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Religion:Ein Tempel für Ganesha

Der Tamil-Hindu-Verein hat in Fürstenfeldbruck ein Gebetshaus errichtet. Zu den Gottesdiensten sind auch Andersgläubige eingeladen, die die Kultur kennenlernen möchten

Von Selina Deger, Fürstenfeldbruck

Lediglich ein bunt bemaltes Tuch, mit pinken, orangen und gelben Farben und einer Abbildung des Gottes Ganesha, das durch die Fensterscheibe scheint, lassen darauf schließen, was einen drinnen erwartet. Der unscheinbare Bau, mit den Glasfronten ist ein Hindu-Tempel. Statt einer prunkvollen Fassade und bunten, fröhlichen Farben erwartet einen ein eher schlichtes Gebäude. Innen sieht das jedoch anders aus. An den Wänden hängen Tücher in warmen Farben.

Im Sommer feierte der Tempel, der zuvor in Pasing/Neu-Aubing stand, Eröffnung. Die Räumlichkeiten dort waren wegen der hohen Preise und den vielen Stufen nicht länger tragbar für den Verein und die älteren Besucher. Da auch Menschen höheren Alters den Tempel besuchen wollen, war es dem Verein wichtig, ein ebenerdiges Gebäude zu finden. In Fürstenfeldbruck, in der Eduard-Friedrich-Straße am Rande der Buchenau, wurde die Religionsgemeinschaft schließlich fündig. Der Tempel finanziert sich überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, denn der Tempel namens "Sellapillaiyar Ganesha Temple" gehört dem Tamil-Hindu-Verein. Rund eine Million Euro habe der Hindu-Tempel bisher gekostet, sagt Satkuna Nathan aus dem Vorstand des Vereins. Für dessen Finanzierung wurde außerdem ein Kredit aufgenommen.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Der Ganesha Tempel des Tamil Hindu Vereins

Reich geschmückt: Der Priester Siva Sri Balakrishnaiyen bereitet eine Zeremonie im provisorischen Schrein des Ganeshatempels des Tamil-Hindu-Vereins in Fürstenfeldbruck vor.

(Foto: Leonhard Simon)

Ganz fertig ist der Tempel noch nicht. Zwar ist er bereits hier und da mit Tüchern, Blumen und goldenen Gefäßen geschmückt, doch der hintere Teil des Gebäudes birgt noch eine große Baustelle. In der Mitte des Raumes steht ein kleines weißes Holzhäuschen. Der Eingang wird von einem grünen Tuch verdeckt, auf dem Ganesha zu sehen ist. Das weiße Haus gilt nur als Übergangslösung. Hinter einer riesigen dunkelgrünen Plane verbirgt sich der eigentliche Tempel, der aktuell noch wenig ansehnlich aussieht, da er sich noch im Bau befindet. Hier sollen später viele kleine Gebetsstätten stehen, im Zentrum der Tempel für den Gott Ganesha. Zwar ist dieser dem Gott mit dem Elefantenkopf gewidmet, aber auch andere Götter werden verehrt. Der Hinduismus ist mit seinen über 800 Millionen Anhängern eine der größten Weltreligionen. Ihren Ursprung hat die Religion in Indien, hier sind 80 Prozent der Menschen Hindus. Im Gegensatz zum Christentum gibt es im Hinduismus nicht nur einen Gott, sondern mehrere Millionen Götter und Göttinnen.

Bis der eigentliche Tempel fertig ist, muss Priester Siva Sri Balakrishnaiyen Ragunatha Kurukel seine Poojas in dem weißen Häuschen vorbereiten. Poojas sind eine Art Gottesdienst, bei dem die Hindus zu den Gottheiten beten. Das schlichte Häuschen verliert im inneren jegliche Simplizität. Auf einem Altar liegt prachtvoller Schmuck auf grünen und roten Stoffen, die von goldenen Fäden durchzogen sind. Gelbe und orangefarbige Blumen sind überall verteilt. Hier bereitet Ragunatha Kurukel die Pooja vor. Der schlanke Mann hat seine grauen Haare zu einem Zopf zusammengeknotet und passend zu den Farben im Tempel trägt er farbenfrohe Gewänder. Der orangefarbige lange Rock mit den goldenen Streifen und dem roten Bund ist ein traditionelles Kleidungsstück der Priester. Über seinen Schultern liegt ein gemustertes Tuch in leuchtendem Pink. Der Priester ist extra für den Tempel von Sri Lanka nach Deutschland gekommen, denn nicht jeder kann ein Priester sein. Das Priesteramt muss zuerst erlernt werden und wird in der Regel innerhalb der Familie weitervererbt.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Der Ganesha Tempel des Tamil Hindu Vereins

