Schulprojekt:In der Gröbenzeller Löwenhöhle

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Erst waschen, dann schälen: Die Wettbewerbsgruppe Peeling-Handschuh bei ihrer Präsentation. (Foto: Johannes Simon)

Am Gymnasium stellen Schülerinnen und Schüler ihre Geschäftsideen Vertretern der Wirtschaft vor. Der Pitch läuft ab wie in der Realityshow auf Vox.

Von Matthias Weigand, Gröbenzell

Ein Kaugummi zur Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, ein verstellbarer Kleiderbügel mit Mottenschutz und ein doppelseitiger Peeling-Handschuh für Reinigung und Peeling in einem. Das sind unter anderem die Produktideen für die Gründung neuer Unternehmen der zehnten Klassen am Gymnasium Gröbenzell. Angelehnt an die Sendung "Höhle der Löwen", sind bei einem Pitch-Wettbewerb in der Aula der Schule die besten Vorschläge aus jeder Klasse gegeneinander angetreten. Zuvor haben sich die angehenden Jungunternehmer bei einem Klassenentscheid gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt. Im Verlauf der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle wurden sie von Coaches aus Handel und Gewerbe in Gröbenzell unterstützt. Um den Schulsieger zu ermitteln, will jede Gruppe mit einer Präsentation an dem Abend die Jury - bestehend aus den Coaches - von ihrem Produkt überzeugen.

Coaches und Juroren aus der Wirtschaft (von links) Regina Mühlich, Carola Ostler, Wolfgang Netschert udn Klaus-Peter Rosenthal. (Foto: Johannes Simon)

Die Idee für das kooperative Unterrichtsmodell kam vom Germeringer Arbeitskreis Schule-Wirtschaft als Reaktion auf den neuen Lehrplan für das Schulfach Wirtschaft und Recht seit der Wiedereinführung des G 9. "Das war ein genialer Move vom Kultusministerium, aber wir wollten gleich etwas Größeres daraus machen. Der Kontakt mit den Coaches gibt den Jugendlichen einen Realitätscheck zur Schule. Das Wettbewerbsformat, das man ja aus dem Fernsehen kennt, soll sie motivieren", erklärt Jürgen Biffar, Unternehmer und Vorsitzender des Arbeitskreises. Der Aufbau und die Gründung von Unternehmen sind seit Langem Bestandteil des Wirtschaftsunterrichts. Als Neuerung kam die Entwicklung eines eigenen Geschäftsmodells hinzu. Im vergangenen Schuljahr startete das Pilotprojekt an den beiden Germeringer Gymnasien. Unternehmer aus dem Ort sollen als Coaches die Zehntklässler beraten und sie durch praktische Erfahrungen für das Unternehmertum begeistern.

"Die Art und Weise wie hier Projektarbeit mit Inhalt und Kompetenzen gebündelt werden, gibt es nicht an jeder Schule. Dadurch werden auch Schlüsselkompetenzen für die Zukunft gebildet: Kooperation, Kreativität und Präsentation. Wie schaffe ich es jemanden von meiner Idee zu überzeugen?", beschreibt die Konrektorin des Gröbenzeller Gymnasiums, Eva Weingandt. Durch den Kontakt mit den Germeringer Gymnasien hat die Lehrerin Claudia Regler das Projekt auch in Gröbenzell angestoßen. Wolfgang Netschert vom Verein Selbständige in Gröbenzell hat das Unterrichtsmodell koordiniert. Er konnte für jede der sechs Klassen einen Coach gewinnen - aus dem IT-Bereich, der Solarindustrie und der Werbebranche. Seit den Weihnachtsferien arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihren ersten Unternehmen.

"Ich habe so viel mehr gelernt als durch normalen Unterricht, bei dem man nur Hefteinträge abschreibt. Was es heißt, selbständig zu arbeiten und sich Aufgaben selbst einzuteilen. Welchen Schritt ich für das Unternehmen wann mache, mussten wir ja selbst entscheiden", sagt Charlotte. Der Meinung ist auch Mitschüler Eric. "Die Coaches haben uns echt geholfen und hatten teilweise sogar ganz andere Meinungen bei Problemen als die Lehrer. Obwohl das ja absolute Experten sind, war der Kontakt immer auf Augenhöhe mit ihnen", schildert der 16-Jährige.

Die Schüler zeigten bei ihrem Unternehmens-Pitch einen professionellen Auftritt, manche erschienen im Blazer. Ihr Wissen über das Unternehmertum zeigten sie in ihren Vorträgen mit dem Verweis welche Gesellschaftsform für sie passend sei und Swot-Analysen, der Positionsbestimmung und Strategieentwicklung für ihre Produkt auf dem Markt. Daneben gingen auch betrachteten sie Finanzierungsmöglichkeiten, Standortfaktoren und Marketingmaßnahmen. Die Jury stellten danach jeder Gruppe Fragen zur genauen Umsetzung des Plans.

DIe Siegergruppe "Yourway Smoothie" besteht aus Katharina Kroner, Freda Löhning, Paula Neumaier und Sina Racnzek (Foto: Johannes Simon)

Gewonnen hat das Team von "Your Way Smoothie". Sie wollen Smoothies in München verkaufen, die aus nachhaltigen und regionalen Zutaten bestehen. Das Getränk unterscheidet sich von anderen Anbietern, weil die Kunden sich die Smoothies selbst aus den angebotenen Zutaten zusammenstellen können. Schon bevor sie den Laden betreten, können sie ihr Getränke per App in Auftrag geben.

Der Nahrungsergänzungskaugummi belegt den zweiten Platz. (Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)

Der zweite Platz ging an die "Bubble Buddies" mit ihren Kaugummis als Nahrungsergänzungsmittel. Da sich die Jury nicht auf einen dritten Platz einigen konnte, ging der an die restlichen drei Gruppen. Die Bewertungskriterien zielten dafür neben der Präsentation auch auf die Geschäftsidee ab. Diese gingen unter anderem auf die Überzeugungskraft des Produktes, der Herstellung und die Marktanalysen ein.

Doch nicht nur die Schülerinnen und Schüler haben von dem Wettbewerb profitiert. "Die Verbindung zwischen Schule und Gewerbe ist praktisch nicht vorhanden, sollte aber eigentlich viel früher anfangen. Durch den Schulwettbewerb bekommen die Jugendlichen praktische Erfahrungen und lernen potenzielle Arbeitgeber kennen. Die Gewerbetreiber können etwas an die Region zurückgeben und erhalten mal einen anderen Blickwinkel von Zehntklässlern. Sonst ist man nur in seiner eignen Branche und lernt so eine komplett neue Geschäftsidee kennen", sagt Netschert.

Der Wettbewerb soll nach den Worten von Jürgen Biffar im kommenden Jahr nicht mehr nur auf Schulebene stattfinden, sondern auf alle Gymnasien im Landkreis ausgeweitet werden.

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