Schulen in Bayern:Die Zeit der Kreidetafeln neigt sich wohl dem Ende zu

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Schulen in Bayern: Eine "klassische" Tafel im Germeringer Max-Born-Gymnasium.

Eine "klassische" Tafel im Germeringer Max-Born-Gymnasium.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In den Klassenzimmern werden im Unterricht immer häufiger digitale "Whiteboards" eingesetzt. Doch nicht jeder Lehrer will ganz auf die klassische Variante verzichten.

Von Anna Schorr

Die Kreidezeit in den Schulen im Landkreis Fürstenfeldbruck ist noch nicht ganz vorbei, neigt sich aber wohl dem Ende zu. Zwar wird weiterhin auch auf Kreidetafeln geschrieben, Digitaltafeln im Klassenzimmer sind aber mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und ersetzen zum Teil die klassischen grünen Tafeln.

Grüne und weiße Tafeln, Kreide und digitale Stifte - im Landkreis gibt es im Moment noch beide Versionen an Tafelausstattungen. In den Schulen werden sowohl Kreidetafeln als auch digitale Tafelsysteme genutzt. "Bei uns wird beides sinnvoll eingesetzt", erklärt Gundula Socher, Schulleiterin der Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck. In ihrer Schule gebe es in jedem Klassenzimmer einen Beamer, eine Dokumentenkamera und entweder eine normale Tafel oder ein Whiteboard.

Jeder Lehrer habe zudem ein Dienstgerät, das er anschließen kann. Was dann genutzt wird, hänge von der Lehrkraft und vom Fach ab. "Die Mathematiker und Physiker bei uns, die wollen und brauchen meist die Kreide", sagt der Schulleiter der Realschule Unterpfaffenhofen (RSU), Christoph Breuer. Auch in seiner Schule verfügt jedes Klassenzimmer längst über eine digitale Einheit. Wo noch Kreidetafeln an der Wand hängen, ist das zusätzlich. Die ersten Generationen der digitalen Tafeln werden bereits ausgetauscht.

"Jeder Klassenraum ist bei uns digital", sagt Philippe Raths vom Graf-Rasso-Gymnasium

Digitale Klassenzimmer sind auch im Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck, im Max-Born-Gymnasium (MBG) in Germering und im Gymnasium Puchheim Standard. "Jeder Klassenraum ist bei uns digital", sagt Philippe Raths, stellvertretender Schulleiter am Graf-Rasso-Gymnasium, "aber jedes Klassenzimmer hat auch noch eine grüne Tafel, die auch Vorteile hat". So streicht Breuer den Nutzen einer klassischen Tafel im Mathematikunterricht heraus: "Wenn die Mathelehrer mit dem Zirkel an einer Kreidetafel zeichnen, können die Schüler den Gebrauch des Zirkels nachvollziehen und lernen so durchs Beobachten. Das wäre auf einer digitalen Tafel so nicht möglich".

Am MBG und am Gymnasium Puchheim sollen Kreidetafeln dennoch bald der Vergangenheit angehören. Ein "Auslaufmodell" nennt sie MBG-Schulleiter Robert Christoph, bis zum Schuljahresende sollen alle Kreidetafeln verschwunden sein. Auch im Gymnasium Puchheim neigt sich die Kreidezeit laut Schulleiterin Monika Christoph dem Ende zu. In absehbarer Zeit werden hier alle Kreidetafeln durch digitale Varianten ersetzt.

"Wenn es nach mir geht, haben wir die grünen Tafeln so lange, wie meine Mathematiklehrer sie haben wollen", so Christoph Breuer

"Ein interaktives Whiteboard, ein Stift zum Schreiben, ein Beamer, eine Kamera und normalerweise ein PC, das wäre ein digitales Klassenzimmer", so Monika Christoph vom Puchheimer Gymnasium. Zudem könne das Tablet des Lehrers oder Schülers mit Hilfe der Technik als Quelle für eine Projektion genutzt werden. Nicht nur an den Gymnasien und Realschulen, sondern auch an den Grund- und Mittelschulen schreitet laut Stefanie Backu, der stellvertretenden Leiterin des Schulamtes, die Digitalisierung voran.

"Es gibt noch Kreidetafeln in den Schulen, es werden aber auch beispielsweise Beamer und Dokumentenkameras verwendet, sodass hier ein Übergang stattfindet." Der Schritt zum vollständig digitalen Klassenzimmer wurde an den Grundschulen in Olching schon vollzogen: Seit März sind nach der Grundschule Graßlfing nun auch die Grundschulen Olching und Esting mit einem digitalen Tafelsystem ausgestattet worden. Die Kosten für die neue Ausrüstung der beiden Schulen beliefen sich laut der Stadt Olching auf knapp 600 000 Euro.

Breuer von der RSU schreibt die klassischen Tafeln dagegen nicht ganz ab und argumentiert mit den Vorlieben seiner Lehrkräfte: "Zufriedene Mitarbeiter arbeiten am besten. Wenn es nach mir geht, haben wir die grünen Tafeln so lange, wie meine Mathematiklehrer sie haben wollen", fasst er es zusammen. "Wenn wir die Vorteile von beiden Tafelsystemen nutzen können und den Platz haben, dann machen wir das auch". Für eine gänzliche Abschaffung der grünen Tafeln sehe er keine Notwendigkeit. Die Möglichkeiten einer Digitaltafel nutzen zu können, sei aber eine sehr schöne Sache.

"Als Lehrkraft kann man mit Hilfe der Tafeln Video- und Tondateien einbinden, Links aus Unterrichtsmaterialien nutzen oder Präsentationen von Schülern der Klasse zeigen. Man ist da wirklich sehr offen". "Die Kreidetafeln haben wunderbar funktioniert, aber die neuen Oberflächen bieten mehr Funktionalität, weshalb ich dort einen Mehrwert sehe", sagt auch Christoph vom MBG.

Der Landkreis hat seit 2011 rund 2,25 Millionen Euro in circa 300 solcher Tafeln investiert

Ganz billig sind die digitalen Tafelsysteme nicht. Die Kosten für eine Digitaltafel belaufen sich laut Landratsamt Fürstenfeldbruck auf etwa 5000 Euro, hinzu kommen notwendige Elektroarbeiten von ungefähr 2500 Euro. Damit habe der Landkreis seit 2011 rund 2,25 Millionen Euro in circa 300 solcher Tafeln investiert. Aber auch Kreidetafeln kosten indirekt Geld, da Wasser für das Tafelwischen benötigt wird.

Es sei teuer, in allen Räumen Waschbecken zu installieren und die erforderlichen Leitungen zu verlegen, erklärt Monika Christoph. Dass sich jemand die alten Zeiten nur mit Kreidetafel und Overheadprojektor zurückwünscht, glaubt sie eher nicht. "Wir nutzen unsere digitalen Möglichkeiten sehr intensiv und sind froh, dass wir sie haben", sagt auch Socher. Die durch den Kreidestaub trockenen Hände vermisse er jedenfalls nicht, erklärt Breuer, und auch die Schüler freuen sich über weniger Tafeldienste.

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