Raumluftfilter:Kein Allheilmittel

Geräte sind teuer. Vor allem aber können sie geöffnete Fenster nicht ersetzen

Kommentar von Andreas Ostermeier

Die Eltern haben ja recht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mit Beginn des nächsten Schuljahres sich eine vierte Corona-Welle aufbauen könnte und die Schulpolitik sich als ähnlich unvorbereitet erweist wie im vergangenen Jahr. Als die Infektionszahlen anstiegen, kam das untaugliche Homeschooling rasch zurück, ganz entgegen den Schwüren, die Schulen müssten offen bleiben. Die Elternbeiräte wollen verhindern, dass sich ein solches Versäumnis wiederholt. Daher fordern sie die Anschaffung von Luftfiltern. Diese könnten, nach allem, was man weiß, den Aufenthalt in den Klassenzimmern für die Schüler sicherer machen.

Doch die Eltern sollten sich nicht zu viel erwarten. Auch Klassenräume, in denen Luftreinigungsgeräte stehen, müssen wohl regelmäßig gelüftet werden - in den Wintermonaten ein unangenehmes Prozedere. Zudem ist es eher unwahrscheinlich, dass die Klassenräume zu Beginn des nächsten Schuljahres in nennenswerter Zahl mit den Geräten ausgestattet sind, denn Städte, Gemeinden und Landkreise benötigen Abertausende von Filteranlagen, und dies in kurzer Zeit. Außerdem kosten die Luftfilter eine Menge Geld - Geld, das die Kommunen in ihren von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen Haushalten nicht haben. Und: Es gibt bislang auch keine Aussagen der Staatsregierung dazu, ob mit Luftfiltern ausgerüstete Schulen auch bei hohen Inzidenzwerten für ganze Klassen offen bleiben, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Luftfilter anzuschaffen, zumindest für die Jahrgangsstufen, die kein Impfangebot erhalten werden, ist sinnvoll. Doch das wird für einen Präsenzschulalltag möglicherweise nicht reichen. Die Schulpolitiker sind gefordert, sich weitere Gedanken über Konzepte zu machen, die auch bei steigenden Inzidenzwerten die Öffnung der Klassenräume gewährleisten. Und auch Eltern sowie alle Erwachsenen ohne Kinder können etwas zur Sicherstellung von Präsenzunterricht tun: Sofern sie sich noch nicht haben impfen lassen, sollten sie dies schnellstens tun. Denn Impfen ist die beste Vorsorge gegen die Ausbreitung von Corona und damit die beste Vorsorge für offene Schulen.

© SZ vom 23.07.2021
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