Kommunalwahl in GermeringJung, grün und erfahren

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„Ich weiß, dass mir das Spaß macht“: Sophie Schuhmacher vor dem Germeringer Rathaus, in dem sie künftig Oberbürgermeisterin sein will.
„Ich weiß, dass mir das Spaß macht“: Sophie Schuhmacher vor dem Germeringer Rathaus, in dem sie künftig Oberbürgermeisterin sein will. (Foto: Karl-Wilhelm Götte)

Sophie Schuhmacher hat gute Chancen, im kommenden Frühjahr die erste Grüne Oberbürgermeisterin in Oberbayern zu werden. Die 29-Jährige sitzt seit zwei Wahlperioden im Germeringer Stadtrat und hat als Dritte Bürgermeisterin schon das Rathaus geführt.

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Sophie Schuhmacher hat gute Chancen, die erste Grüne Oberbürgermeisterin in Oberbayern und damit zweites Grünes Stadtoberhaupt in Bayern nach Martin Heilig in Würzburg zu werden. Im August saß sie am Tisch des Germeringer Oberbürgermeisters Andreas Haas (CSU) – schon wieder einmal, wenn man so will, gewissermaßen zur Probe. Allerdings kraft ihres Amtes: Denn Haas ist im Urlaub und Schuhmacher als Dritte Bürgermeisterin vertritt ihn gerade wieder. Dabei hatte sie zahlreiche Besuche von Jubilaren im Kalender stehen. Sie vertrat die Stadt bei einer eisernen und dreimal bei einer goldenen Hochzeit, „auch eine diamantene war dabei“, erzählt sie.

Sophie Schuhmacher ist erst 29 Jahre alt, hat aber bald schon zwölf Jahre Erfahrung als Kommunalpolitikerin. Schon mit 18 Jahren zog sie für die Grünen in den Stadtrat ein. Das war im Mai 2014, als sie gerade am örtlichen Max-Born-Gymnasium ihr Abitur ablegte. „Ich wurde von Platz neun auf der Liste der Grünen auf Rang fünf vorgehäufelt“, erinnert sie sich gut. „Das hat mich damals richtig überrumpelt“, sagt sie, „gerechnet hatte ich damit überhaupt nicht.“ Was hatte sie 2014 angetrieben, für den Stadtrat zu kandidieren? Schuhmacher überlegt kurz. „Keine Chance verstreichen lassen“, sagt sie dann. Und meint die Möglichkeit, etwas mitzugestalten in Germering.

Politisch war Schuhmacher nicht unbedingt vom Elternhaus geprägt worden. Die Eltern hätten wohl eher SPD gewählt, waren aber für Rot-Grün. Deshalb habe es keine sehr hitzigen Debatten zu Hause gegeben, erinnert sie sich. „Mit meinem Vater war ich eher einer Meinung.“ Schuhmacher ist nach dem Abitur mit 18 Jahren von Zuhause ausgezogen, um ein Jahr lang den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) zu absolvieren. Den machte sie im Germeringer Jugendzentrum Cordobar, wo sie auch eine kleine Wohnung bezog. Die Stadtratsarbeit gefiel ihr, sie erledigte sie in dieser Zeit parallel zum Bufdi. „Man hat mich dort sehr schnell ernst genommen“, erzählt sie, „man hat mir zugehört.“ Auch die Stadträte von der CSU, die samt OB die dominierende Mehrheitspartei stellt.

Doch Parteipolitik spiele im Germeringer Stadtrat „keine große Rolle“, sagt Schuhmacher. Auch ideologische Verhärtungen stellt sie nur selten fest. Neulich aber kam es doch wieder mal dazu, als die CSU den Wegfall von 20 Parkplätzen auf dem Volksfestplatz, der neugestaltet werden soll, kritisierte. „Das hatten wir vor gut zwei Jahren bereits gemeinsam so entschieden“, sagt die grüne Stadträtin, „deshalb habe ich gesagt, dass ich es albern finde, das neu aufzurollen.“ 2020, also sechs Jahre nach ihrem Debüt, wurde Schuhmacher wieder problemlos in den Stadtrat gewählt. Mit neun Sitzen im 40er-Stadtrat – heute sogar zehn – übertrumpften die Grünen die SPD und Schuhmacher übernahm von den Sozialdemokraten den Posten der Dritten Bürgermeisterin.

