Schmerzmittel-Pflaster:Tödliche Ersatzdroge

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In Germering stirbt ein 30-Jähriger am Missbrauch von Fentanyl. Er ist bereits das dritte Opfer in der Region.

Wolfgang Krause

Am Missbrauch des Schmerzmittels Fentanyl sind in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau in diesem Jahr bereits drei Menschen gestorben. Jüngstes Opfer ist ein 30-Jähriger, der tot in der elterlichen Wohnung in Germering gefunden wurde. Er hatte nach den Ermittlungen der Polizei ein Pflaster mit Fentanyl geschluckt.

Das synthetische Opioid Fentanyl ist ein starkes Schmerzmittel, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Der Wirkstoff, der vor allem in Schmerzpflastern enthalten ist, kann einen Atemstillstand auslösen. Gleichwohl hat Fentanyl in den vergangenen Jahren als Ausweichmittel für Drogenabhängige stark an Bedeutung zugenommen. Diese kochen die Pflaster aus oder kauen sie.

Auch der 30 Jahre alte Germeringer war der Polizei als Konsument harter Drogen bekannt. Eine Angehörige fand ihn laut Polizei bereits am Donnerstag leblos in seinem Zimmer und rief den Notarzt, der aber nur noch den Tod feststellen konnte. Bei einer Obduktion wurden am Freitag Rückstände eines Fentanylpflasters im Rachen des Toten nachgewiesen.

Der 30-Jährige aus Germering ist bereits der dritte Drogenkonsument, der in diesem Jahr im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck nach dem Missbrauch des Schmerzmittels von Fentanyl gestorben ist. Bereits Anfang April bezahlte ein 45-Jähriger in Germering den Konsum der Ersatzdroge mit dem Leben. Anfang Mai wurde in Dachau ein 23-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden, der den Wirkstoff aus einem Pflaster extrahiert und sich gespritzt hatte.

In den anderen beiden Kriminalpolizeiinspektionen des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord sind keine Fälle bekannt. Ein Polizeisprecher schloss deshalb nicht aus, dass es einen Zusammenhang geben könnte und sich die Opfer gekannt haben. Insgesamt gab es in den von der Brucker Kripo betreuten Landkreisen Fürstenfeldbruck, Dachau, Starnberg und Landsberg heuer bisher fünf Drogentote. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei in den vier Landkreisen insgesamt nur zwei Drogentote.

Von dem hohen Anteil der Häufung der Fentanyl-Konsumenten an den Drogentoten in der Region zeigte sich am Montag auch Wolfgang Rieger überrascht. Rieger ist Leiter der Brucker Caritas-Fachambulanz für Suchterkrankungen. Für hiesige Verhältnisse sei das eine "hohe Relation", sagte er. Die Schmerzpflaster sind für ihn allerdings kein neues Thema: Bereits seit Jahren gibt es laut Rieger im Freistaat eine hohe Anzahl von Fentanyl-Opfern.

Das Fürstenfeldbrucker Gesundheitsamt hat deshalb schon im vergangenen Jahr Altenheime, Krankenhäuser, Ärzte und Patienten, die auf den Wirkstoff angewiesen sind, auf den sachgerechten Umgang mit gebrauchten Pflastern aufmerksam gemacht. Diese enthalten nämlich auch nach der Anwendung noch beträchtliche Mengen des Wirkstoffes. Daher sollten sie auf eine Weise entsorgt werden, die verhindert, dass Drogenabhängige die Pflaster noch einmal verwenden können.

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