Eine Teilnehmerin der Pooja-Zeremonie entzündet im Ganesha-Tempel des Tamil-Hindu-Vereins die Kerzen.

(Foto: Leonhard Simon)

Jeden Tag um 18.30 Uhr beginnen die Poojas in dem Fürstenfeldbrucker Tempel. An diesem Tag kommen drei Männer und eine Frau, um gemeinsam mit Ragunatha Kurukel zu beten. "Die Frauen tragen Saris, wenn sie zur Pooja kommen", erklärt Nathan. Auch die anwesende Frau trägt das traditionelle Gewand in violetter Farbe. Zu Beginn der Zeremonie zündet sie die goldenen Öllampen an. Ein mentholähnlicher Geruch verbreitet sich im Raum. Ragunatha Kurukel befindet sich zunächst im Häuschen und singt eine Art Sprechgesang, eine Sprache, welche die Anwesenden nicht verstehen können. Lediglich die Priester sind dieser Sprache mächtig, denn sie dient der Kommunikation mit den Göttern, erklärt Nathan. Ragunatha Kurukel ist sozusagen das Medium zwischen den Gläubigen und den Göttern.

Nicht nur Hindus sind im Tempel erwünscht. Jeder sei herzlich willkommen, sagt Nathan, und man freue sich sehr, wenn die Menschen aus der Gegend Interesse an der Kultur zeigten. Gäste sollten nur die Regeln im Tempel befolgen, ihre Schuhe ausziehen und ordentlich gekleidet sein, so Nathan. Ab und zu bekommen die Vereinsmitglieder auch Besuch der angrenzenden Nachbarn. Ingrid Stump wohnt direkt nebenan und freut sich über die neuen Nachbarn. "Wir verstehen uns super. Das hier ist etwas sehr Positives, wir hören sie ständig singen und lachen bei der Arbeit", sagt sie. Die Nachbarin hat außerdem bei der Errichtung des Tempels geholfen, wo es ging. Sie kenne viele Bauern in der Gegend, daher habe sie sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten auf die Suche nach einem Kalb für die Eröffnungszeremonie des Tempels gemacht. Da die Kuh im Hinduismus als heilig gilt, diese aber zu groß für die Zeremonie gewesen sei, durfte ein Kalb die Einweihung besuchen. Bei einem befreundeten Bauern wurden sie fündig und er borgte dem Kulturverein eines seiner Kälber für die Zeremonie. Das Kalb wurde anschließend im Tempel an all jene Orte geführt, wo später eine Gebetsstätte für die jeweiligen Götter stehen soll, bekam reichlich Milch zu trinken und durfte anschließen auch wieder zurück zum Bauernhof, erklärt Gajendran Thuraiappah. Er ist selbst schon mehrere Jahre Mitglied der Religionsgemeinschaft und Besucher des neuen Tempels.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Der Ganesha Tempel des Tamil Hindu Vereins

Der Hinduismus ist mit seinen über 800 Millionen Anhängern eine der größten Weltreligionen.

(Foto: Leonhard Simon)

Für die hinduistischen Gottesdienste wird auch regelmäßig in dem neuen Gebäude gekocht. Im Keller befindet sich eine Küche, in der die meist indischen Speisen zubereitet werden. Die Gerichte sind ausschließlich vegetarisch. Außerdem dürfen keine Speisen von außerhalb mitgebracht werden, lediglich das Essen, das im Tempel gekocht wird, darf verzehrt werden.

Der Plan der Vereinsmitglieder ist, dass sie den Tempel später an die nächste Generation weitergeben können und diese die Religion der hinduistischen Glaubensgemeinschaft weiterführt.

© SZ vom 07.10.2020

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