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Sonntagsmatinee in der Klosterkirche:Stilistische Feindifferenzierung

Bei der "Sinfonia a organo" von Niccolò Piccinini lässt Winfrid Bönig an der riesigen Fux-Orgel ein ganzes Orchester erklingen. Bei diesem Stück steht sein Spiel in einem guten Einklang mit der Akustik der Kirche.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kölner Domorganist Winfried Bönig zeigt in Fürstenfeld ein hohes Maß an künstlerischem Einfühlungsvermögen und er überzeugt mit der Dramaturgie in der Abfolge der Stücke

Die Zusammenstellung eines stimmigen Konzertprogramms ist eine oft unterschätzte, aber überaus hohe Kunst. Handelt es sich, wie bei der Orgelmatinee am vergangenen Sonntag in der Klosterkirche Fürstenfeld, noch dazu um einen Kirchenraum mit einem historischen Instrument, ist die geeignete Auswahl noch heikler. Winfried Bönig, seit 2001 Domorganist in Köln und Schüler des legendären früheren Münchner Domorganisten Franz Lehrndorfer, hat mit seiner Programmauswahl nicht nur künstlerisches Einfühlungsvermögen in höchstem Maß bewiesen. Er erreichte zugleich auch eine überzeugende Dramaturgie in der Abfolge der Stücke.

An der Fux-Orgel aus dem Jahr 1736 musizierte Bönig abwechselnd Werke des 18. Jahrhunderts aus der Zeit der Klassik und solche der Gattung Passacaglia aus dem 17. Jahrhundert. An die zentrale Mittelposition hatte er eine Paraphrase über ein Mozart-Thema aus dem 19. Jahrhundert gesetzt. Mit einem Präambulum in C-Dur von Joseph Haydn wurde das Programm eröffnet. Der durch die mächtige Registrierung unterstützte festliche Gestus wurde durch Spielfiguren in den Mittelstimmen aufgelockert.

Der Mittelteil unterschied sich durch die für die Klassik charakteristische sangliche Melodieführung. Ein "Kleines Flötenkonzert" des süddeutschen Komponisten Justin Heinrich Knecht nahm später die Klangcharakteristik der Fux-Orgel wunderbar auf. Die "Orchestertutti"-Passagen waren kräftig im Klang, während die Abschnitte mit den zarten Melodiephrasen zu zurückhaltender Begleitung einem Flötenton sehr ähnlich gerieten. Insofern war die Struktur dieses Allegro-Satzes klar nachvollziehbar, bis hin zu einer "Solo-Kadenz" kurz vor Schluss.

Die "Sinfonia a organo" von Niccolò Piccinini imitierte klangvoll ein ganzes Orchester. Das Eingangs-Allegro begann im konzertierenden Stil und mit reichem Spielwerk, zu dem auch Fanfaren gehörten. Das sehr rasche Tempo und die Vitalität, die der Satz ausstrahlte, standen in gutem Einklang mit der Akustik der Kirche. Das Andante kontrastierte zwei Klangebenen, wodurch die zweite, sehr kammermusikalisch und in ganz warmen Registern gehalten, den liedhaften Verlauf überzeugend hören ließ. Wie eine Art Kraftpaket kam das Final-Allegro daher, dessen brillanter Klangeindruck auf den Taktschwerpunkten gefedert war.

Einer Passacaglia, auch Passacailles oder Ciacona genannt, liegt eine kurze, stetig wiederholte Basslinie mit zugehörigem Harmonieschema zugrunde. Auf diesem Fundament entfalten sich im Verlauf ganz unterschiedliche Variationen. Die Passacaglia von Georg Muffat zeigte vielfach verschlungene Stimmen, die die umrahmenden Akkordstationen verbanden, doch ging die Orientierung dabei nie verloren. Durch die Stimmen wechselnde Motive, allerlei Verzierungen und ausgreifend-virtuose Spielfiguren ergänzten das Stück. Die Ciacona von Johann Jakob de Neufville beeindruckte durch ihren weichen Klang und die Veränderungen, die sich hauptsächlich in der Oberstimme abspielten. Bei der Passacailles von Juan Cabanilles blieb das Harmonieschema weitgehend erhalten, die Basslinie wurde hier in die Variationen einbezogen.

Während der Priestermarsch aus der "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart den meisten Konzertbesuchern bekannt gewesen sein dürfte, galt das Gegenteil wohl für den Komponisten des Concertstücks für Orgel über dieses Thema, Friedrich Kühmstedt. Eine ausladende Einleitung jonglierte mit einzelnen Mozart-Partikeln, bis das Original vorgestellt wurde. Es wurde dann durch Imitation und harmonische Erweiterung verarbeitet und effektvoll in eine Coda geführt. Viel Beifall, dem aber ganz folgerichtig keine Zugabe des Organisten folgte, gab es zum Schluss der Orgelmatinee für Winfried Bönig.