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Schulen:Nur ein leises Rauschen

Ludwig Sinzinger regelt das schrankgroße Gerät (hinter ihm Tina Jäger und Mirko Pötzsch).

(Foto: Stefan Salger/oh)

Brucker SPD-Politiker hoffen auf Umdenken beim Raumluftfilter

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Acht Monate sei die Sache mit den Raumluftfiltern für die Schulen der Kreisstadt buchstäblich verschlafen worden. Und wenn man nun nicht noch in die Pötte kommt, so die Botschaft von Mirko Pötzsch (SPD), setzte man auch noch die Zuschüsse aufs Spiel. Rhetorische Frage: Woran liegt's, dass Städte und Gemeinden in ganz Bayern bereits für 12 000 Klassenzimmer Födermittel beantragt haben, sich Bruck aber vornehm zurückhält? Ist das wirklich schlau? Luftfilter seien natürlich kein Ersatz fürs Stoßlüften und den Mund-Nasen-Schutz. Aber eine wirkungsvolle Ergänzung, mit der sich die Übertragung der Coronaviren bei Fortführung von Präsenz- oder Wechselunterricht eindämmen ließe. "Aber man will nicht" und vertraue lieber auf die Impfung. Das aber könne noch dauern, und einmal angeschaffte Filter würden auch gegen Mutanten und andere Viren helfen.

Mirko Pötzsch (SPD) steht am Freitagvormittag in den gähnend leeren Räumen des Ballettstudios Sinzinger neben einem dieser Luftreiniger und redet sich in Rage. Natürlich weiß er, dass sich Stadtverwaltung und Stadtspitze ebenso wenig von seiner Stimmungslage beeindrucken lassen werden wie die Mitglieder anderer Fraktionen. Eher unwahrscheinlich, dass sich der Stadtrat am Dienstag entgegen der Empfehlung der Stadtverwaltung doch noch umentscheidet und die Installation in Räumen städtischer Bildungseinrichtungen ohne Kostenschätzung befürwortet. Pötzsch wirkt ehrlich besorgt. Neben dem Ingenieur stehen seine Fraktionskollegin Tina Jäger und der Ortsvereinsvorsitzende Ludwig Sinzinger. Rückenwind hat Pötzsch durch einen erst jüngst bekannt gewordenen Brief des Gesamtelternbeirats an die Stadt bekommen, in dem ganz klar die Anschaffung der Filter gefordert wird.

Jenseits grauer Theorie will man nun erst mal belegen, dass die Geräte den Unterricht kaum stören würden. In der Tat rauscht der etwa 2,50 Meter hohe "Schrank" eher dezent. Er läuft auf der Stufe, mit der die Luft etwa sechsmal pro Stunde komplett ausgetauscht wird: 1000 Kubikmeter. Pötzsch misst 45 Dezibel. Ziemlich genau 3500 Euro würde dieses im Spätsommer angeschaffte Gerät aktuell kosten. Bis Ende März garantiert der Freistaat pro Klassenzimmer eine 50-prozentige Kostenübernahme - maximal 1750 Euro pro Raum. Sinzinger hat gute Erfahrungen gemacht, auch wenn er das Studio bereits im November schließen musste - denn auch für Räume mit solchen Filtern gibt es bislang keine Ausnahmeregelungen. Sinzinger, dessen Kinder die Grundschule Mitte besuchen, sieht freilich erste Anzeichen für eine stärkere Differenzierung. Regional und mit Blick auf die jeweiligen Bedingungen in den Klassenzimmern. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass bei einem Infektionsfall nicht mehr die ganze Klasse in Quarantäne geschickt wird, wenn Raumluftfilter vorhanden sind.

Jenseits von Corona verbessere sich die Luftqualität durchs Filtern spürbar. Denn auch Pollenflug oder im Fall sportlicher Betätigung Schweißgeruch werden sehr deutlich reduziert. Gewechselt werden müssen die Filter im ein- bis zweijährigen Turnus.

© SZ vom 20.03.2021
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