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Sanierung:Schulmäßiger Bau

Ein Rundgang durch den Schulkomplex an der Wittelsbacher Straße in Germering zeigt, welche Anforderungen heutzutage an ein Unterrichtsgebäude gestellt und wie sie erfüllt werden. Neben dem sanierten besteht allerdings noch ein unrenovierter Teil

Von Andreas Ostermeier, Germering

Es ist das teuerste Projekt der Stadt Germering: die Erweiterung und Sanierung der Wittelsbacher Mittelschule und der Theresen-Grundschule. Mehr als 38 Millionen Euro soll das kosten. Eine Menge Geld, doch für diese Summe bekommt die Stadt auch einen großen, innen hellen und großzügigen Schulkomplex auf dem neuesten Stand der Technik. Zwei Beispiele sollen das deutlich machen: Die beiden neuen Turnhallen sind zu dem zwischen ihnen angelegten Durchgang hin nicht mit Stein- oder Holzwänden abgegrenzt, sondern mit dicken Glasscheiben. Das bringt viel Licht in die Räume - aber ist das nicht gefährlich, wenn Sport treibende Kinder und Jugendliche gegen eine Scheibe prallen? Architekt Peter Oppenheimer zerstreute beim Rundgang durch das Gebäude solche Zweifel. Die Glasscheiben sind seinen Worten nach so aufgehängt, dass sie bei einem Aufprall nachgeben.

Neu und Alt liegen nahe beieinander: Blick aus dem Gebäude.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Keller des Gebäudes befinden sich die gewaltigen Rohre der Lüftungsanlage. Sie versorgt die Schulräume ständig mit frischer Luft. Um die Leistung der Anlage durch das Öffnen von Fenstern zu erreichen, sagte Germerings Stadtbaurat Jürgen Thum, müssten die Fenster in sämtlichen Räumen alle 20 Minuten für den Durchzug geöffnet werden - in der kalten Jahreszeit ist daran nicht zu denken. So aber verfügt die neue Schule über Räume, die auch in Corona-Zeiten ohne Bedenken genutzt werden könnten, sagte Architekt Oppenheimer.

In einer der Turnhallen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Schulleiter Walter Braun zeigte auf dem Rundgang auch offen seine Freude über die neue Schule. Der Gebäudeteil entlang der Wittelsbacher Straße ist bereits fertiggestellt. Später soll in diesem Teil des Komplexes die Mittagsbetreuung untergebracht werden, momentan dienen die neuen Klassenzimmer den Mittelschülern als Unterrichtsräume, denn ihr Gebäude, die Wittelsbacher Mittelschule, muss noch saniert werden. Weil das zweite Schulhaus noch nicht nutzbar ist, muss improvisiert werden. So befindet sich die offene Ganztagsschule derzeit in einem abtrennbaren Teil der zweiten Turnhalle. Unter Basketballkörben stehen Tische und Stühle, damit Schüler in dem Raum Hausaufgaben machen können.

Die Mittelschul-Baustelle.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ganz anders sieht es in dem Gebäudeteil aus, der noch saniert werden muss. Das zeigte der weitere Rundgang durch den Schulkomplex. Während der bereits sanierte Teil in frischen Farben - weiß, gelb und orangefarben - glänzt, die Räume eingerichtet und in Betrieb sind, gibt es dort offene Wände, Durchbrüche, ein herausgerissenes Treppenhaus und zerstückelte Bodenbeläge. Laut Oppenheimer fehlt dem Gebäude eine Bodenplatte, vielmehr wurde der Estrich in mehr oder weniger dicken Schichten auf dem Erdboden aufgetragen. Nun muss er mühsam entfernt werden. In vielen Zimmern liegen zudem große Säcke mit Bauschutt - die Wittelsbacher Schule ist momentan zur Gänze eine Baustelle.

Oppenheimers Ausführungen ließen erkennen, wie ein Teil der Kostensteigerungen bei Schulprojekten wie dem in Germering zustande kommt. Auch im früheren Zustand habe das Schulhaus eine Lüftungsanlage gehabt, berichtete der Architekt. Die Rohre der Anlage bestanden aus einem asbesthaltigen Material. Dieses wird bei Sanierungen entfernt, schließlich sollen neue oder wieder hergerichtete Gebäude möglichst ohne Schadstoffe auskommen. Die Entfernung von asbesthaltigen Materialien kostet allerdings zusätzlich Geld, allein schon wegen der Auflagen, die für die Entsorgung derartiger Stoffe gelten. Außerdem hat das Entfernen der Rohre auch Lücken und Löcher an den Wänden hinterlassen, die wieder gefüllt werden müssen. Weitere Kosten werden auch durch die Rippendecken entstehen. Die müssen gefüllt werden, überdies bereiten sie dem Statiker zusätzliche Arbeit. Die Bauarbeiten in diesem Teil des Schulkomplexes werden sich noch einige Zeit hinziehen. Oppenheimer rechnet damit, dass in der Mittelschule von Herbst 2022 an unterrichtet werden kann. Oberbürgermeister Andreas Haas zeigte sich nach dem Rundgang angetan, und auch Eltern und Schüler hätten sich über den schon sanierten Teil der Schule positiv geäußert, sagte Schulleiter Braun.

© SZ vom 16.10.2020
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