Schöngeising Wenn der Berufsalltag dem Körper zusetzt

Partick Kohlmeier und seine Mutter Heidi kümmern sich in ihrem Ampertal-Gesundheitszentrum um Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.

(Foto: Privat)

Das Ampertal Gesundheitszentrum hat sich als Verein für den Reha-Sport etabliert

Von Katharina Knaut, Schöngeising

Das Bild einer schlanken junge Frau vor den Weiten eines Ozeans, die Beine in einer Yoga-Position, das Gesicht gen Himmel gewandt, das Foto von Partick Kohlmeier, ein junger Mann in einer sportlichen Trainingsjacke, Angebote wie Wellnessmassagen, Personal Training und Yoga - wirft man einen Blick auf die Webseite des Ampertal Gesundheitszentrum, denkt man eher an ein hippes Fitnessstudio. Klickt der Besucher auf den Kursbutton, bemerkt er seinen Irrtum: Grüne Kästchen mit der Aufschrift "Reha-Sport" finden sich auf dem Wochenplan. "Das bildet den größten Teil unseres Angebots", erklärt Patrick Kohlmeier.

Vor rund einem Jahr hat er mit seiner Mutter Heidi das Ampertal Gesundheitszentrum gegründet, kürzlich feierte der Verein seinen ersten Geburtstag. Er kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken: Die Zahl der Kurse hat sich verdreifacht. Dabei richten er und seine Mutter sich nach der Nachfrage. "Man merkt, dass der Bedarf da ist." Das war auch der Grund, warum er den Verein überhaupt ins Leben gerufen hat. "Ich habe öfter davon gehört, dass das gefragt ist. Deswegen habe ich mich entschieden, das Gesundheitszentrum zu gründen und Reha-Sport anzubieten." Das Training ist für Menschen gedacht, die etwa eine neue Hüfte erhalten haben. Die Gebühren werden von der Krankenkasse übernommen. Das sei ein entscheidender Punkt, so Kohlmeier. "Da lässt man sich einfach eher drauf ein."

Durch den stetigen Zulauf ist es sein Ziel, weiter zu wachsen und die Angebote zu erweitern. Bald wird es eine neue Beckenbodenstunde geben. Auch die Funktionsgymnastikkurse, die Kohlmeisers Mutter Heidi gibt, werden mittlerweile öfter angeboten. "Dabei dehnt man die Muskulatur, die im Alltag verkürzt wird", erklärt er. Das viele Sitzen im Büro führe zu einer einseitigen Belastung. Das Ergebnis: eine falsche Haltung und schwache Bauchmuskeln. "Viele Leute haben die gleichen Probleme." Dem will man mit dem Gymnastiktraining entgegenwirken, in dem man die richtige Haltung trainiert oder dagegen vorbeugende Maßnahmen ergreift. Gleichzeitig bekommt man Tipps für den Alltag, wie man im Büro einem Nackenzwicken entgegenwirken könnte. "Einfach aufstehen, die Arme lang nach vorne ausstrecken, das Kinn auf die Brust nehmen und den Trapezmuskel langziehen. So geht die Spannung aus den Schultern raus."

Viele Firmen bieten ihren Mitarbeitern inzwischen auch verstellbare Tische, erzählt Kohlmeier. "Dadurch haben die Mitarbeiter Abwechslung zum normalen Sitzen." Vor allem, wenn man seine Zeit zwischen Beruf und Familie aufteilen muss, habe man wenig Zeit für die Gesundheit. Das Bewusstsein sei vor allem bei denen vorhanden, die frisch aus dem Beruf rauskommen. Auch im Geschlecht gibt es erhebliche Unterschiede, so Kohlmeier: "Frauen sind bei dem Thema wesentlich sensibler als Männer." 70 Prozent der Reha-Teilnehmer sind weiblich. Dafür ist das Alter in den Kursen bunt gemischt. "Von 20 bis 92 Jahren ist alles dabei." Besonders beeindruckt sei er, wenn jemand über 80 noch voller Enthusiasmus bei der Gymnastikstunde mitmacht. "So großes Engagement freut mich." Das Schönste sei für ihn, wenn die Leute mit einem positiven Gesichtsausdruck aus den Kursen gehen und sich besser fühlen. Wenn Leute, die anfangs die Übungen nur halbherzig mitmachen können, am Ende bis zum Schluss durchhalten. Nur bei der kleinen Geburtstagsparty, bei der sich 50 Mitglieder gemütlich zusammengesetzt haben, hat man den Sport ausnahmsweise mal vergessen. "Da gab es Kaffee und Kuchen", meint Kohlmeier lachend.