Süddeutsche Zeitung

Ritterturnier Kaltenberg:Letzter Auftritt für Stuntpferd Suerte

Ein Ritt durch brennende Fackeln, freihändig galoppieren: Für Merlin-Darsteller Roman Roell ist alles kein Problem - auch, weil er sich auf sein Pferd "Suerte" verlassen kann. Doch diese Kaltenberger Ritterspiele sind für den Schimmel die letzten.

Julia Weiss

Um ins Morgenland zu kommen, braucht Merlin, besser bekannt unter dem Namen Roman Roell (Foto: Simon), seinen treuen Gefährten Suerte. Seit sieben Jahren sind der schneidige Radio-Moderator und der feurige Andalusierhengst ein eingespieltes Team bei den Kaltenberger Ritterspielen. Aber in diesem Jahr steht der letzte gemeinsame Auftritt an, denn Suerte ist in die Jahre gekommen und soll im stolzen Pferdealter von 21 Jahren in Rente geschickt werden. Den Ruhestand hat sich der Andalusier auch redlich verdient, denn in seinem Pferdeleben hat er schon Großes geleistet: Im Film "Jeanne d'Arc" hatte er Schauspielerin Milla Jovovich auf dem Rücken und in "Napoleon" spielte er als Pferd des französischen Kaisers sozusagen die tierische Hauptrolle.

Suerte" bedeutet "Glück", wenn man es aus dem Spanischen übersetzt, und für Roman Roell war das verlässliche Pferd auch ein wahrer Glücksfall. "Einmal wurde Suerte überraschend krank", erinnert sich der Moderator. "Da musste ich dann Fuego reiten, der hatte Hummeln im Hintern. Das war schon sehr schwierig." Seit 1999 spielt Roell in verschiedenen Rollen beim Mittelalterspektakel in Kaltenberg mit und hat dafür eigens das Reiten gelernt. Seitdem beginnt jedes Jahr im April die Vorbereitungsphase für die große Show.

Drei Monate geht Roell regelmäßig reiten, um sich langsam wieder daran zu gewöhnen und Muskelkater vorzubeugen, bevor es zwei Wochen vor den Auftritten dann ins intensive Training mit Mario Luraschi, dem französischen Cascadeur und Regisseur der Kaltenberger Ritterspiele, geht. In diesem Jahr wird der zweite Teil der Artus-Trilogie aufgeführt und hoch zu Ross geht es richtig zur Sache. "Da kracht es, da ist Aktion geboten", erzählt Roell. "Ich weiß noch, als ich das erste Mal durch brennende Fackeln geritten bin. Da geht einem schon die Muffe am Anfang", sagt er. Mittlerweile kann der erfahrene Reiter allerdings sogar schon freihändig galoppieren. Bleibt nur zu hoffen, dass es nächstes Jahr mit einem anderen Pferd genauso gut läuft: "Das wird schon eine Überraschung, welches Pferd mir der Mario mitbringt. Vielleicht fahr ich sogar mal vorher nach Frankreich, um zu trainieren."

Suerte darf seinen Lebensabend jetzt auf einer Koppel in der Nähe von Paris verbringen. Sein Besitzer Mario Luraschi legt für jedes seiner Pferde eine Altersvorsorge an, die sich diese mit ihren Filmgagen sozusagen selbst verdienen. Eigentlich ist der Andalusier noch in bester Verfassung und wird deshalb weiterhin kleinere Auftritte absolvieren. Die großen Reisen will Luraschi dem Pferd aber nicht mehr zumuten. Roman Roell wird seinen treuen Gefährten auf alle Fälle vermissen: "Suerte kann Vollgas geben und nach drei Schritten in vollem Galopp sein. Trotzdem ist er vom Gemüt her wirklich ganz ein Ruhiger", sagt Roell voller Anerkennung.

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Quelle:
SZ vom 16.07.2011
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