bedeckt München 26°

Schaulaufen:Eislauflehrerinnen mit viel Erfahrung

Pas de deux: Beim Training fürs Schaulaufen im Fürstenfeldbrucker Eisstadion zeigen (von links) Annette Kahl und Yvette Neumann, was sie an Sprüngen und Drehungen noch drauf haben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Annette Kahl und Yvette Neumann üben mit den jungen Vereinsmitgliedern für den Auftritt des Eis- und Rollsportclubs. Zu großen Sprüngen und Drehungen setzen die beiden Trainerinnen selbst allerdings nur noch selten an

Mit enormer Geschwindigkeit rotiert die rückwärtsfahrende Menschenkette im Eisstadion Fürstenfeldbruck. Bei jeder vollendeten Umdrehung hängt sich an beide Enden der Reihe ein neuer Läufer. Für die Neuankömmlinge folgt zuerst ein Dreier, eine 180-Grad- Drehung auf einem Bein, durch welche es möglich ist, elegant vom Vorwärts- aufs Rückwärtsfahren zu wechseln. Durch anschließende Übersetzer sind die neuen Läufer auf der selben Geschwindigkeit wie das weiter rotierende "Rad" und können nahtlos andocken. Das Element ist Teil der Finalnummer, des Schaulaufens des Eis- und Rollsportclubs Fürstenfeldbruck (ERCF) am kommenden Samstag.

Die beiden Läuferinnen, die jetzt heranfahren sind als Trainerinnen aktiv. Seit mehr als 47 Jahren sind Annette Kahl und Yvette Neumann Mitglieder im ERCF. An Auftritten nehmen sie nur noch selten als Läuferinnen teil: "Wir sind schon so viele Küren gelaufen, jetzt ist es Zeit für die Jungen", sagt Neumann. Aber bei manchen Gelegenheiten überwiegt dann doch der Reiz mitzumachen. Durch mangelndes Training fehlt die Kondition, und die Rotation sei einfach ungewohnt, sagen sie. Aber "an sich ist Eiskunstlaufen wie Radfahren. Das verlernst du nie", erklärt Neumann.

Eiskunstlaufsprünge, Elemente die den Eiskunstlauf vom klassischen Eistanz unterscheiden, machen für Kahl besonders die Faszination dieses Sportes aus. Sie springe mühelos die Einfachsprünge, wie Toeloop, Rittberger und Salchow - alles 360-Grad-Drehungen in der Luft, abgesprungen von verschieden Kanten und Beinen. Letztens habe sie im Trockenen sogar mal wieder einen Axel - eine eineinhalbfache Drehung - probiert, sagt sie. Sie sehe ja die ganze Zeit "ihre Kleinen", wie sie die Sprünge üben und dann überwiege der Reiz, es selbst auszuprobieren. Sie ist aber viel vorsichtiger als früher: "Ich bin einfach so oft hingefallen. Ich weiß, wie weh das tut."

Als die Proben zur Finalnummer beendet sind, nehmen die beiden Trainerinnen schnell wieder ihre angestammten Plätze am Rand ein und überlassen den Kürläufern das Eis. Kahl trainiert meistens die Eisläufer und die Figurenläufergruppen. Diese liegen mit ihrem Können und den beherrschten Techniken hinter den Klassenläufern, welche von Neumann trainiert werden. Unter Neumanns festem Blick beginnt die erste Läuferin ihre Einzelkür. Die Trainerin verschränkt ihre Arme vor der Brust und beobachtet genau jede Bewegung. Leise murmelt sie: "Mal schauen, ob sie jetzt endlich das macht, was ich ihr gesagt habe." Die Rede ist von einer Position, in der ein imaginärer Bumerang mit Leidenschaft in die Luft geschleudert werden soll. Dass ist es, auf was Neumann bei jeder Kür achtet: "Die Handhaltung und der Rhythmus sind wichtig, aber vor allem schaue ich auf die Leidenschaft. Die sieht man, wenn die Läufer eins werden mit der Musik." Oft beobachtet sie diese bei "ihren Großen", die sich ihre Küren alleine zusammengestellt haben - von Musikauswahl über Kostüm bis hin zur Choreografie und den Elementen.

Von klein auf haben die beiden Trainerinnen ihre Läufer beim Erwachsenwerden begleitet. Das Tollste am Trainieren sei, wenn die Eisläufer die Freude behielten und langjährige Mitglieder im Verein blieben, sagt Neumann. Manche arbeiten selbst als Trainer und geben so wieder etwas an den Verein zurück. Neumann: "Das macht mich schon stolz." Wegen diesem Gefühl macht es den beiden auch nichts aus, bis zu fünf Wochenstunden bei fast jeder Wetterlage im Eisstadion zu sein. Die beiden helfen einfach immer da, "wo's brennt", damit sie so vielen Läufern wie möglich diese Leidenschaft weitergeben können. Vor allem im Winter sei es einfach ein perfekter Ausgleich zur Schule da man so viel draußen sei, sagt Kahl. Die beiden Frauen verbindet auch neben dem Eis eine langjährige Freundschaft. Einander wegdenken ginge da nicht mehr, so viele Küren seien sie schon zusammen gelaufen. "Das Eislaufen und alles, was dazugehört, ist einfach ein Teil unseres Lebens. Ohne dies wären wir nicht die, wir heute sind", sagt Kahl.

"Reise um die Welt", Schaulaufen des ERCF, Samstag, 23. Februar, Eisstadion Fürstenfeldbruck, Klosterstraße 7, Beginn 18 Uhr, Einlass 17.30 Uhr.