tai-Chi-Angebot. Am Ende des Tages wird der Hauschor auftreten, zudem steht eine Lesung auf dem Programm. Auch wenn nicht "Tag der offenen Tür" ist, sind die Angebote für die Bewohner vielfältig. Singen, Musizieren, Bewegungs- und Gesellschaftsspiele und Sitztanz sind möglich. "Kegeln ist sehr beliebt", weiß Löw. Auch kreatives Gestalten mögen die Bewohner. Im Garten des Gebäudes werkeln nicht nur die Gartenfreunde an einem Hochbeet, dort hat an diesem Tag ein Patient seine Bilder ausgestellt. Der 53-jährige Mann ist an Krebs erkrankt und hat Chemotherapien und viele Bestrahlungen hinter sich. Er ist seit Mai 2019 im Pflegehaus. Dort hat er mit dem Malen begonnen. Die Ergebnisse sind durchaus eindrucksvoll. Die Farbgebung der großen Bilder ist intensiv, rötliche Herzensbilder dominieren. Auf einem Gemälde verarbeitet er offenbar seine Krankheit; auf dem Bild verteilen sich Krebse. Der Maler selbst ist gut gelaunt und gibt freudig Auskunft.

Fröhliche Stunden sind das eine, es gibt aber auch traurige Momente im Pflegehaus. Viele Menschen sterben dort. Seit Juni dieses Jahres setzt Löw eine "Versorgungsplanung letzte Lebensphase" um. Speziell geschulte Pflegerinnen und ehrenamtliche Hospizhelferinnen kümmern sich um die Schwerstkranken. Dabei besteht ein enger Kontakt zur ambulanten Palliativstation in Fürstenfeldbruck. "Die Angehörigen kümmern sich ebenfalls", berichtet Löw, "mit denen bin ich zufrieden." Für Bewohner in dieser Lebensphase gibt es auch den "Wünschewagen", einen kleinen Transporter, der letzte Wünsche erfüllt. Wie zuletzt für zwei Männer, die vor ihrem Tod noch die Allianz-Fußballarena in Fröttmaning sehen wollten, oder für eine Frau, die den Zoo in Hellabrunn zu besuchen wünschte.