bedeckt München 21°
vgwortpixel

Rechte Parolen:Polizei ermittelt an Mittelschule

An der Dorothea-von-Haldenberg-Mittelschule in Mammendorf gibt es Ärger. Schüler hängten pornografische Bilder auf und malten Nazi-Parolen an die Wand. Die Polizei ermittelt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mammendorfer Absolventen hängen bei Abschlussstreich pornografische Bilder auf und malen rechtsradikale Parolen an die Wand. Die Rektorin streicht das Fest, erstattet aber keine Anzeige

Pornografische Bilder im Schulhaus, rechtsradikale Parolen an der Wand - an der Dorothea-von-Haldenberg-Schule in Mammendorf sind die Schüler beim "alljährliche Schulstreich über das Ziel hinausgeschossen", wie Schulleiterin Claudia Bülau mitteilt. Die Rektorin sagte die Abschlussfeiern ab. Die Polizei informierte sie nicht. Doch diese spricht eindeutig von Straftaten. "Das ist nicht harmlos", sagt Michael Fischer, Sprecher der Fürstenfeldbrucker Polizei. Es handle sich weder um Kavaliersdelikte noch um Versehen. Die Polizei ermittle wegen der Verbreitung pornografischer Schriften und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Fischer ist sicher, dass die Jugendlichen wussten, was sie taten.

Die Ermittlungen begannen allerdings erst mit einer Woche Verspätung. Denn Schulleiterin Claudia Bülau schaltete die Polizei nicht selbst ein, wie Fischer berichtet: "Wir sind erst durch Presseberichte aufmerksam geworden." Warum Bülau nicht selbst reagierte, ist unklar. Die Schulleiterin hat dazu trotz einer schriftlichen Anfrage der SZ nicht Stellung genommen. Die Ausdrucke pornografischer Szenen im A4-Format sind inzwischen wieder verschwunden. "Wir hoffen, dass Fotos davon gemacht wurden und die uns zugänglich gemacht werden", sagt Fischer.

"Straftaten unter dem Deckmantel eines Streiches verurteile ich", sagt Thomas Frey, stellvertretender Leiter des Schulamts Fürstenfeldbruck, der für Mammendorf zuständig ist. "Ich begrüße, dass die Polizei Ermittlungen aufnimmt." Die Entscheidung der Schule, die Polizei nicht gleich einzuschalten, wollte Frey nicht kommentieren. Diese sei "autark in ihren Entscheidungen".

Rektorin Bülau hat sich schriftlich zu den Vorfällen geäußert, diese aber nicht klar benannt. Sie schreibt von "Verwüstungen", die sie als "niveaulos und inakzeptabel" bezeichnet. "Man kann hier nicht mehr von einem lustigen Abschlussstreich sprechen." Es sei ein PC kaputt gemacht worden. "Dieser war aber schon alt." Die Täter hätten wohl zu den Abschlussklassen gehört. Genauere Auskunft gibt Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft Mammendorf). Ihm zufolge hatten einige Schüler der Abschlussklasse die Erlaubnis, in der Nacht auf vorigen Montag in der Schule den Streich vorzubereiten. Die hätten andere "hineingeschleust", wohl ehemalige Schüler. Er berichtet, die Polizei sei nachts an der Schule gewesen und habe Personalien aufgenommen - Nachbarn hätten sich wegen Lärms beschwert. Offenbar stellte die Schulleitung den Schülern dann ein Ultimatum: Sie sollten sagen, wer die Verursacher der "Vorfälle" waren, andernfalls würden die Abschlussfeiern der etwa 100 Schüler aus drei M- und zwei Quali-Klassen ausfallen. Dass sich niemand meldete und dass überhaupt schulfremde Leute eingeschleust wurden, wertet der Bürgermeister als Vertrauensbruch. Er habe deshalb Verständnis für die Absage der Feiern. Rektorin Bülau hat angekündigt, es werde keine Abschlussstreiche mehr geben. Konsequenzen für die Schüler werde die Sache nicht haben: "Die sind ja jetzt entlassen."

Im März war schon einmal in der Mammendorfer Schule ermittelt worden. Ein 13-Jähriger hatte einen jüngeren Mitschüler so verprügelt und gegen seinen Kopf getreten, dass der per Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden musste.