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Radverkehr:Politischer Wille erkennbar

Zweiradfahrer sollten die selben Rechte eingeräumt werden wie Autofahrern

Kommentar von Erich C. Setzwein

Wer in der komfortablen Lage ist, ein Auto mit außergewöhnlich guter Federung steuern zu dürfen, den kümmern Straßenschäden kaum. Außer, es spritzt Kies am Fahrzeug hoch und verkratzt den Lack. Wer einen Wagen besitzt, der wie ein Schlaglochsuchgerät funktioniert und jede Unebenheit der Bandscheibe meldet, verspürt auf längeren Strecken vielleicht Schmerzen, kann aber dennoch nicht nachempfinden, wie es Radfahrern geht, die auf den Gemeinde- und Kreisstraßen unterwegs sind. Denn dort lauert die Gefahr, schon bei der kleinsten Unachtsamkeit ausgehoben zu werden. Glück hat, wer nur einen Achter im Vorderrad richten muss, stürzen mag niemand. Doch bis ein solcher Mangel gemeldet und bis er dann behoben ist, vergeht oft viel Zeit. Zeit, in der sich mancher nicht so eingefleischte Radler überlegen könnte, doch wieder lieber mit dem Auto zu fahren.

Wer mehr Autofahrer dazu animieren möchte, aus dem Auto aus- und aufs Rad aufzusteigen, der sollte für Zweiräder ein attraktives Wegenetz schaffen. Im Kreis ist nun der politische Wille dafür erkennbar. Aber warum erst jetzt und warum ist es wieder so umständlich? Der Kreis baue, wenn die Gemeinden den Grund hätten, heißt es. Da schwingt doch wieder der ganze Frust mit, der sich im Landratsamt bei den Verhandlungen mit Grundstückseigentümern an Kreisstraßen in der Vergangenheit aufgestaut hat.

Natürlich kann der Kreis auch Erfolge vermelden, und die Entwicklung des Radwegenkonzeptes ist ja auch nicht stehen geblieben. Die Freude der Radler über neue Trennstreifen auf der Fahrbahn oder gar ein Stück Radweg währt aber meist nur kurz. Zu schwer scheint es zu sein, den Autofahrern Platz auf "ihrer" Straße abzutrotzen, um Radfahren nicht nur sicherer, sondern auch schneller zu machen. Und wenn dann noch gute Schilder in die richtige Richtung weisen, würde die Freude der Radler sicher noch viel länger währen.

© SZ vom 22.10.2019

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