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S-Bahn München:Ankündigungen, Versprechen und Verzögerungen

Der S 4-Ausbau wird dem zweiten Tunnel geopfert, rügt Pro Bahn. Die Machbarkeitsstudie zur Viergleisigkeit verzögert sich

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Der Protest von Umwelt- und Verkehrsverbänden gegen einen rudimentären dreigleisigen Ausbau der S 4 bis Eichenau, dem sich die Parteien anschlossen, selbst die CSU im Kommunalwahlkampf, bewog den damaligen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) eine Machbarkeitsstudie über vier Gleise anzukündigen. Die Landtagsabgeordneten von CSU und FW verkündeten die Botschaft, als wäre damit ein viertes Gleis schon gesichert. Bis zum Jahresende 2020 sollte das Papier vorliegen, kam aber nicht. Der Minister hatte bis dahin längst in ein anderes Amt gewechselt.

Aufgrund der Komplexität der Untersuchungen verzögere sich die Vorlage auf Anfang 2021, beschied ein Sprecher des Ministeriums der SZ im Dezember auf Nachfrage. Der Termin wurde wieder nicht eingehalten. Stattdessen lautete die Auskunft nun: Die Arbeiten befänden sich "in der Finalisierung". Eine Information über die Ergebnisse der Studie "können für das zweite Quartal 2021 erwartet werden".

Diese Verzögerung ist symptomatisch für das Gesamtprojekt des Ausbaus der S 4, das die bayerische Staatsregierung seit Jahrzehnten verspricht. Äußerst kühn hatt Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) 2004 schon die Eröffnung eines viergleisigen Ausbaus bis Buchenau für 2009 angekündigt. Andreas Barth, der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn Oberbayern, erinnert daran, dass vor 20 Jahren bekannt wurde, dass Wiesheu die Planung eines S-Bahn-Südrings als zweite S-Bahn-Stammstrecke in München einstellte. Statt dessen soll ein neuer Tunnel durch das Stadtzentrum gebaut werden. Bis heute konnten Freistaat und Deutsche Bahn keine genehmigungsfähige Planung für die gesamte Strecke vorlegen, betont Barth. Eröffnet werden sollte das Mammutprojekt anno 2015. Barth erinnert daran, dass die Kosten auf mehrere Milliarden Euro explodiert seien, "ein Ende ist nicht in Sicht". Die direkte Anbindung nach Giesing ist längst gestrichen. Die Anzahl der Haltestellen wurde zusammengekürzt. Probleme beim Brandschutz haben zu weiteren Umplanungen und Verzögerungen geführt.

Das umstrittene Vorhaben trägt dazu bei, den Bau neuer Schienenstrecken und einen zuverlässigen, ganztägig dichten Takt zu verzögern. Der Tunnel werde von der Staatsregierung als "das Allheilmittel" angepriesen, von dem die automatische Lösung aller Probleme versprochen werde. Tatsächlich gebe es "bis heute keinerlei Fortschritt, sondern nur immer wieder andere Pläne", rügt Barth. Der Fahrgastverband fordert deshalb, sofort mit dem Ausbau des S-Bahnnetzes zu beginnen. Dazu gehört der Bau von zwei neuen Gleisen auf der Strecke der S 4.

Für den Westkopf Pasing wurde vom Freistaat die Entwurfs- und Genehmigungsplanung in Auftrag gegeben. Dieser Abschnitt wird immerhin bereits viergleisig ausgebaut. Für den Rest der Strecke hatte das bayerische Verkehrsministerium immer behauptet, ein dreigleisiger Ausbau würde "aufwärtskompatibel" erfolgen. Das setzt allerdings voraus, dass alle Brücken, Unterführungen und Bahnsteige entsprechend gestaltet und Platz für das vierte Gleis freigehalten wird. Die bisherige dreigleisige Planung müsste insofern geändert werden, als in Leienfelsstraße und Eichenau Mittelbahnsteige notwendig wären. Der Bahnhof in Eichenau müsste komplett umgebaut werden.

© SZ vom 29.03.2021
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