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Senioren:Hilfe auf Knopfdruck

Hausnotruf

Kooperation beim Hausnotruf: Birgit Weiß (Caritas) und Dieter Wünsche (Malteser).

(Foto: Julia Krill)

Ein Hausnotrufgerät kann Senioren länger ein selbstbestimmtes Leben in gewohnter Umgebung ermöglichen. Weil dies der Wunsch der meisten älteren Menschen ist, arbeiten verschiedene Sozialverbände zusammen

Die meisten Menschen wünschen sich für das Alter, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Viele Senioren leben allein. Doch was ist, wenn sie stürzen und sich verletzen? Oder über plötzlich einsetzende Beschwerden klagen, und niemand ist da? Ein Hausnotrufgerät kann Betroffenen helfen, selbständig Hilfe anzufordern und sich damit im Notfall bemerkbar zu machen. Die Sozialverbände bieten entsprechende Geräte samt Verträge an, in vielen Fällen kooperieren einzelne Sozialverbände miteinander. Wie das Rote Kreuz und der VdK. Oder der Malteser Hilfsdienst und die Caritas, die ihre Zusammenarbeit mit einem Kooperationsvertrag besiegelt haben.

Der Landkreis Fürstenfeldbruck ist bei der Zusammenarbeit von Maltesern und Caritas Pionier innerhalb der Erzdiözese München-Freising, die übrigen Landkreise sollen folgen. Das Angebot soll "sukzessive ausgebaut werden", sagt Thomas Rapp, Leiter der Sozialen Dienste im Bezirk München der Malteser. Hausnotrufgeräte werden sowohl von den großen Sozialverbänden, von örtlichen Sozialdiensten, aber auch von privaten Unternehmen angeboten. Sie sollen "Menschen im Alter ermöglichen, länger unabhängig zu sein", sagt Birgit Weiß, Kreisgeschäftsführerin der Caritas. Im Alter spiele nicht nur "das Bedürfnis nach Geborgenheit, sondern auch nach Sicherheit eine wichtige Rolle". Bei altersbedingten Beeinträchtigungen der Gesundheit, chronischen Krankheiten oder einer Behinderung gibt ein Hausnotrufgerät die Sicherheit, im Notfall rechtzeitig Hilfe organisieren zu können.

Ein Hausnotrufgerät funktioniert über einen tragbaren Sender mit Notfallknopf, der an einem speziellen Armband oder einer Kette befestigt ist. Wird er gedrückt, wird Kontakt über eine Freisprechanlage zur Notrufzentrale hergestellt. Die Informationskette funktioniert nach Auskunft der Malteser dann so: In der Notrufzentrale sind die persönlichen Daten des Kunden hinterlegt, ein Mitarbeiter erkundigt sich, was passiert ist. "Und selbst wenn man nichts sagt, wissen wir, wer es war und wo", erläutert Rapp. Dann rücken ein Mitarbeiter des Hausnotrufteams, ein zwischenzeitlich informierter Angehöriger oder der Rettungsdienst zum Betroffenen aus.

Zudem kann auch ein Rauchmelder an das Hausnotrufgerät gekoppelt werden, der bei Rauchentwicklung in der Wohnung über den Hausnotruf Alarm in der Zentrale auslöst. Auch mobile Senioren, die gerne unterwegs sind oder auch nur einen Spaziergang im Wald unternehmen wollen, können solche Dienste in Anspruch nehmen, die Malteser bieten beispielsweise ein Zweitastengerät in der Größe eines Handys an, das in jede Manteltasche passt.

Laut Verbraucherzentrale gibt es deutschlandweit etwa 350 000 an 180 Zentralen angeschlossene Nutzer von Hausnotrufgeräten. Bereits 2010 hatte eine von der "Initiative Hausnotruf" in Auftrag gegebene Analyse mit dem Titel "Länger zu Hause leben", für die Hausnotrufnutzer, Angehörige und Fachleute befragt wurden, darauf hingewiesen, dass der Hausnotruf den Umzug ins Pflegeheim verzögern und sogar vermeiden kann und damit auch Kosten für die stationäre Pflege sparen hilft. Auch für Angehörige kann das Wissen um den über den Hausnotruf einsetzenden Automatismus entlastend sein. Die Angehörigen "wissen die Senioren damit gut aufgehoben", betätigt Birgit Weiß.

Laut einer Liste der Seniorenfachberatung im Landratsamt bieten im Landkreis BRK, Malteser, Johanniter-Unfallhilfe, der Sozialdienst Germering, die Ökumenischen Nachbarschaftshilfen Fürstenfeldbruck-Emmering und Maisach-Egenhofen sowie der Sozialdienst Nachbarschaftshilfe Puchheim Hausnotrufsysteme an.

Über Kooperationen wollen die großen Sozialverbände dafür sorgen, dass sich mehr Menschen für ein Hausnotrufgerät entscheiden. "Das steigert den Bekanntheitsgrad", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Rainer Bertram. Das BRK arbeitet mit dem Eigenheimerverband sowie seit Juni vorigen Jahres mit dem VdK in Sachen Hausnotruf zusammen. "Wir möchten für möglichst viele Menschen in der Region mit unseren sozialen Dienstleistungen da sein und vor allem so lange als möglich selbstbestimmtes Wohnen daheim ermöglichen", sagt Bertram. VdK-Mitglieder erhalten einen Rabatt von sieben Prozent bei der Bestellung eines Hausnotrufsystems und dazu gehörender Zusatzleistungen des BRK, wenn sie bei Vertragsabschluss ihren VdK-Ausweis beim zuständigen BRK-Kreisverband vorlegen. Die Grundgebühr beträgt derzeit 23 Euro. Beim BRK-Komfortpaket wird zusätzlich eine einmalige Organisationspauschale berechnet, dafür wird beim örtlichen Kreisverband ein Ersatzschlüssel für die Haustür hinterlegt. Für die Nutzer sind Hausnotrufsysteme unterschiedlich teuer, je nach Region, System, Installation und Vertrag. Laut Caritas-Kreisgeschäftsführerin Weiß kostet die Einrichtung über Caritas und Malteser einmalig 50 Euro, die monatlichen Gebühren liegen zwischen 26 Euro für die Grundausstattung und 50 Euro für das Komplettpaket. Die Pflegekassen beteiligen sich unter bestimmten Voraussetzungen.