Süddeutsche Zeitung

Mitten in Fürstenfeldbruck:Zeitlose Weggefährten

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Gorbatschow lag daneben: Wer zu spät kommt, wird doch nicht bestraft. Das beweisen die beiden Martins aus Gröbenzell

Kolumne von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Ganz so soll er es ja gar nicht gesagt haben, der jüngst verstorbene Michail Gorbatschow. Aber der Spruch ist einfach zu schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Es ist genau 20.38 Uhr, als die Tür zum Saal des Fürstenfeldbrucker Gasthofs Zur Post aufgerissen wird und zwei Männer etwas atemlos hereinstürmen. Die beiden verspäteten Weggefährten sind der Gröbenzeller Bürgermeister Martin Schäfer von der UWG und sein Vize, Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Runge. Die Bewerbungsrede des Brucker BBV-Fraktionsvorsitzenden Christian Götz haben sie bereits größtenteils verpasst.

Die beiden Martins hatten, wie sich herausstellt, zuvor noch an einer Ausschusssitzung in ihrer Heimatgemeinde teilgenommen. Runge habe sich da mit Wortbeiträgen sehr zurückgehalten, was doch so gar nicht seine Art sei, stichelt Schäfer - der nach der Sitzung seinen Sohn anbetteln musste, ihm sein Auto zu leihen. Weil es doch pressiert und mit dem Radl alles noch länger gedauert hätte. Da weder Runge noch Schäfer zudem über Armbanduhr oder Handy verfügen, grenzt es an ein Wunder, dass sie nur eine Stunde zu spät dran sind.

Was die Bestrafung betrifft, widerlegen die beiden bekennenden BBV-Sympathisanten aus Gröbenzell den letzten Staatspräsidenten der Sowjetunion. Denn die in der Post versammelte BBV war schleppend wie eine Schildkröte in den Abend gestartet, so dass die beiden Gröbenzeller Zuagroasten das Hauptevent noch live miterleben: die im Saal versammelten Fürstenfeldbrucker schicken Christian Götz ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters. Ohne Gegenstimme, also mit einem Stimmergebnis, wie man das eher aus Nordkorea kennt. Die beiden Sympathisanten aus dem Osten entgehen jeglicher Strafe - sofern sie im Wahlkampf nicht doch noch zum Plakatekleben verdonnert werden.

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