Seniorenheim in der Buchenau BRK suspendiert Heimleiter

Eine Prüfung bestätigt die Vorwürfe gegen die Senioreneinrichtung. Die Aufsichtsbehörde stellt Fälle von Dehydrierung sowie unzureichender Wundversorgung und Körperhygiene fest. Ursache war der Mangel an Fachpersonal.

Von Stefan Salger

Die Geschäftsführung der BRK-Senioreneinrichtungen hat auf die vor gut einer Woche bekannt gewordenen Mängel in der Einrichtung in Buchenau reagiert: Der zurzeit krank geschriebene Leiter des Hauses sowie der Pflegeleiter wurden ersetzt, zudem sind Fach- und Hilfskräfte eingestellt worden. Nach einer vom Roten Kreuz unterstützten gemeinsamen Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und die staatliche Heimaufsicht am vergangenen Freitag wurde nun von den Behörden ein Aufnahmestopp verhängt. Bis alle Missstände nachweislich beseitigt sind, dürfen über die zurzeit 59 Bewohner hinaus vorerst keine weiteren pflegebedürftigen Senioren aufgenommen werden. Das dreigeschossige Haus, das erst im März im Fürstenfeldbrucker Westen eröffnet worden war, ist für 153 Personen konzipiert.

Bernhard Hentschel, Geschäftsführer der Sozialservice Gesellschaft, der nach Bekanntwerden der Probleme intern bereits einen Aufnahmestopp verfügt hatte, entschuldigte sich am Dienstagabend ausdrücklich bei Bewohnern und Angehörigen. Auch bei einer Pressekonferenz am Mittwoch sicherte er zu, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, wieder eine erstklassige Pflege sicherzustellen.

Hentschel spricht von "Führungsversagen" und meint damit vor allem den nun suspendierten bisherigen Leiter der Einrichtung. Dieser habe es versäumt, die immer drängenderen Probleme an die Geschäftsführung zu melden. So kündigten mehrere Pflegekräfte, weitere fielen wegen Krankheit oder Urlaub aus. Nachdem die obligatorische Prüfung durch die Heimaufsicht Ende April bei damals 27 Bewohnern noch eine deutlich über das vorgeschriebene Maß hinausgehende Personalausstattung bestätigt hatte, fehlten nun sechs Mitarbeiter. Dennoch wurden neue Senioren aufgenommen: Mitte Juli wurde ein zweiter Wohnbereich eröffnet - im Erdgeschoss zogen elf Demenzpatienten ein. Die Überlastung der verbliebenen Stammkräfte wurde dadurch verschärft.

Die von der BRK-Geschäftsführung unterstützte Prüfung am Freitag bestätigte die Ergebnisse einer bereits vor zwei Wochen erfolgten Kontrolle durch den MDK, der von einer ehemaligen Mitarbeiterin informiert worden war. Der schriftliche Bericht liegt noch nicht vor. Christian Obojkovits, stellvertretender Sprecher des Landratsamtes, bestätigte aber auf Nachfrage der SZ bereits die Kernpunkte der Beanstandungen. So seien Wunden nicht angemessen versorgt worden und einigen Senioren sei zu wenig Flüssigkeit gegeben worden - erste Anzeichen einer Dehydrierung, also Austrocknung, waren sichtbar. Zudem wurde die Verabreichung von Medikamenten mangelhaft dokumentiert und es gab Fälle, in denen Bewohner nicht oft genug gewaschen wurden. Ein Bewohner reagierte auf den Pflegenotstand und zog aus.

Die Missstände machen uns sehr betroffen", sagte Hentschel. Anja Fischbeck, die das Seniorenheim übergangsweise leiten wird, räumte ein, "bei Null anfangen" zu müssen. Organisationsabläufe wie das Zusammenspiel von Pflege- und Hauswirtschaftskräften sollen verbessert werden. Mit Hilfe von Selbständigen sowie Leiharbeitern wurde der Personalstand bereits auf das erforderliche Niveau von 28 Stellen gebracht, die Hälfte davon sind Pflegefachkräfte. Hentschel will möglichst schnell die vom BRK vorgesehene, bislang aber vakante Ombudsstelle besetzen, an die sich Bewohner, Angehörige sowie Pflegekräfte der Seniorenheime bei Beschwerden wenden können. Zudem soll ein Beirat der Bewohner gewählt werden. Hätte es diese Einrichtungen bereits gegeben, wäre es wohl nie so weit gekommen. Denn die Mitarbeiterin, die sich letztlich an den MDK gewandt hatte, schrieb zuvor auch Briefe an Fischbeck und Hentschel, die bei diesen aber urlaubsbedingt zu spät ankamen. Hentschel kündigte an, dass die vom damaligen Heimleiter gekündigte Mitarbeiterin wieder ins Haus zurückkehren werde und versteht dies als Signal für einen Neustart.

Die Frau hatte auch an der Versammlung am Dienstagabend teilgenommen, bei der sich die neue Heimleitung vorstellte und die Geschäftsführung Angehörigen und Bewohnern Rede und Antwort stand. Dabei wurde deutlich, dass die meisten durchaus zufrieden sind mit dem Engagement der Stammkräfte und die Versäumnisse ebenfalls auf der Leitungsebene des Hauses sehen. Beschwerden dort - auch vom Personal - über die katastrophalen Bedingungen hätten nichts bewirkt. Das bestätigte auch eine Pflegerin. Applaus bekam bei der Veranstaltung eine Frau, die dafür warb, bei aller berechtigten Kritik doch nun "nach vorne zu blicken". Nach den Sommerferien will die Leitung des Hauses Bewohnern und Angehörigen über die erreichten Fortschritte berichten. Unter dem Titel "Pflegeskandal in Fürstenfeldbruck" berichtet das Bayerische Fernsehen an diesem Donnerstag von 17.30 Uhr an in der Reihe "Schwaben und Altbayern aktuell" über den Fall.