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Schulprojekt:Bunt verpixelt

Türkenfelder Schüler und Künstler Markus Heller verschönern Schule

Von Ariane Lindenbach, Türkenfeld

"Das ist eine schöne Identifikation mit der Schule", stellt Markus Istenes fest. Der Leiter der Türkenfelder Grund- und Mittelschule steht in der Aula an einem Treppenabsatz und erzählt eine Beobachtung: "Komm Mama, du musst dir das unbedingt anschauen." Der kleine Bub zerrt am Ärmel seiner Mutter. Er lässt nicht locker, bis sie ihm durch die Aula folgt. Auf der kleinen Treppe bleibt er an der rechten Wand stehen, etwa dort wo jetzt die Schulleiter steht, und deutet auf das rote Pacman-Monster, das sich, aus bunter quadratischer Klebefolie zusammengefügt, wohltuend von den tristen, braunen Fliesen abhebt. Istenes erzählt diese Begebenheit den Pressevertretern, die er eingeladen hat, um das Projekt "Pixel-Art" von neun Schülern mit dem Künstler Markus Heller vorzustellen.

Lässt man die Blicke schweifen, entdeckt man noch weitere Figuren in der Aula und auf den Fluren, überall dort, wo die braunen Fliesen die Wände bedecken: Ein blauer Haifisch, eine Erdbeere, ein Frosch, ein Esel, eine Kaffeetasse - alle verpixelt dargestellt. Die Schüler durften die Motive selbst vorschlagen, je nach Schwierigkeitsgrad suchte Markus Heller nach Vorlagen im Netz oder er ließ seine kleinen Künstler ganz frei aus dem Kopf einen Entwurf malen. Egal woher die Vorlage stammt, zunächst muss das Motiv auf ein gerastertes Papier gezeichnet werden. Jedes Kästchen auf dem Blatt entspricht einem bunten Quadrat aus Klebefolie. Die Folie, verrät der Künstler, "ist ganz normale Klebefolie aus dem Baumarkt". Zunächst habe er sie gemeinsam mit den Schülern in gleich große Quadrate geschnitten. Da das aber zu viel Zeit in Anspruch nahm, entschied Heller, den Zuschnitt vorab selbst zu machen. Die Vorteile des Pixel-Projekts liegen für ihn auf der Hand: "Man hat schnell ein Erfolgserlebnis", die Figuren können an einem Nachmittag fertiggestellt werden, wenn die Skizze da ist. Außerdem beschädigt die Klebefolie die braunen Fliesen nicht und sie ist nicht besonders teuer.

Markus Heller (rechts) ist bei der Gestaltung mit den Kindern dabei.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Ausgangspunkt für diese Kunstform war tatsächlich eine praktische Überlegung. "Das ist seit Jahren das Thema, Mensch, was machen wir mit den Fliesen", erläutert der Schulleiter. Die ältesten Gebäudeteile dürften knapp fünfzig Jahre alt sein, aus der Zeit stammen wohl auch die braunen Fliesen, die die untere Hälfte der Wände verbergen. Vermutlich waren sie seinerzeit als Schutz vor tobenden Kindern gedacht, die mit dreckigen Schuhen und Händen die Wände verschmutzen.

Heller ist Mitglied beim Gröbenzeller Verein Gröben-Art. Und seit mehr als einem Jahr leitet er das Projekt "Kids" der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Wie Heinz Nebl als Vertreter aus der Vorstandschaft erläutert, gibt es dieses Projekt seit etwa acht Jahren. Die Idee dahinter ist, dass ein echter Künstler mit Schülern aus der Grund- und Mittelschule innerhalb einiger Wochen ein Projekt realisiert. So lernen sie auf spielerische Weise Kunsttechniken kennen, die Kreativität wird gefördert. Die Bürgerstiftung übernimmt beim Kids-Projekt die Kosten für das Künstlerhonorar, die Schule muss lediglich das Material bezahlen.

Die Schüler gestalten eine Wand in der Türkenfelder Schule.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

"Wir haben als Schule schon Lunte gerochen", unterstreicht der Schulleiter und kündigt eine Bewerbung für das nächste Schuljahr an. Istenes war mit Hellers Start als Projektleiter auf Kids aufmerksam geworden, da dieser damals alle Schulen angeschrieben hatte. Der Schulleiter und seine Stellvertreterin Susanne Michl sind sich einig, dass sie sich auf jeden Fall für das kommende Schuljahr wieder für das Projekt bewerben wollen. Vielleicht könne man die Pixel-Art auch mit den Mittelschüler realisieren, die im ersten Stock des Gebäudes untergebracht sind, überlegt die Konrektorin.

"Das wurde von der ganzen Schule toll aufgenommen", berichtet auch Christina Purr. Die Grundschullehrerin und Leiterin der verantwortlichen AG Schulhaus-Verschönerung hat seit dem Auftauchen der bunten Figuren an den braunen Wänden schon mehrere Anfragen für weitere Mitgliedschaften in ihrer Arbeitsgruppe bekommen, sogar von den älteren Mittelschülern. Die neun, die in den vergangenen fünf Wochen die Schule mit ihren Ideen verschönert haben, sind allerdings alle aus der Grundschule, Jahrgangsstufen zwei bis vier. Mal sehen, ob und mit wem das Projekt nächstes Schuljahr fortgesetzt wird.

© SZ vom 01.02.2020
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