Etwa 1100 Tafel-Kunden, Tendenz steigend, dazu 154 Patientinnen und Patienten, die vom Pflegedienst versorgt werden. Der Familienstützpunkt verzeichnete im Jahr 2024 eine deutlich gestiegene Nachfrage bei Beratung und Unterstützung für weniger gut vernetzte und integrierte Familien. Das Programm „e:du – Eltern und Du“ fördert die Entwicklungschancen von Kindern. Und natürlich sind da die 160 Menschen, die von 14 Fahrerinnen und Fahrern täglich mit Essen auf Rädern versorgt werden. 2024 wurden knapp 39 000 Essen ausgeliefert.
Diese Zahlen und Hauptaufgaben des Sozialdiensts Germering nennt dessen Geschäftsführer Michael Wagner. Dazu kommen die Gäste der Tagespflege für Menschen mit und ohne Demenz. Viele sind in der Großen Kreisstadt vor den Toren Münchens mit fast 41 000 Einwohnern auf Unterstützung angewiesen. Immer wieder muss außer der Reihe schnell und unbürokratisch geholfen werden, etwa, weil ein Haushaltsgerät kaputtgeht und den Menschen das Geld für ein neues fehlt. Dafür möchten die Guten Werke den Sozialdienst mit einem Notfalltopf ausstatten.
Häufig steht im Hintergrund ein Schicksalsschlag, wie der Tod des Partners oder ein Unfall. Von einem Tag auf den anderen kann es passieren, dass Menschen nicht mehr für sich selbst sorgen können. Missbrauchs-, Gewalt- und Fluchterfahrungen sowie psychische Erkrankungen können ebenso dazu führen, dass Betroffene auf Hilfe angewiesen sind, auch Suchterkrankungen oder schlicht das Alter. Viele hätten einfach nie die Möglichkeit gehabt, sich finanziell gut aufzustellen, und jetzt eben nur eine sehr geringe Rente, erklärt Wagner. „Das lässt einen nicht kalt“, sagt er und erzählt von Kindern, die Kriegsgräuel mitansehen mussten und sich nun in prekärer Situation in einem fremden Land wiederfinden.
In Germering erfahren sie Unterstützung vom Sozialdienst, der 1967 gegründet wurde und der erste in ganz Bayern war. Die Unterstützung junger Familien, aber auch schon Angebote für Senioren gehörten zu den ersten Tätigkeitsfeldern. Der Germeringer Sozialdienst ist seither stark gewachsen, aber immer noch ein Verein. Inzwischen hat er etwa 250 Mitarbeiter, drei Viertel davon Ehrenamtliche. Sehr engagiert seien alle, sagt Wagner. Immer wieder helfen ihm zufolge auch Menschen ehrenamtlich mit, die selbst wegen einer Erkrankung nicht mehr arbeiten können und Unterstützung brauchen. Sie wollten aber trotzdem so gut wie möglich aktiv sein und sich einbringen, erklärt Wagner, selbst wenn es nur wenige Stunden pro Woche sind.
Zu den Tafelkunden gehören beispielsweise Wolfgang P., 75, und Ulrike M., 64, (Namen von der Redaktion geändert). P. hat bis vor zwei Jahren gearbeitet, in der eigenen Spedition, und seine Lebensgefährtin hat noch lange in der Gastronomie ausgeholfen. Doch sie leidet seit ihrem 20. Lebensjahr an Diabetes Typ 1, hat eine Ausbildung zur Friseurin absolviert. Sie habe aber wegen ihrer Krankheit nicht leicht eine Arbeit gefunden, sagt sie, „das muss man ja angeben“, und sei nun wegen ihrer sehr geringen Rente auf Sozialhilfe angewiesen. Bei Wolfgang P., ihrem Lebensgefährten seit 30 Jahren, reicht die Rente auch nicht zum Leben. Er ist zudem seit einem Schlaganfall beeinträchtigt.
Bei Ulrike M. hat sich über die Jahre eine chronische Lungenkrankheit entwickelt, sodass sie auf Sauerstoff angewiesen ist. Durch den grauen Star sieht sie sehr schlecht. „Und wenn ich nix seh’, kann ich nix machen“, sagt sie. Die dringend benötigte neue Brille ist bei dem schmalen Budget aber nicht drin, hier würden die Guten Werke gerne helfen. Wegen all ihrer Einschränkungen kann Ulrike M. kaum mehr vor die Tür gehen und hat daher stark an Gewicht zugelegt. Eine neue Winterjacke würde helfen, dass sie wenigstens kurz hinauskann und nicht den ganzen Tag in der Wohnung verbringen muss.
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