Schießplatz:Bürgerinitiative übt heftige Kritik am Landrat

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Seit 1. März hat die Schießanlage in Hattenhofen wieder geöffnet. Die Bürgerinitiative wendet sich mit einem offenen Brief an das Landratsamt und den Ministerpräsidenten. (Foto: Leonhard Simon)

Schießanlage in Hattenhofen: Anwohner werfen in einem offenen Brief der Kreisbehörde Untätigkeit vor.

Von Karl-Wilhelm Götte , Hattenhofen

In Hattenhofen wird wieder geschossen. Nachdem das Verwaltungsgericht München die Zwangsgeldbescheide gegen den Betreiber des Schießplatzes in der Gemeinde im Dezember für rechtlich unhaltbar erklärt hat, wendet sich die Bürgerinitiative nun mit einem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder und den Brucker Landrat Thomas Karmasin. "Der Schießbetrieb ist seit 1. März wieder voll eröffnet und ein Aufenthalt im Freien, in unseren eigenen Gärten, wird wieder zur Tortur", schreibt die BI. Dann folgt massive Kritik am "Versagen des Landratsamtes", wie es die Briefschreiber sehen: "Wir Anwohner werden nicht nur vom Schießplatz vorgeführt, auch die für den Immissionsschutz zuständige Behörde ignoriert weiter die Beschwerde führenden Anwohner."

Die BI schildert den Adressaten ihres Briefes, dass sich die Anwohner von Mammendorf, Peretshofen, Loitershofen und Hattenhofen schon seit drei Jahren mit "unerträglichen Lärm des Schießplatzes" konfrontiert sehen, weil am "Jagdparcours Oberbayern" nach mehreren Messungen täglich mehr als 8000 Schuss aus Schrotflinten auf Tontauben verfeuert werden. "Der Lärm ist nicht nur schlicht unerträglich, er gefährdet auch unsere Gesundheit", schreiben die 21 Unterzeichners. Gegen die Bescheide des Landratsamtes, die Schussanzahl auf 2200 Schuss am Tag zu begrenzen, legte der Betreiber Rechtsmittel ein. Ebenso gegen die Verhängung von Zwangsgeldern in einer Gesamthöhe von 59 000 Euro.

Das Verwaltungsgericht gab dem Betreiber wegen formaler Fehler der Kreisbehörde Recht

Das Verwaltungsgericht gab ihm Recht, weil es in den Bescheiden des Landratsamtes formale Fehler ausmachte, inklusive einer falschen Adressierung der Bescheide der Behörde. Diese zog ihre Bescheide daraufhin vor Gericht zurück.

Das Verwaltungsgericht machte aber auch klar, dass der Schießbetrieb begrenzt werden müsse, um ein Nebeneinander von Schießplatz und Anwohnern zu ermöglichen. Seine Empfehlung an das Landratsamts in der Winterpause des Schießplatzes "eine neue Regelung zum Nachbarschaftsschutz zu erlassen, die keine Formfehler enthält", so die Bürgerinitiative, werde von der Behörde nicht umgesetzt. "Passiert ist nichts", lautet die ernüchternde Feststellung der BI.

"Wir Anwohner wandten uns in Mails und in anwaltlichen Schreiben an die Behörde, doch die fiel wieder in Paralyse." So schildern die Anwohner ihre enttäuschende Erfahrung. Das Landratsamt habe empfohlen, die Anwohner sollten doch besser selbst eine Übereinkunft mit dem Betreiber suchen. "Das ist nach allen Erfahrungen mit dem Betreiber völlig unsinnig", erklärt die BI. Habe doch dieser eine Übereinkunft immer wieder blockiert. Es fehle eine Perspektive, was das Landratsamt zu tun gedenke, oder wann neue Maßnahmen folgen würden. "Weiterhin werden die eingereichten Beschwerden wegen Überziehung der Öffnungszeiten, die durch Schießen bei Dunkelheit im Übrigen sogar die Sicherheit auf dem Platz gefährden, ignoriert", heißt es. "Darf sich so eine Verwaltung verhalten? Halten Sie es für richtig, sich andauernd taub zu stellen?", fragen die Briefschreiber Söder und Karmasin.

Auch Jäger distanzieren sich vom "zügellosen Schießbetrieb"

Die BI weist darauf hin, dass die Schießanlage Hattenhofen "mitnichten nur den Belangen der Jäger" diene, die dort ihre Lizenz verlängern. "Vor allem sind es Sportschützen, denen es egal ist, ob sich die Anwohner am Lärm stören, selbst tragen sie ja entsprechenden Gehörschutz." Es gebe auch Jäger, die sich vom zügellosen Schießbetrieb auf dem Gelände des Jagdparcours distanzierten. "Das exzessive Dauerfeuer, das die rücksichtslose Profitgier des Betreibers bedient, ist eine maßlose und aberwitzige Belastung für uns Anwohner", schreibt die BI. Sie fordert Söder und Karmasin auf, sich davon vor Ort zu überzeugen. Bisher habe das lediglich der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi getan.

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