bedeckt München 13°

Religion:Bewahrer der Schöpfung

Die neuen Pfarrer von Emmering und Grafrath setzen sich für die Umwelt ein

Von Ingrid Hügenell, Emmering/Grafrath

Die neuen evangelisch-lutherischen Pfarrer von Emmering und Grafrath, Markus Eberle und Karl Mehl, haben auch außer ihrem Glauben einiges gemeinsam. Beide stammen aus Franken, beide sind gerne draußen unterwegs, besonders mit dem Fahrrad, beide setzen sich für den Erhalt der Umwelt ein, Eberle ist sogar ausgebildeter kirchlicher Umweltberater. Karl Mehl ist schon am 13. September offiziell in sein Amt eingeführt worden. Eberle arbeitet bereits seit 1. September in Emmering und in der Klinikseelsorge, seine Installation wird am Sonntag, 27. September, gefeiert.

Markus Eberle, 52, hat ein Hobby, das immer populärer wird: Er hält Bienen. Die sechs Völker stehen noch in Feldmoching, sollen aber bald umziehen. In dem Münchner Stadtteil war Eberle in der Kapernaum-Bethanienkirche bis zu seinem Wechsel nach Fürstenfeldbruck tätig. Die Emmeringer Versöhnungskirche, in der er auf einer halben Stelle als Pfarrer tätig sein wird, gehört organisatorisch zur Fürstenfeldbrucker evangelischen Gemeinde. Eberle ist in Emmering der Nachfolger von Pfarrerin Sigrid Schott-Breit, die voriges Jahr im November im Alter von nur 59 Jahren an Krebs gestorben ist. Mit seiner Frau, einer Diplompädagogin, und den drei Söhnen im Alter von 17, 14 und zehn Jahren ist er bereits ins Emmeringer Pfarrhaus gezogen. "Das ist toll renoviert mit Blick auf die Amper und die Wiesen", sagt er. "Ich genieße es sehr, dass ich jetzt in der Nähe eines Flusses wohne." Die Amper habe die Familie bereits mit dem Schlauchboot erkundet, auch Radtouren haben sie schon unternommen und dabei "viele nette Kleinigkeiten" entdeckt.

Markus Eberle ist neuer Pfarrer von Emmering und Klinikseelsorger.

(Foto: Privat/oh)

Der gebürtige Franke hat parallel Theologie und Geografie studiert, sich dann entschieden, Pfarrer zu werden, weil er die Arbeit mit Menschen schätzt, und hat berufsbegleitend, während des Vikariats, die Ausbildung zum Umweltberater absolviert. Im Münchner Norden war er dafür zuständig, Themen wie Müllvermeidung, Klima- und Artenschutz den evangelischen Gemeinden nahe zu bringen.

Auch die eigene Familie versuche, immer näher an die Klimaneutralität zu kommen, "soweit das mit fünf Leuten möglich ist", sagt er. Sie fahren ein kleines E-Auto, kaufen regionale Bio-Produkte. "Es gibt in der Gegend gute Möglichkeiten", sagt der Pfarrer. Der Wunsch, die Natur zu erhalten, komme auch aus der Bibel, aus der Schöpfungsgeschichte und der Noah-Geschichte, sagt Eberle. "Was für eine tolle, große Zusage, dass diese Erde nicht aufhören wird!", sagt er. Das verspricht Gott Noah und seinen Nachfahren am Ende der Sintflut, das Zeichen für den Bund ist der Regenbogen.

Biblische Geschichten spielen für Eberle seit seiner Kindheit eine große Rolle. Seine Großmutter habe ihm oft aus der Bibel vorgelesen. "Es hat mich fasziniert, wie meine Großmutter das mitgelebt hat", sagt er. Seine Lieblingsgeschichte damals: die vom Auszug der Völker Israels aus Ägypten und ihre Wanderung durch die Wüste. In ihr stecke viel Potenzial, es sei eine Befreiungsgeschichte, die nicht umsonst in der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner eine große Rolle gespielt habe.

Kirche

Pfarrer Karl Mehl arbeitet seit September in Grafrath.

(Foto: Privat/oh)

Die andere Hälfte seiner Arbeitszeit ist er in der Klinik- und Seniorenseelsorge tätig. Dabei will er eng mit den katholischen Kollegen zusammenarbeiten, die Ökumene sei ihm selbstverständlich, sagt er.

Ganz ähnlich sieht es Karl Mehl, 57, der sich ebenfalls zunehmend mit dem Umweltthema befasst. Es seien "zunehmend die drängenden ökologischen Fragen, die mich bewegen: Klimawandel, Artenvielfalt", sagt er. Dahinter stecke immer wieder die Frage nach einem nachhaltigen Wirtschaften, "besonders das, was vielleicht unter dem Stichwort "Postwachstumsgesellschaft" manchem bekannt ist".

Vor dem Wechsel nach Grafrath war Mehl, der zwei erwachsene Söhne hat, in den zwei Nachbargemeinden im Münchner Westen tätig. Zum Thema Klimawandel hat er dort im vorigen Jahr eine Fotoausstellung organisiert. Ebenso wichtig wie die Bewahrung der Schöpfung ist ihm die Musik. "Genau genommen war es die Musik, die mich zu Kirche und zum Glauben geführt hat." Schon früh habe er begonnen Orgel zu spielen, dann Singkreise geleitet, auch mit Kindern. Mehl hat im Herausgeberteam des "Kindergesangbuches" mitgearbeitet, seine Aufgaben waren die Auswahl der Lieder und die musikalische Redaktion. In den letzten Jahren lag sein Schwerpunkt auf dem "Neuen Geistlichen Lied". Gerne bietet er dazu Veranstaltungen an, bei denen gesungen und auch diskutiert wird. In Grafrath will er sich weiter mit diesen Themen beschäftigen.

Sehr entgegen komme ihm das Konzept, mit dem Bauwagen für die Gläubigen in den verstreuten Teilen der Gemeinde Gottesdienste abzuhalten. Am Wochenende 26. und 27. September, sowie am 3. Oktober wird er mit Pfarrerin Sabine Huber an fünf Terminen in kleinen Gruppen Jugendliche konfirmieren. Die Feiern mussten coronabedingt in den Herbst verschoben werden.

© SZ vom 23.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite