Sanierung des Sportclubs Kostenexplosion beim SV Puchheim

Das bisherige Gebäude wird seit 30 Jahren genutzt, eine Sanierung ist dringend notwendig. Das hat der Gemeinderat bereits 2016 beschlossen.

(Foto: Günther Reger)

Der Umbau des Vereinsheims soll siebenmal so viel kosten wie geplant. Schuld daran sind der Bauboom in der Region und die jahrelangen Verzögerungen

Von Peter Bierl, Puchheim

Der Preis für den Umbau des Vereinsheims des SV Puchheim hat sich in nur drei Jahren mehr als versiebenfacht. 2016 hatte der Stadtrat etwa 200 000 Euro genehmigt, am Dienstag muss das Gremium nun über mehr als 1,48 Millionen Euro befinden. Der Ausschuss für städtische Bauten hat das Projekt unlängst einstimmig befürwortet. Zwei wesentliche Kostentreiber sind der Bauboom im Raum München und die Honorare für Planer.

Der SV Puchheim ist ein kleiner Sportclub mit etwa 500 Mitgliedern im Altdorf. Sanierung und Umbau des Vereinsheims sind längst überfällig. Das kleine Haus hat eine Fläche von 64 Quadratmetern mit zwei Umkleiden und Toiletten. Nicht einmal der Schiedsrichter hat eine separate Dusche zur Verfügung. Ein Umbau des Gebäudes, das seit fast 30 Jahren genutzt wird, stand deshalb außer Frage, als der Stadtrat im Frühjahr 2016 beschloss, dafür 200 000 Euro locker zu machen. Als das Gremium vor einem Jahr die endgültige Genehmigung erteilt hatte, waren die Kosten bereits auf etwa 825 000 Euro gestiegen, allerdings nun einschließlich einer Sanierung der Toiletten sowie dem Bau eines Lagerschuppens, den die Sportler zum Teil in Eigenregie errichten werden. Das Gebäude soll zweistöckig werden mit vier Umkleiden plus Duschen, separatem Schiedsrichter-Bereich und einem Büro, insgesamt werden es 110 Quadratmeter Nutzfläche.

Was den Preis enorm in die Höhe jagt, ist der anhaltende Bauboom in der Region, jedes Quartal kostet bares Geld. Von der 1,48 Millionen sind deshalb fast 300 000 als Puffer eingeplant. Die Verzögerung ergibt sich auch daraus, dass so ein Projekt vorbereitet und geplant werden will. Zudem war die Personaldecke im Rathaus knapp und die Bauabteilung wurde in den vergangenen Jahren aufgestockt.

Ursprünglich sollte ein Generalunternehmer den Bau übernehmen, aber die Regierung riet ab und empfahl eine Ausschreibung der einzelnen Gewerke, auch um den Mittelstand zu fördern, erklärt Roland Schützeneder, Sachgebietsleiter Hochbau im Rathaus, der SZ. Im Ergebnis verursachen allein die Baunebenkosten mit Honoraren für Planer sowie die Untersuchung des Baugrundes und nach Schadstoffen erneut Mehrkosten von 110 000 Euro. Die Lüftung wird größer dimensioniert und bekommt eine Wärmerückgewinnung (80 000 Euro), auf das Dach wird eine Solaranlage montiert (45 000) sowie außen neue Rigolen für den Abfluss des Regenwassers gebaut (15 000). Der alte Dachstuhl muss abgebaut und das mit Rückständen belastet Holz fachgerecht entsorgt werden (25 000). Komplett vergessen hatte man in der Planung den Schutz vor Blitzeinschlägen, berichtet Schützeneder. Das schlägt mit weiteren 20 000 Euro zu Buche.

Der Vereinsvorsitzende Peter Hahn beteuerte, dass die Sportler insoweit in die Planung einbezogen waren, als sie ihren Bedarf anmeldeten, allerdings nur das Minimum. Ansonsten ist der SV Puchheim lediglich Pächter, Eigentümer und Bauherr ist die Kommune. Der Verein unterhält einen Fußballbetrieb mit zwei Herren- und etlichen Jugendteams. Die Heimspiele in diesem Frühjahr wurden nach auswärts verlegt, weil der Umbau schon beginnen sollte. Sämtliche Spiele der Hinrunde wurden im Herbst in Puchheim ausgetragen.

Der zweite Bürgermeister, Rainer Zöller (CSU), der momentan die Amtsgeschäfte führt, sagte der SZ, er habe für die enorme Kostensteigerung kein Verständnis. Die Sportreferentin Marga Wiesner (SPD) betont aber, dass man das Vorhaben nicht stoppen könne: "Das ist kein Luxusbau, sondern alles notwendig." Das Vereinsheim sei einfach zu klein und zu alt.