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Reden wir über:Ein besonderes Musikinstrument

Musikerfamilie Servi; Die  Familienmusik Servi â€" das sind die Eltern Klaus und Gertraud mit ihren Söhnen Johannes und Leonhard â€" stehen seit nunmehr 20 Jahren auf der Bühne
(Foto: Andreas Gebert)

Nikolaus Servi gibt am Jexhof einen Maultrommel-Grundkurs

An ein Musikinstrument denken manche beim Anblick des kleinen Metallteils vielleicht nicht gleich. Dabei war die Maultrommel einmal richtig gefragt. In der Barockzeit wurden eigene Konzerte für sie komponiert. Nikolaus Servi aus Eching hat das ungewöhnliche Zupfinstrument gemeistert, das die Mundhöhle als Klangraum nutzt. Der Informationselektroniker und Volksmusikant spielt auch Gitarre, Hackbrett und Steirische. Mit der Maultrommel verbindet er ein besonderes Erlebnis.

SZ: Was ist das Besondere an der Maultrommel?

Nikolaus Servi: Das ist definitiv ihr ganz eigener Klang. Ich kenne kein vergleichbares Instrument. Gerade Saiteninstrumente klingen ja sonst oft ähnlich.

Wo wird sie eingesetzt?

Man findet sie oft in der bayerischen Volksmusik, aber sie wird auch gerne als Klangeffekt eingesetzt, zum Beispiel in der Werbung. Das liegt an der besonderen klanglichen Aufmerksamkeit, die sie erzeugt.

Was muss man bei der Technik berücksichtigen?

Manche haben's gleich heraus - andere tun sich schwerer. Fingerfertigkeit und Präzision spielen eine Rolle. Man legt das Instrument an die Zähne an, und dann kommt es auf die richtige Anschlag- und Atemtechnik drauf an. Ein wenig Übung braucht es schon.

Wie sind Sie auf ausgerechnet dieses Instrument gekommen?

Das ist eine verrückte Geschichte. Mein kleiner Sohn war im ersten Lebensjahr sehr oft krank und hatte Fieber. Dann hat er nicht geschlafen, egal, was man versucht hat. Vor lauter Verzweiflung habe ich zu allem Möglichen gegriffen. Funktioniert hat nur die Maultrommel. Davon war ich so fasziniert, dass ich mich mehr mit dem Instrument auseinandergesetzt habe.

Eignet sich die Maultrommel eher als Soloinstrument oder in der Kombination mit anderen?

Für mich persönlich ist es schöner in der Gruppe. Man kann das Instrument aber auch zur Beruhigung von Geist und Seele einsetzen. Das ist dann eher solistisch ein Thema. Es kommt ganz auf die Anwendung und die jeweilige Person an. In der Mongolei benutzen sie das Spiel auf der Maultrommel fast wie eine richtige Sprache. Sie kommunizieren regelrecht damit.

Wie ist ein Anfängerkurs aufgebaut?

Zuerst geht es darum, einen richtigen Grundton zu erzeugen. Die Oberwellen verändert man durch eine unterschiedliche Formung der Mundhöhle, wie beim Singen. Daraus ergibt sich eine Melodie. Dann muss man lernen, wie man an ein Stück herangeht. Ich spiele dazu gerne Melodien über den Lautsprecher vor, an denen sich die Teilnehmer orientieren können.

Maultrommelkurs für Anfänger mit Nikolaus Servi, Samstag, 13. Juli, von 10 bis 16 Uhr im Bauernhofmuseum Jexhof. Teilnahmegebühr 26 Euro, Anmeldung unter Telefon 08141/519-205 erforderlich.