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Sanierung zu teuer:Fürstenfeldbruck gibt Offizierschule verloren

Das Gebäude der Offizierschule muss dringend saniert werden - doch das wird teuer. Zu teuer, glaubt der OB von Fürstenfeldbruck und rechnet damit, dass die Kaderschmiede der Luftwaffe wohl nicht zu halten sein wird. Nun hofft die Stadt, dass die Kaserne wenigstens nicht komplett geschlossen wird.

Gerhard Eisenkolb

Oberbürgermeister Sepp Kellerer rechnet damit, dass Fürstenfeldbruck die Offizierschule der Bundeswehr verliert. "Die Schule wird wohl nicht zu halten sein", sagte der CSU-Politiker am Tag vor der Bekanntgabe der Standortschließungen durch Verteidigungsminister Thomas de Maizière an diesem Mittwoch. Kellerer ist aber zuversichtlich, dass die Kaserne nicht komplett geschlossen wird.

Bruck: Fliegerhorst Fürsty Verabschiedung 101. Offizierslehrgang

"Ich will" lautet der Leitspruch der Offizierschule, in der in Bruck seit 1977 angehende Luftwaffenoffiziere ausgebildet und erzogen werden. Das Bild entstand beim Abschied des 101. Offizierlehrgangs. Nun wird befürchtet, dass die Kreisstadt bald ganz von der Schule Abschied nehmen muss.

(Foto: Johannes Simon)

Die Kaderschmiede der Luftwaffe ist die wichtigste Einrichtung im Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst. An der Brucker Alma Mater werden Offiziere nach ihrer Ausbildung regelmäßig fort- und weitergebildet, zudem finden dort regelmäßig Tagungen für die gesamte Bundeswehr statt. Die Zahl der Lehrgangsteilnehmer liegt jährlich bei rund 4000, täglich sind es im Durchschnitt etwa 1000 Soldaten, die in Bruck geschult werden. In einem Kalenderjahr finden rund 100 verschiedene Lehrgänge statt. Das Stammpersonal umfasst insgesamt 530 Soldaten und Zivilisten. In den zehn Einheiten, die samt Offizierschule am Fliegerhorst stationiert sind, arbeiten insgesamt rund 3000 Soldaten und Zivilisten.

Dass die Offizierschule geschlossen werden dürfte, begründete das Fürstenfeldbrucker Stadtoberhaupt mit dem hohen Investitionsbedarf für die Sanierung des Gebäudes. Die Offizierschule hatte 1977 einen Neubau in Fürstenfeldbruck bezogen, der nach offizieller Schätzung der Bundeswehr für 60 bis 80 Millionen Euro saniert oder abgerissen werden müsste. Es kursieren aber auch weit höhere Summen, von mehr als 100 Millionen Euro ist die Rede. Dafür gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung.

Die Fürstenfeldbrucker Wahlkreisabgeordnete und Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, hatte im Sommer einen Sanierungsbedarf von rund 100 Millionen Euro für den gesamten Fliegerhorst genannt und damit das Hauptargument für die Befürchtungen geliefert, die Tage der Offizierschule in Bruck könnten gezählt sein. Hasselfeldt hatte aber auch angekündigt, sie wolle für den Verbleib des Ausbildungszentrums der Luftwaffe kämpfen. Kellerers Einschätzung teilen auch andere Politiker im Landkreis, die aber dem Minister nicht vorgreifen wollen. In der Kaserne hofft man noch, dass es für den Verlust der zentralen Ausbildungsstätte für den gesamten Offiziersnachwuchs der Luftwaffe eine Entschädigung geben könnte.

Der Maisacher Gemeinderat hatte sich bereits vor einigen Wochen in nichtöffentlicher Sitzung mit der Frage beschäftigt, welche Folgen die Schließung der Brucker Kaserne für die Kommune haben könnte. Immerhin überplant die Gemeinde zurzeit das rund 250 Hektar große ehemalige Militärflugfeld. Nach Informationen der SZ kam der Gemeinderat zu dem Ergebnis, dass eine Schließung oder Teilschließung der Kaserne die Planungen der Gemeinde nicht tangieren werde.

Das Areal mit rund 220 Hektar, die der Fliegerhorst nach der Abtrennung des Flugfeldes noch umfasst, liegt im Bereich von Fürstenfeldbruck. Damit hat die Stadt bei der Überplanung von eventuell frei werdenden Teilen der Kaserne ein gewichtiges Wort mitzureden. Überlegungen dazu, was mit den Flächen geschehen könnte, die die Bundeswehr möglicherweise nicht mehr benötigt, gibt es bisher noch nicht.

© SZ vom 26.10.2011/tob
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