Saatkrähen:Die Natur zu lenken, geht nur mit ihr

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Saatkrähen: Saatkrähen sind intelligente, soziale Wesen. Und sie machen Lärm und Dreck. Da sie sich in den letzten 10, 15 Jahren zunehmend in Städten und Dörfern ansiedeln, versucht der Mensch nun, ihre Brutplätze an möglichst konfliktarme Stellen zu lenken. Im Landkreis ist das der Friedhof und das Schopflach-Wäldchen in Puchheim sowie in Olching die Amperauen um den Volksfestplatz herum.

Saatkrähen sind intelligente, soziale Wesen. Und sie machen Lärm und Dreck. Da sie sich in den letzten 10, 15 Jahren zunehmend in Städten und Dörfern ansiedeln, versucht der Mensch nun, ihre Brutplätze an möglichst konfliktarme Stellen zu lenken. Im Landkreis ist das der Friedhof und das Schopflach-Wäldchen in Puchheim sowie in Olching die Amperauen um den Volksfestplatz herum.

(Foto: Günther Reger)

Nach einer Dekade als Einzelkämpfer, ist es klug, wenn sich die Kommunen beim Vergrämen der Saatkrähen zusammentun. Auch wenn das für einige Puchheimer bedeutet, dass sie mit den Vögeln leben werden müssen.

Kommentar von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Für die in unmittelbarer Nähe der Krähenkolonie in Puchheim lebenden Menschen mag es sich jetzt so anfühlen, als wären sie die Verlierer im Kampf um eine sie über die Maßen belastenden Nachbarschaft. Seit Jahren beklagen die Anwohner rund um den Friedhof sowie dem angrenzenden Schopflachwäldchen den Lärm und Dreck, den die in ihrer Nähe brütenden Saatkrähen verursachen. Etliche Versuche hat die Stadt Puchheim bereits unternommen, um die Natur in ihre Schranken zu weisen und den Menschen Ruhe und Frieden zu verschaffen. Für viel Steuergeld wurden Lärmklatschen, Luftballons und Netzen eingesetzt, um die intelligenten Tiere zu verscheuchen. Es wurden Nester zerstört, Eier entnommen, als akustische Abschreckung Birdguards errichtet und in letzter Zeit ein Wüstenbussard engagiert.

Enorm ist der Aufwand an Zeit, Geld und Fachwissen, um einen Teil der Natur wieder ein Stück weit von der Zivilisation zu trennen. Der Nutzen indes bleibt über die Jahre weit hinter dem Aufwand zurück: Die Zahl der Saatkrähen selbst und ihrer Kolonien ist alles andere als gesunken. Wurden 2008, als die Saatkrähen erstmals westlich von München auftauchten, 28 Brutpaare gezählt, waren es 13 Jahre später trotz der vielen Gegenbemühungen etwa 1000. Experten hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die meisten Vergrämungsmaßnahmen wenig zielführend seien. Und dass sie zu einem sprunghaften Anstieg der Reproduktionsrate sowie zu Splitterkolonien führen. Die Entwicklung im Landkreis untermauert die These. Hier haben sich die Saatkrähen von Puchheim aus über Eichenau, Germering, Maisach und Olching angesiedelt.

Zweifellos verursachen die gerne in großen Kolonien lebenden Rabenvögel Lärm und Dreck; sie kosten die Menschen Nerven und Lebensqualität. Das Bestreben der Politik, die Natur in den Griff zu bekommen und etwas auf Abstand zu halten, ist also nachvollziehbar. Dass das nur gemeinsam gehen kann - sowohl mit den Nachbarkommunen als auch mit den Saatkrähen, die sich nun einmal nicht gänzlich vertreiben lassen werden - ist ein Schritt in die richtige Richtung. Den unmittelbar betroffenen Puchheimern mag das ungerecht erscheinen. Aber das gemeinsame Vorgehen der Kommunen scheint, das sagen auch Fachleute, der einzig erfolgversprechende Weg. Und dazu gehören nun einmal die Tabubereiche für die Saatkrähen.

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