Harte Arbeit, mangelhafte Ernährung und früher Tod: So sah das Leben der meisten Menschen einst aus. Die neue Sonderausstellung auf dem Jexhof lässt die Schattenseiten erahnen. Es handelt sich um eine Doppelausstellung: „Zefix“ und „Hofgeschichte des Jexhofes“. Auf Anregung von Toni Drexler, dem früheren Leiter des Museums und Kreisheimatpfleger, hatte der Fotograf Thomas Fiedler 2017 die Bilder angefertigt: Feldkreuze in Plastik verpackt, von Verkehrsschildern umstellt, inmitten von Mülltonnen und neben Baumstümpfen. Darunter jeweils ein Spruch von Drexler abgewandelt nach dem Muster des Rosenkranzgebetes.
Auf die Rückwand des Stadels ist das Bild eines großen Feldkreuzes projiziert, hinter dem ein Hochspannungsmast steht, darunter prangt der Satz „der Du mich elektrifiziert hast“. Daneben sind Stellwände mit Fotos und Bildtexten zur Geschichte des Jexhofes zu sehen, dazu einige Vitrinen mit Urkunden und Erklärungen, Faksimiles von Dokumenten, etwa jener ältesten bekannten Urkunde von 1433, in der der Jexhof erwähnt wird. Damals verkauften Peter Sedelmayer und seine Frau Anna Äcker und Gärten bei Mauern an den „vordern ückshof“ an einen Ulrich dem Mayr. Gezeigt werden Kaufverträge, die Erbhofrolle der Nazis von 1935 und Schwarz-Weiß-Fotos von Familie und Anwesen. Die Mechanisierung begann in den 1930er-Jahren wie ein Lanz-Bulldog dokumentiert.


Die Anfänge liegen im Ungewissen. 1564 kaufte Kloster Fürstenfeld den Hof von Münchner Bürgern, er diente als Schwaige, auf Viehhaltung und Milchwirtschaft spezialisiert, bewirtschaftet von einem Dienstboten. Unklar bleibt in der Ausstellung, wann die Klosterherrschaft endete, wann die Zisterzienser den Hof verkauften. Johann Schneider wird für 1731 als erster Bauer genannt, die Nutzung als Schwaige endete. Anno 1775 soll das heutige Wohnhaus samt Rossstall errichtet worden sein.
1862 kauften Josef und Kreszenz Riedl den Hof mit damals 88 Tagwerk, was etwa 30 Hektar entspricht. Meist lebten fünf bis acht Personen auf dem Anwesen, Familie, Knechte und Mägde. Angebaut wurden Roggen, Dinkel, Hafer und Flachs, in den 1930er-Jahren besaßen die Riedls 20 Kühe, vier Pferde, zehn Schafe, vier Schweine, 30 Hühner. Es war ein Selbstversorgerhof, zu essen gab es Brot, Mehlspeisen und Kartoffeln, selten Fleisch, nur Butter, Eier und Milch wurden verkauft.
Der frühere Leiter des Jexhofes, Reinhard Jakob, hat vor Jahren geschrieben, dass der Jexhof mit den Riedls einen Aufschwung nahm. Sie ließen Remise, Back- und Waschhaus (1891), einen Getreidestadel (1931) und ein Hühnerhaus (1939) neu bauen, dazu den Maschinenstadl (1943), einen Aufzug für das Heu, und der Hof wurde elektrifiziert. Purer Luxus war der neue Balkon am Wohnhaus nach städtischem Vorbild.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es wirtschaftlich bergab. Im August 1951 ertrank der Hoferbe Herbert Riedl, als er beim Traktorfahren in einen Weiher rutschte, einige Jahre später wurde der Hof verpachtet, die Landwirtschaft 1970 eingestellt. 1980 zog Theresa Geiger aus, die als Magd 50 Jahre auf dem Hof gelebt hatte.
Interessant ist der Stammbaum der Riedls über acht Generationen, unter Mithilfe von Dieter Hess, Archivar der Gemeinde Türkenfeld erstellt. Dieser beginnt mit Johann Riedl (1743 bis 1826) und Agatha Kramer (gestorben 1820) und endet mit den Geschwistern Hedwig und Christian Christner, der den Hof 2011 verkaufte. Die Kinder- und Säuglingssterblichkeit war hoch. Josef und Monika Riedl aus der zweiten Generation hatten zehn Kinder, von denen drei Töchter und ein Sohn im Kindesalter starben. Der überlebende Sohn Josef Riedl (1821 bis 1887) und Kreszenz Hutter (1826 bis 1873), die den Jexhof kauften, hatten zehn Kindern, von denen sieben nach wenigen Tagen und Wochen umkamen.



Insgesamt ist dem Team des Jexhofs trotz Querelen und ohne Museumsleiterin eine anregende Ausstellung gelungen, wenngleich nicht vom früheren Format unter der Leitung von Jakob und Drexler und der Gestaltung von Ruth Strähhuber. Die knappe Skizze zur Hofgeschichte könnte als Einstieg in eine intensivere Recherche genutzt werden.
Die zweite Ausstellung „Zefix“ war 2017 auf der Galerie des Landratsamtes zu sehen und anschließend in Hörbach, erzählt Drexler. Er berichtet, dass die vergrößerten Fotos auf dem Müll landen sollten, als Heinrich Widmann, der Handwerker des Jexhofs, sie einlagerte und jetzt die Idee zu einer erneuten Präsentation hatte. Hingegen betont der Pressesprecher des Landratsamtes, die Ausstellung sei im Amt „in dieser Form nicht gezeigt“ worden, man habe die Präsentation „im Bauernhofmuseum neu gestaltet“. Der Ausstellung wäre Zuspruch zu gönnen, nachdem die Zahl der Jexhof-Besucher von etwa 25 000 (2024) auf 15 000 (2025) eingebrochen ist, weil das Programm zurückgefahren wurde, was der Pressesprecher auf Ertüchtigungsmaßnahmen zurückführt.
Die Ausstellungen „Zefix“ und „Hofgeschichte des Jexhofes“ sind bis Sonntag, 30. August, dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Mehr unter jexhof.de

