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Sicherheitsmaßnahme:Rüstzeug für Katastrophen

Blick ins Notfalllager: In Eichenau bringt der Landkreis Material des Katastrophenschutzes unter.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bei Großeinsätzen können Helferinnen und Helfer auf das Notfalllager des Landkreises zurückgreifen. Die bisherigen zwei Standorte sollen in einem Neubau zusammengeführt werden

Es war im Juni 2013, als sich der beschaulich plätschernde Starzelbach plötzlich in einen Fluss verwandelte und in Eichenau Grundstücke, Keller, Straßen, Grundstücke flutete. Die Feuerwehr hatte viel zu tun, um Sperren zu errichten, Sandsäcke zu füllen, Wasser abzupumpen. Alle Geräte, Materialien und Fahrzeuge, die für Großschadensereignisse wie Hochwasser, Schneebruch, Unwetter und Großbrände im Landkreis vorgehalten werden, sind in einem kreiseigenen Notfalllager untergebracht, das derzeit noch auf zwei Standorte verteilt ist: den Wertstoffhof Eichenau und den Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck. Weil die Kapazitäten an beiden Standorten nicht mehr ausreichen, will der Landkreis nun für etwa sechs Millionen Euro ein neues Notfalllager errichten. Auf einen Standort legte man sich noch nicht fest.

Vor allem die infolge der neu gefassten Evakuierungsrichtlinie notwendigen Anschaffungen wie etwa eine Notunterkunftsausstattung für 1000 Personen können nach Auskunft der Kreisverwaltung ohnehin nicht mehr komplett in den bisherigen Räumlichkeiten untergebracht werden. Zumal "wir aus dem Fliegerhorst wohl demnächst raus müssen", ergänzte Kreisfeuerwehrreferent Gottfried Obermair (FW) in der Sitzung des Kreisausschusses. Daneben müssen unter anderem Gerätewagen und Lastwagen, Radlader, Gabelstapler, Notstromaggregate, Sandsackabfüllanlagen, Schmutzwasserpumpen, Notdächer, Bauzäune, Schubkarren, Schneeschaufeln, Folien, Planen, Verschalungsmaterial, Kies und Sand für den Schadensfall vorgehalten werden. Auch gilt das bestehende Lager in Eichenau wegen Nutzungskonflikten mit dem Wertstoffhofbetrieb und nicht vorhandenen Erweiterungsmöglichkeiten als nicht dauerhaft geeignet.

In Eichenau könnte deshalb ein Neubau entstehen, der die bisherigen Standorte zusammenführt. Die Gemeinde Eichenau bot dem Landkreis ein Grundstück in Erbpacht an der Holzkirchener Straße am Rande des Gewerbegebiets Süd an. Eine Machbarkeitsstudie sieht dort Lagerhallen, eine Werkstatt für Wartungen und kleine Reparaturen, ein kleines Verwaltungsgebäude für Lagebesprechungen, Schulungen und Koordinierungsaufgaben sowie Umkleiden, Duschen, Toiletten, Ruheräume und eine Küche für die Einsatzkräfte vor.

Das Notfalllager ist nicht zu festen Zeiten in Betrieb und verfügt auch nicht über eigenes Personal. Zeitpunkt und Einsatzdauer lassen sich nicht vorhersagen, weil sich Schadensereignisse nicht vorhersagen lassen. Die Freiwillige Feuerwehr Eichenau, die in der nahen Tannenstraße ihr eigenes Domizil hat, wäre wie bisher bereit, das Lager mitzubetreuen und im Alarmfall die Geräte und Materialien zum Einsatz zu bringen. Auch über den unmittelbaren Einsatz hinaus übernimmt die Feuerwehr Aufgaben wie Wartung und Einhaltung der Prüffristen für diverse technische Geräte. Für die Standortentscheidung ist die Bindung an eine örtliche Feuerwehr ein entscheidendes Kriterium. "Ohne eine leistungsstarke engagierte Feuerwehr vor Ort wäre die Einsatzfähigkeit des Notfalllagers stark gefährdet", heißt es dazu in den Informationsunterlagen, die die Kreisräte ausgehändigt bekamen.

Bei den Diskussionen sowohl im vorberatenden Kreisausschuss als auch im Kreistag entzündete sich vor allem Kritik an den Auflagen der Gemeinde Eichenau. Diese hatte für das Gebäude ein begrüntes Dach vorgeschrieben, das jedoch Mehrkosten für Statik und Dachkonstruktion hervorruft sowie nach Einschätzung von CSU-Kreisrat Johann Wörle auch höhere Unterhaltskosten: "Das ist fehlende Nachhaltigkeit." Wörle plädierte im Kreisausschuss für ein "ordentliches Satteldach und dann ist 60, 70 Jahre Ruhe, und man braucht keine Wartung". Auch UBV-Kreisrat Jakob Drexler nannte in der Kreistagssitzung eine Dachbegrünung "ökonomischen Unsinn". Er kritisierte auch die in der Machbarkeitsstudie genannte Alufassade und die Verwendung von Stahlträgern als "zu energieaufwendig". Peter Falk (SPD) ermahnte die Kollegen, "nicht immer am Dach herumzudiskutieren" und erinnerte an den aus seiner Sicht "verschwurbelten Beschluss" des Kreistags, dass keine Flachdächer mehr gebaut werden sollen.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) hielt ähnlich wie Wörle eine Photovoltaikanlage auf dem Dach für sinnvoll, aber man müsse sich wohl "mit Eichenau ein Stück weit arrangieren". SPD-Kreisrätin Gabi Riehl, in Eichenau zweite Bürgermeisterin, widersprach, "was das Anspruchsdenken Eichenaus angeht": Eine Photovoltaikanlage ohne Eigenbedarf sei eben unrentabel: "Es lohnt sich nur, wenn man den Strom selber verbraucht." Und wenn die Kommune "für jedem Carport ein begrüntes Dach verlangt", dann müsse dies auch für größere Projekte gelten. Hans Seidl (CSU) redete dennoch der Photovoltaik das Wort: Sie müsse Standard werden bei allen kreiseigenen Gebäuden.

Dass ein neues Notfalllager gebaut werden soll, war dann Konsens im Kreistag, den Grundsatzbeschluss trugen alle Fraktionen mit - nur die Grünen nicht: Martin Runge möchte das Lager auf keinen Fall auf dem Grundstück in Eichenau sehen, das im Wasserschutzgebiet liegt und das komplett neu versiegelt werden müsste. Die Entscheidung für einen Standort wurde vertagt, erst soll noch mit der Gemeinde Eichenau weiterverhandelt werden.

© SZ vom 08.01.2020
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