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Reaktion auf Fukushima:Ökostrom boomt

Profiteure der Japan-Krise: Seit der Atom-Katastrophe verzeichnen die Versorger im Landkreis ein starkes Interesse an alternativen Tarifen.

Die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima beflügelt auch im Landkreis die Nachfrage nach Ökostrom. "Wir kriegen seit Tagen wahnsinnig viele Anrufe", sagte Andreas Wohlmann, Bereichsleiter Vertrieb der Fürstenfeldbrucker Stadtwerke. Mehr Anfragen als sonst gehen auch bei der Komm-Energie in Eichenau ein. Bisher war die Nachfrage eher gering. Alle vier lokalen Energieversorger bieten Ökostrom an, wobei der Preisunterschied kaum ins Gewicht fällt.

Strommasten

Die Anbieter von Ökostrom verzeichnen seit der Katastrophe in Japan eine steigende Anzahl von Kunden.

(Foto: Günther Reger)

Allerdings ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom. "Da wird viel geschwindelt", warnt Manfred Sengl, Vorsitzender des Umweltbeirates und Grünen-Gemeinderat in Puchheim. Da werde Strom einfach "umetikettiert und teurer", der etwa aus bis zu hundert Jahre alten Wasserkraftwerken großer deutscher Stromkonzerne stamme. Er hat darum gefordert, dass die Gemeinde Puchheim nur solchen Ökostrom für ihre Liegenschaften kauft, bei dem der Mehrpreis für den Bau neuer Anlagen für regenerative Energien verwendet wird. Sengl rät, sich im Zweifelsfall beim Bund Naturschutz oder einem Ökoinstitut zu informieren.

Tatsächlich unterscheidet sich schon das Angebot der vier lokalen Anbieter. Die Strom Germering GmbH bietet "Stromaqua", zertifizierten Strom aus Wasserkraftwerken, als Ökostrom an, ebenso die Komm-Energie GmbH, ein gemeinsames Unternehmen von Eon und den drei Gemeinden Eichenau, Gröbenzell und Puchheim. "Unser Ökostrom stammt zu 100Prozent aus Wasserkraft", sagte eine Mitarbeiterin der Komm-Energie. Aus der Steckdose des Verbrauchers fließt ein Strom-Mix. "Sonst müssten wir das Wasserkraftwerk direkt an Ihre Steckdose anschließen", erklärt sie. Sinke die Nachfrage nach Ökostrom, würden aber keine Wasserkraftwerke abgeschaltet.

Dagegen bietet die neue Energieversorgung Olching, die den Stadtwerken Schwäbisch-Hall und der Kommune gehört, ausschließlich Ökostrom an, wie Gebhard Gentner, technischer Leiter von Schwäbisch-Hall, versichert. "Unser Strom stammt zur Hälfte aus erneuerbaren Energien und zur Hälfte aus Kraft-Wärme-Kopplung, wir haben null Prozent Atomstrom", sagte er der SZ.

Zwei verschiedene Ökostrom-Produkte haben die Stadtwerke Fürstenfeldbruck. Der Kunde kann laut Wohlmann online und ohne weitere Beratung "Naturstrom" beziehen, der komplett aus Wasserkraftwerken kommt. Außerdem bieten die Stadtwerke einen Ökostrom, bei dem ein Aufschlag von einem Cent je Kilowattstunde vollständig in einen Fördertopf fließt. Daraus wird unter anderem der Bau etwa von Photovoltaik-Anlagen bezahlt. Den Solarstrom aus solchen Anlagen verkauft der Betrieb als Ökostrom. "Es ist ein Mechanismus, der dazu führt, dass aus den Erlösen des Solarstroms neue Solaranlagen gebaut werden, also tatsächlich mehr Ökostrom entsteht", sagt der Vertriebsleiter.

Sengl kauft privat bei der Naturstrom AG ein, die 100Prozent Ökostrom vertreibe und ein "Grünstrom-Privileg" genieße. Unternehmen, die 50Prozent und mehr Ökostrom liefern, sind von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz befreit. "Ich bezahle einen Cent mehr für Ökostrom, aber dreieinhalb Cent weniger wegen des Grünstrom-Privilegs, insgesamt ist es billiger als Strom von der Komm-Energie", rechnet Sengl vor. Kaufpreise sind für Kunden jedoch schwer nachzuvollziehen. Die Brucker Stadtwerke etwa müssen eine höhere Konzessionsabgabe an die Stadt bezahlen als andere, sagt Wohlmann.