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Reisebericht:Jenseits von Afrika

SZ FFB Porträt wegen des Südafrikaaustausches

Scheut unwegsames Terrain nicht: Kyra Hosbach bei einem Ausflug in der ländlichen Free-State-Provinz.

(Foto: privat)

Nach zehn Monaten im südlichsten Land des Kontinents ist Gymnasiastin Kyra Hosbach nach Germering zurückgekehrt. Sie berichtet von der Suche nach den Big Five und Spezialitäten wie Bananensalat mit Mayonnaise

Der Bananensalat mit Mayonnaise als Dressing und der Eintopf aus Schafsmagen und -füßen waren ihr dann doch zu viel. Auf diese Erfahrung aus ihrem Auslandsaufenthalt in Middelburg, 140 Kilometer östlich von Pretoria im Nordosten Südafrikas, hat die 16-jährige Kyra Hosbach aus Germering dann doch verzichtet. Das waren aber auch schon die skurrilsten Gerichte am Tisch ihrer Gastfamilie. Die anderen Spezialitäten - Biltong, südafrikanisches Trockenfleisch, und Pap, dicker Maisbrei - hat sie mit deutlich mehr Appetit verzehrt.

"Am liebsten mochte ich die Rusks zum Kaffee. Das sind sehr trockene Buttermilchkekse", erzählt die Schülerin des Carl-Spitzweg-Gymnasiums rückblickend. In Middelburg serviere man sehr oft Kaffee aus Instantpulver, da seien die Kekse eine willkommene Aufwertung. Die südafrikanische Küche kennen zu lernen war aber nicht der Grund für den zehnmonatigen Aufenthalt, von dem sie im Juni zurückkehrte. "Ich wollte immer schon mal nach Afrika. Als ich im Internet nach einer Möglichkeit recherchiert habe, kam der Vorschlag Südafrika, und ich dachte mir, warum nicht", so Kyra. Mit Hilfe des Deutschen "Youth For Understanding" Komitee (YFU) und nach einigen bürokratischen Klimmzügen konnte sie eine burische Gastfamilie finden. Buren sind ein Teil der weißen Bevölkerung Südafrikas, ihre Vorfahren stammen aus den Niederlanden und sprechen Afrikaans - im Gegensatz zum britischen und afrikanischen Teil. Kyra selbst versteht jetzt auch etwas Afrikaans, verständigt hat sie sich aber auf Englisch.

Ihre Schule, die Kanonkop Highschool, war gemischtsprachig, so dass sie die Stunden in englischer Sprache besuchen konnte. Trotz der unterschiedlichen Sprachen und der Multikulturalität habe es einen starken "School Spirit" gegeben. Mit den Uniformen, eigenen Liedern und Parolen habe die Einrichtung ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, was man vor allem bei der Unterstützung der schuleigenen Sportteams sehen könne. Klassenverbände gibt es nicht, der Unterricht wird in Kursen organisiert. Kyra: "In Mathe hatten wir 45 Schüler, in Tourismus nur 15." Fachlich habe sie wenig dazugelernt, weil "das schulische Niveau viel niedriger als in Deutschland ist."

Deshalb ist Kyra froh, die zehnte Klasse nach ihrer Rückkehr nicht wiederholen zu müssen, sondern lediglich eine extra Spanischprüfung ablegen zu müssen. Seitdem sie zurück in Deutschland ist, bekommt sie Nachhilfe, um Rückstände aufzuholen. So hofft sie, ihren Notenschnitt zwischen zwei und vier halten zu können. Das Positive: Das Jahr in Südafrika hat sie in Englisch ordentlich vorangebracht.

Die Unterschiede zwischen Südafrika und Deutschland seien in allen Bereichen sehr groß, so Kyra. Ihr Umfeld in Middelburg, einer in puncto Größe mit Germering vergleichbaren Stadt, sei sehr religiös, konservativ und patriarchalisch gewesen. "So ernst wie die Südafrikaner nimmt das Christentum in Deutschland keiner. Die Menschen auf der Straße sind aber zugleich viel offener und weniger verklemmt." Sie hat noch sporadisch Kontakt zu drei Freunden und ihren drei Gastschwestern, mit denen sie auch viel in Südafrika unternommen hatte. So besuchten sie gemeinsam den Kruger Nationalpark, in dem die Big Five, also Löwe, Leopard, Elefant, Büffel und Nashorn, leben.

In Middelburg selbst habe es "nichts gegeben, was man machen kann." Um ins Kino gehen zu können, müsse man zwei Stunden nach Pretoria fahren, öffentliche Verkehrsmittel gebe es allerdings auch nicht. Blieben also eigentlich nur die Partys im familiären Rahmen, mit "Sokkie", dem burischen Paartanz.

Das historische Erbe der Apartheid ist laut Kyra immer noch präsent in Südafrika. "Rassismus kommt von allen Seiten." Sowohl von den Weißen, die den ehemaligen Präsidenten Zuma wegen der von ihm zu verantwortenden Korruption für aktuelle Missstände verantwortlich machen, als auch von den Schwarzen, die das Apartheidsregime, das bis 1994 herrschte, nicht vergessen haben. "Niemand ist über die Apartheid weggekommen", stellt Kyra fest und verweist auf die "Farm Murderers", die Farmer nur wegen ihrer weißen Hautfarbe töten. Kyra ist durch ihr Auslandsjahr, das unterm Strich knapp 8000 Euro gekostet hat, selbstbewusster geworden. "Ich habe gelernt, mich in ungewohnten Situationen zurechtzufinden und bin reifer geworden", sagt sie. Nur in einer Phase am Anfang habe sie Heimweh bekommen, als die große Religiosität sie überfordert habe und sie außerdem Fieber hatte. Als sie zwei Monate nach ihrer Rückkehr im Kino "König der Löwen" ansah, kam wieder die Sehnsucht auf nach den Weiten Afrikas.