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Reden wir über:Die nächste S 4-Studie

"Gleichzeitig an den aktuellen Planungen festzuhalten, ist Quatsch", sagt Martin Runge von den Grünen über den aktuellen Plan des dreigleisigen Ausbaus.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Grünen-Politiker Martin Runge pocht auf den viergleisigen Ausbau

Interview von Peter Bierl

Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) hat eine neue Machbarkeitsstudie zum viergleisigen Ausbau der S 4 angekündigt. Beifall kommt sowohl von Parteifreunden wie den Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch und Alexander Dorow wie auch von manchen Grünen. Dagegen rät Martin Runge von den Grünen zur Vorsicht und verweist auf jahrzehntelanges Verzögern und Vertrösten durch Staatsregierung und die Bahn.

Was halten Sie von der Studie?

Es ist kein Schaden, wenn noch einmal nachgedacht wird, ob es nicht sinnvoller wäre, viergleisig auszubauen. Aber gleichzeitig an den aktuellen Planungen festzuhalten, ist Quatsch. Denn der dreigleisige Ausbau ist so, wie er geplant und im Verfahren ist, nicht aufwärtskompatibel.

Erst erklärt die Bahn, drei Gleise seien zu wenig, 2014 dann, das dritte Gleis ist genug. Wieso jetzt wieder ein Schwenk?

Der vorletzte Schwenk war ja begründet in der Abkehr vom Zehn-Minuten-Takt. Dem Druck von Aktionsbündnis, Bürgermeistern und Gemeinderäten und von den örtlichen Abgeordneten ist es wohl geschuldet, dass jetzt noch einmal untersucht wird.

Ist das also eine Alibiveranstaltung?

Hoffentlich nicht, man sollte das nicht gleich aburteilen. Aber es müsste schnell auf die ursprünglichen Planungen aufgesetzt werden. Weitere Verzögerungen beim barrierefreien Umbau von Stationen und ein weiteres Verschieben des S 4-Ausbaus generell sind nicht hinnehmbar.

Was ist denn der Hintergrund?

Bereits 1991 hatte die Bahn den Auftrag bekommen, Infrastrukturmaßnahmen für einen Zehn-Minuten-Takt zu planen, das geht nur mit viergleisigem Ausbau. Dafür gab es dann schon vor mehr als zehn Jahren eine Machbarkeitsstudie, die Vorplanung und die Freigabe bis hin zur Eingabeplanung. Die Kostenexplosion bei der zweiten S-Bahn-Röhre in München war ursächlich dafür, dass man sich vom Zehn-Minuten-Takt, dem eigentlichen Ziel des Projektes, verabschiedete.

Was schlagen Sie vor?

Wir brauchen einen zügigen viergleisigen Ausbau bis Bruck und Überholstellen zwischen Buchenau und Buchloe. Die S-Bahn bis Bruck fährt dann auf den Außengleisen, sodass barrierefreie Außenbahnsteige gebaut werden können.

© SZ vom 08.10.2019
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