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Reden wir über:Die Auflösung der Fairtrade-Gruppe

(Foto: Claudia Calabro)

Claudia Calabrò vermisst Rückendeckung durch die Stadt

In sechs recht dürren Zeilen verkündet Claudia Calabrò, 31 , die Auflösung der Fürstenfeldbrucker Fairtrade-Steuerungsgruppe. Die fünf Ehrenamtlichen schafften die Arbeit nicht mehr, heißt es. Gleichwohl sei es sehr wünschenswert, dass das Engagement in der Stadt fortgeführt werde. Die SPD-Stadträtin und bisherige Sprecherin der Lenkungsgruppe hat in der Tat viel zu tun, zurzeit korrigiert die Englisch- und Französischlehrerin Abituraufgaben. Aber im Gespräch wird schnell klar, dass es durchaus weitere Gründe für den Rückzug gibt.

SZ: 2013 haben Sie den Antrag gestellt, sich fürs Fairtrade-Siegel zu bewerben, beim Neujahrsempfang 2016 wurde dann die Ernennungsurkunde überreicht. Warum nun die Auflösung?

Claudia Calabrò: Es waren die letzten Jahre immer die Gleichen, die sich engagiert haben. Früher waren wir zu neunt, jetzt teilweise nur noch zu dritt. Wir haben uns ehrenamtlich für eine gute Sache eingesetzt. Dafür muss man Zeit investieren, zum Beispiel an den Marktsonntagen, auf denen wir mit einem Glücksrad vertreten waren. Aber wir haben uns oft ausgebremst gefühlt.

Warum das?

Nur ein Beispiel: Wir hatten die Idee, in der Adventszeit im Rathausfoyer über Fairtrade zu informieren. Oberbürgermeister Erich Raff wollte das aber nicht. Er hat das damit begründet, dass man so eine Möglichkeit dann auch anderen Vereinen geben müsste. Ich frage mich, was auch daran eigentlich so schlimm wäre.

Heißt das, dass sich die Stadt gerne mit dem Titel Fairtrade-Stadt schmückt, aber nichts dafür zu tun bereit ist?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, ob die Stadt überhaupt scharf ist auf den Titel, den sie noch unter dem damaligen OB Klaus Pleil verliehen bekommen hat. Im vergangenen November hat der Stadtrat meinen Antrag befürwortet, an fünf Ortseingängen Fairtrade-Schilder anzubringen. Bis heute ist nichts passiert. Ich habe den Eindruck, dass alles abgeblockt wird und wir allein gelassen werden. Für fairen Handel sollte man sich doch mit Herzblut einsetzen. Da frage ich mich dann schon manchmal, ob ich da nicht meine Energie verschwende. Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit doch wirklich wichtig, und an einigen Stellen passiert auch was - wie bei der Einführung des Brucker Mehrwegbechers.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt muss sich entscheiden, was sie will. Der Fairtrade-Verein prüft alle zwei Jahre, ob die Mindestbedingungen gegeben sind. Nächstes Jahr steht das wieder an. Mindestens zwei Veranstaltungen im Jahr müssen belegt werden und Fairtrade-Produkte müssen von einer Mindestanzahl Gastronomen und Einzelhändlern angeboten werden.

Wie sieht da der Status quo aus?

Jeweils fünf müssten wir belegen, es sind aber jeweils sogar um die neun, darunter zum Beispiel Fürstenfelder und Vierwasser sowie AEZ und Schokoreich.

Was sind die klassischen Produkte, die fair gehandelt erhältlich sind?

Die Palette reicht von Tee, Bananen und Orangen über Textilien bis hin zu Fußbällen. Da gibt es mittlerweile eine große Bandbreite. Wichtig ist, dass die Produkte mit einem offiziellen Siegel gekennzeichnet sind, zum Beispiel von Gepa oder von Rapunzel.