Als Abiturientin in den Stadtrat: Sophie Schuhmacher als 18-Jährige bei der konstituierenden Sitzung 2014.
Als Abiturientin in den Stadtrat: Sophie Schuhmacher als 18-Jährige bei der konstituierenden Sitzung 2014. (Foto: Johannes Simon)

„Ich weiß, dass mir das Spaß macht“, resümiert sie nach gut fünf Jahren. Etwa fünf, sechs Wochen pro Jahr vertritt sie seit 2020 den OB. Da müsse sie alle Aufgaben, die anfallen, übernehmen. Der amtierende CSU-Rathauschef übergebe ihr für die Vertretung alles, was sie braucht, sagt Schumacher und schmunzelt. „Schränke werden nicht abgesperrt.“ Auch Personalentscheidungen, zum Beispiel bei Einstellungen, müsse sie dann treffen. „Unangenehme Entscheidungen sind die schwierigsten“, sagt sie, aber auch:  „Erfahrungen sammeln und dazulernen ist auf diesem Posten wichtig.“

Sehr wichtig war es Sophie Schuhmacher auch, wissenschaftlich zu arbeiten. Nach dem ersten Lehrerinnen-Staatsexamen hat sie sich dafür eine Auszeit von drei Jahren genommen. Nicht ganz jedoch: Während ihrer Promotion hat sie eine Teilzeitstelle an der LMU in München innegehabt. Ihre Doktorarbeit hat sie erfolgreich über ein Thema zur Deutsch-Didaktik geschrieben. Jetzt ist Schuhmacher wieder in der Schule. Am Gilchinger Gymnasium, ihrer Stammschule, aber auch in Fürstenfeldbruck und Gauting absolviert sie das zweijährige Referendariat, um Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte zu werden. Ein Jahr hat sie noch vor sich.

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Seit Juni dieses Jahres ist Schuhmacher verheiratet, mit ihrem langjährigen Freund Konstantin Lederer. Die Trauung fand im etwas schmucklosen Germeringer Rathaus statt – bewusst, wie Schuhmacher sagt: „Ich wollte, dass OB Andreas Haas uns traut.“ Er habe dann die von ihr gewünschte sehr persönliche Rede gehalten. Haas hat nach 18 Jahren als Germeringer OB auf eine erneute Kandidatur im kommenden Frühjahr verzichtet. Seine Nachfolge gilt als offen.

Schuhmachers Hauptkontrahenten Johannes Kirmair (CSU) und Daniel Liebetruth (SPD) sind nur wenige Jahre älter als die Kandidatin der Grünen. Landwirt Kirmair ist 32 und Studienrat Liebetruth 36 Jahre alt, aber Schuhmacher sitzt sechs Jahre länger im Stadtrat und hat als Dritte Bürgermeisterin bereits Verwaltungserfahrung. „Das wird eine Persönlichkeitswahl mit neuen Kandidaten, da ist das Rennen offen“, zeigt sich die 29-Jährige überzeugt. „Meine Chance auf die Stichwahl ist sicherlich gegeben.“

Schuhmacher hat sich auch als Rednerin der Germeringer Klimaschutzinitiative „Bündnis Zukunft“ einen Namen über die grüne Partei hinaus gemacht.  Den Wahlkampf will sie auch mit klassischen Veranstaltungen bestreiten, Social Media mit Instagram, Facebook und Tik Tok werde ebenso wichtig sein, weiß die OB-Kandidatin. Den persönlichen Kontakt an den Haustüren will sie ebenfalls suchen.

Die entscheidende Frage für sie sei jedoch: „Wie bündele ich meine Energie?“ Gerne würde sie sich für junge Menschen in Germering etwas mehr Nachtleben wünschen. Da müssten sich aber auch die Menschen ändern. „Vorglühen in Germering und dann nach München fahren, etabliert kein Nachtleben hier“, sagt Schuhmacher. Eine Idee hätte sie schon: Auf dem ehemaligen Kasernengelände am Ende der Otto-Wagner-Straße könnten im Wald als Zwischennutzung Festivals stattfinden.

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