Ein Blick in die Archive: SZ-Serie:Noten und noch mehr Noten

Lesezeit: 2 min

Ein Blick in die Archive: SZ-Serie: Sabine Albrecht wacht über die Schätze des Scherrerhauses, unter anderen die Notenblätter des Namensgebers.

Sabine Albrecht wacht über die Schätze des Scherrerhauses, unter anderen die Notenblätter des Namensgebers.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Gemeindearchiv Schöngeisings birgt nicht nur Geschichtliches, es ist auch in einem historischen Gebäude untergebracht.

Von Carim Soliman, Schöngeising

In Schöngeising ist schon länger etwas los. Stolz trägt ein zum Jubiläum 2013 gefertigtes Mosaik des Gemeindewappens vor dem Verwaltungssitz in Gold die Aufschrift "1250 Jahre". Bescheiden, denn Funde belegen, dass in dem Gebiet schon weit früher reger Verkehr herrschte. Mitunter wörtlich, weil sich hier vermutlich wichtige Straßen der Römer kreuzten.

Was sie hinterlassen haben, ist heute im Gebäude des Schöngeisinger Sitzungssaals ausgestellt. Die Überreste eines Holzpfahls hängen an der Wand gleich links neben dem Eingang, er wird auf das erste oder zweite Jahrhundert datiert. Zwei Vitrinen zeigen außerdem Münzen, Tonscherben und andere kleine Fundstücke aus den nachfolgenden Jahrhunderten.

Ein Blick in die Archive: SZ-Serie: Die meisten Archivstücke Schöngeisings finden auf einem Regal Platz.

Die meisten Archivstücke Schöngeisings finden auf einem Regal Platz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das offizielle Archiv der Gemeinde findet sich gleich nebenan, im Rathaus, das selbst von historischer Bedeutung ist. Das "Scherrerhaus", wo heute die Verwaltung der Gemeinde sitzt, ist nach seinem berühmten ehemaligen Bewohner benannt. Heinrich Scherrer war Musiker am Hofe des bayerischen Prinzregenten Luitpold und ein Förderer der deutschen Gitarrenmusik. Er engagierte sich in mehreren Verbänden und schrieb an Liederbüchern mit, zum Beispiel an "Der Zupfgeigenhansl", das 1911 vor dem Hintergrund der Wandervogelbewegung entstand. Die Jugendströmung verband das Musizieren mit der Begeisterung für die Natur. Scherrer kaufte das alte Bauernhaus an der Amperstraße in Schöngeising nach seiner Pensionierung im Jahre 1917 und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1937. Er ist auch heute noch allgegenwärtig in seinem ehemaligen Domizil. Im Erdgeschoss hängt ein großes Gemälde von ihm, im ersten Stock, gegenüber vom Bürgermeisterbüro, eine seiner Leiern.

Auf die größten Schätze des Archivs angesprochen, zieht Sabine Albrecht daher schnurstracks einen ganz bestimmten Karton aus einem der Regale. "Das sind originale Notenpapiere von Scherrer." Neben Tonleitern und den darauf arrangierten Noten stehen handschriftliche Notizen auf den vergilbten Papieren. Albrecht arbeitet seit 16 Jahren bei der Verwaltung, ihren genauen Titel weiß sie nicht einmal selbst. "Ich mache eben, was in Schöngeising anfällt." Dazu gehören behördliche Anliegen der Einwohnerinnen und Einwohner, die sie in ihrem Büro im Erdgeschoss gleich links neben dem Eingang empfängt, und eben die Pflege des Archivs. Jedenfalls im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sagt Albrecht. "Ich sortiere schon ein, aber eine Archivarin bin ich nicht."

Ein Blick in die Archive: SZ-Serie: Heinrich Scherrer lebte 20 Jahre in Schöngeising. Er war Musiker am Hofe des bayerischen Königs Luitpold und ein Förderer der deutschen Gitarrenmusik. Er engagierte sich in mehreren Verbänden und schrieb an Liederbüchern.

Heinrich Scherrer lebte 20 Jahre in Schöngeising. Er war Musiker am Hofe des bayerischen Königs Luitpold und ein Förderer der deutschen Gitarrenmusik. Er engagierte sich in mehreren Verbänden und schrieb an Liederbüchern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der letzte Archivar, der sich der Sammlung in Schöngeising widmete, war Harry Grünbeck. 2014 bekam er den Auftrag, das Archiv "auf Vordermann zu bringen", wie es Albrecht beschreibt. Ein großes Feld hatte er nicht zu bestellen. Kaum mehr als eine kleine Garage groß ist das Zimmer. Eines der Regale, schlicht aus Holz gefertigt, hat in etwa die Maße eines Fußballtors. Das zweite, gegenüber, ist in etwa so breit wie ein Kühlschrank. Hauptsächlich stehen dort Kisten und Ordner mit Dokumenten aus der jüngeren Gemeindegeschichte: Haushaltsprüfungen, Ratsbeschlüsse, Volkszählungen. "Vieles, was uns betrifft, steht gar nicht hier", sagt Albrecht, sondern im Archiv der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath, zu der Schöngeising gehört.

Ein Blick in die Archive: SZ-Serie: Aus dem Jahr 1886/87 stammt das "Censur-Buch" aus der "Deutschen Werktagsschule" in Schöngeising.

Aus dem Jahr 1886/87 stammt das "Censur-Buch" aus der "Deutschen Werktagsschule" in Schöngeising.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nach kurzer Überlegung fällt Sabine Albrecht aber doch noch etwas Besonderes ein, das sie präsentieren kann: noch mehr Noten. Nicht für Instrumente, wie die von Scherrer, sondern Schulnoten. Bevor die Verwaltung ins Scherrerhaus zog, war sie in der ehemaligen "Deutschen Werktagsschule" untergebracht. Von ihr hat sie "Censur-Bücher" geerbt, in die am Ende des Schuljahres alle Noten eingetragen wurden. Ein Exemplar stammt aus dem Jahr 1886/87. Aus Datenschutzgründen will Albrecht die Namen der Benoteten auch heute noch, fast 150 Jahre später, lieber nicht fotografieren lassen. Aber sie versichert: "Es stehen nur gute Noten drin, Schöngeisinger sind alle gut in der Schule."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema